Wehretal: Beton- und Steinreste in aufwändig angelegtem Feuchtgebiet illegal entsorgt

Biotop mit Schutt zugekippt

Zerstörung: Die Gemeinde Wehretal hat das Feuchtbiotop gerade erst angelegt. Jetzt hat ein unbekannter Umweltsünder seinen Bauschutt in die ausgehobenen Mulden gekippt. Bürgermeister Jochen Kistner hofft, dass der Täter ermittelt wird. Foto: Sagawe

Vierbach. Bürgermeister Jochen Kistner traute seinen Augen nicht, als er sah, was ein Umweltsünder in dem neuen und mit großem Aufwand angelegten Feuchtbiotop der Gemeinde Wehretal zwischen Vierbach und Germerode angerichtet hat.

Dort, wo der Vierbach bei Hochwasser sein Bett verlassen und sich auf stillgelegten Grünflächen ausbreiten soll, hat der Unbekannte Bauschutt abgeladen und in die zuvor ausgehobenen Vertiefungen eingearbeitet. Beton- und Steinklumpen, Bewehrungsstahl und Kunststoffreste wurden zerkleinert und fein säuberlich glattgezogen. „Das müssen wir jetzt mit großem finanziellem Aufwand entfernen“, ärgert sich Bürgermeister Jochen Kistner über die gedankenlose Bauschuttentsorgung.

„Wir haben Anzeige erstattet“, so Kistner, „neben einem Ordnungswidrigkeitsverfahren erwartet den Umweltverschmutzer auch ein Regressanspruch für die Beseitigung des Bauschutts.“

16 000 Euro hat die Kommune in das Biotop investiert. Ein Graben wurde verbreitert, eine Flutmulde parallel zum Vierbach ausgehoben, weitere Vertiefungen in einigem Abstand gebaggert. Die Wiese - Eigentümer ist die Gemeinde Wehretal - soll großflächig vernässt und sich selbst überlassen werden. Tiere und Pflanzen finden dort im Überschwemmungsgebiet des Vierbachs einen naturnahen Lebensraum. Das Projekt geht zurück auf den Bau des Fahrradweges zwischen Reichensachsen und Vierbach im Jahr 2002. Die Naturschutzbehörde hatte seinerzeit eine sogenannte Ausgleichsmaßnahme für den Eingriff in die Natur verlangt. Die Auflage forderte unter anderem die Pflanzung von 280 Bäumen entlang des Radwegs.

„Das hätte uns 85 000 Euro gekostet und erhebliche Schwierigkeiten verursacht“, erinnert sich der Bürgermeister. Die Bewirtschaftung der angrenzenden Grundstücke wäre erschwert worden, der Radweg hätte im Schatten gelegen. „Wir haben gemeinsam mit der Naturschutzbehörde nach Lösungen gesucht.“ Das Ergebnis: Entlang des Bachlaufs wird auf einer stillgelegten Wiese das Feuchtbiotop für weniger als ein Fünftel der Kosten angelegt.

Stellt sich noch die Frage: Wollte hier tatsächlich jemand kostengünstig aber illegal seinen Bauschutt los werden, oder handelte der Verursacher gar im Glauben, der Gemeinde etwas Gutes zu tun, wenn er die „Unebenheiten“ am Rand des schmalen Feldweges beseitigt?

Von Harald Sagawe

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