Vor dem Abflug geht es ins Bootcamp für Kriseneinsätze

Birte Rauschenberg aus Reichensachsen hat Film über eine Soldatin in Afghanistan gedreht

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Im Team: (von links) Die Journalistin Birte Rauschenberg und die Soldatin Lena. 

Als die Linienmaschine der Türkisch Airlines im Januar dieses Jahres in Berlin Tegel Richtung Masar-e Sharif in Afghanistan abhebt, fürchtet sich Birte Rauschenberg.

„Ich war tierisch angespannt“, sagt die 28-jährige Journalistin über diesen Moment. Allerdings war es weniger die Angst davor, in ein Krisengebiet aufzubrechen, als eher die Tatsache, nur kurze vier Tage für ihre Reportage über die deutsche Soldatin Lena zu haben – zumal sie Kamerafrau und Regisseurin in Personalunion ist.

„Soldatin im Krisengebiet – Lenas Einsatz in Afghanistan“

Der Dokumentarfilm der aus Reichensachsen stammenden Birte Rauschenberg mit dem Titel „Soldatin im Krisengebiet – Lenas Einsatz in Afghanistan“ wird am kommenden Montag im SWR ausgestrahlt, in dessen Auftrag die Fernsehreportage auch entstand.

Birte Rauschenberg ist Producerin bei der Dok-Film Fernsehproduktion mit Sitz in Potsdam-Babelsberg. Die Vorarbeiten für das Thema sind nicht ohne Komplikationen. Der SWR wünscht sich eine Soldatin aus seinem Verbreitungsgebiet, die Bundeswehr ist bei der Auswahl involviert. Bevor Birte Rauschenberg aufbrechen kann, wird sie in Hammelburg in Bayern über die Bundeswehr und die Vereinten Nationen in einem Bootcamp für Journalisten in Krisengebieten ausgebildet. In vielen Rollenspielen, darunter auch das Szenario von Entführungen, werden die Journalisten auf ihren Auslandseinsatz vorbereitet. Danach gibt es ein erstes Gespräch mit der Soldatin Lena, die Oberleutnant zur See ist und kurz vor ihrem fünfmonatigen Einsatz im afghanischen Masar-e Sharif steht.

Fünf Monate im Camp Marmal

Die 27-jährige Soldatin soll dort als Medienexpertin afghanische Journalisten bei ihrer Arbeit beraten. Fünf Monate lang wird das Camp Marmal, der Bundeswehr-Stützpunkt im Norden Afghanistans, Lenas neues Zuhause. Mit mehr als 2000 anderen Soldaten aus rund 19 Nationen ist sie Teil der NATO-Mission „Resolute Support”. Für ihr Leben im Militärcamp gibt Lena nicht nur den heimischen Komfort in Mayen auf, sondern nimmt auch diverse Risiken auf sich, denn die Sicherheitslage im kriegszerstörten Land ist labil. Immer wieder gibt es schwere Anschläge.

Fünf Monate im Krisengebiet: Die deutsche Soldatin Lena ist Oberleutnant zur See und war fünf Monate in Afghanistan, um dort Journalisten zu beraten. Die Dok-Filmerin Birte Rauschenberg hat eine Reportage über sie gedreht.

SWR und Bundeswehr wollen keinen Dokumentarfilm über Afghanistan, sondern das Porträt einer Soldatin im Einsatz. Deshalb beginnen die Dreharbeiten für Birte Rauschenberg bereits in Deutschland. „Ich habe Lena bei der Sanitätsausbildung begleitet, bei ihrem Alltag in der Kaserne, war bei ihr Zuhause, auch beim vorerst letzten gemeinsamen Kaffeetrinken mit ihrer Familie“, erzählt Birte Rauschenberg.

2000 Soldaten und Soldatinnen

Als die junge Journalistin in Afghanistan landet, wird sie von der Bundeswehr abgeholt und in das Lager Marmal gebracht. Eigentlich habe sie eine konkrete Vorstellung gehabt, wie es in einem Lager mit 2000 Soldaten und Soldatinnen zugeht. „Was mich total überrascht hat, war die Atmosphäre von Gelassenheit“, sagt sie. Ihre Erklärung: „Ein Zustand ständig innerer Alarmbereitschaft verkraftet weder Körper noch Geist auf Dauer.“ Daran, dass alle ständig schwer bewaffnet und uniformiert sind und permanent Hubschrauber über dem Camp fliegen, habe sie sich schnell gewöhnt. Doch zu dieser Zeit ist Birte Rauschenberg die einzige Journalistin und Zivilistin im Camp, außerdem hat sie natürlich immer ihre Kamera dabei. „Ich bin total aufgefallen und hatte damit den Jackpot an Aufmerksamkeit“, erzählt sie.

Vier Tage begleitet sie die deutsche Soldatin Lena und deren Team, filmt ihren Alltag als Soldatin, aber auch die private Lena in Afghanistan.

In Reichensachsen aufgewachsen

Birte Rauschenberg, die in Reichensachsen aufgewachsen ist, hat 2018 in Reichensachsen ihren ersten Dokumentarfilm über ihren Vater, den Landwirt Achim Rauschenberg, vorgestellt. Damals absolvierte sie eine Ausbildung zur Videojournalistin, heute ist Junior-Producerin bei Dok-Film in Potsdam Babelsberg.

Der Filmist am kommenden Montag, 29. Juni, um 18.15 Uhr im SWR zu sehen.

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