Bürgerbus fährt ab jetzt zweimal pro Woche durch Wehretal

Lenken den Bürgerbus durch das Gemeindegebiet: Alfred Ingrisch (links) und Klaus Großkurth sind zwei der bislang 13 ehrenamtlichen Fahrer.

Wehretal. Erst vor vier Wochen hat die Gemeinde Wehretal ihn im Opel-Werk in Rüsselsheim abgeholt, gestern fuhr der neue Bürgerbus zum ersten Mal durch das Gemeindegebiet. Künftig soll er nicht oder nur eingeschränkt mobilen Bürgern aus den entlegenen Ortsteilen dabei helfen, in den Kernort Reichen-sachsen und wieder zurückzugelangen.

An zwei Tagen pro Woche, jeweils dienstags und donnerstags, verkehrt der kostenlose Fahrservice ab jetzt zwischen Reichensachsen und den anderen vier Ortsteilen. Zwei Runden – einmal hin, einmal zurück – fährt der Bus durch das Gemeindegebiet. Dafür hat die Gemeinde vorab einen Linienfahrplan erstellt (siehe Text unten). Doch der ist keineswegs in Stein gemeißelt, wie Wehretals Bürgermeister Jochen Kistern betonte. „Es ist ein lebendes Projekt“, so Kistner. Der Fahrservice befände sich derzeit in der Erprobungsphase, wobei Haltestellen und Fahrzeiten an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden sollen. Dafür sind die Bürger dazu aufgerufen, der Gemeinde ihre Änderungswünsche mitzuteilen.

„Ich hoffe, dass der Bürgerbus schnell als Normalität angenommen wird und keine Hemmschwelle, wie etwa bei dem Konzept des Anrufsammeltaxis, entsteht“, sagte Kistner. Denn der Bedarf sei da: In Gesprächen mit den Bürgern in den entlegenen Ortsteilen habe er in der Vergangenheit mehrfach erfahren, dass es Nachbarschaftshilfe nach wie vor gibt, die Verbindung untereinander aber nicht mehr so stabil wie früher ist.

Ein Problem, das auch Ursula Renner und Hildegard Weiß kennen. Die beiden Seniorinnen aus Hoheneiche zählten zu den drei Fahrgästen, die den Bürgerbus auf seiner Jungfernfahrt begleitet haben. Sie haben den Fahrservice genutzt, um Einkäufe in Reichensachsen zu erledigen. „Der Bus ist sehr gemütlich, man sitzt darin wie auf einem Sofa“, sagte Weiß. Froh über den neuen Bürgerbus ist auch Renner: „Ich selbst kann nicht mehr Auto fahren“, sagte die Seniorin. Daher wolle sie künftig öfter in den Bürgerbus einsteigen.

Alfred Ingrisch saß bei der ersten Fahrt des Bürgerbusses hinter dem Steuer. Er ist einer von 13 ehrenamtlichen Fahrern, die sich bereits für das Projekt gefunden haben. „Ich leiste schon lange ehrenamtliche Arbeit. Daher war es für mich selbstverständlich, den Fahrdienst zu übernehmen, so lange ich noch gesund bin“, sagte der Rentner.

Da die Gemeinde plant, den Fahrservice langfristig auf drei Tage pro Woche auszuweiten, werden weiterhin noch Bürgerbusfahrer gesucht. Interessierte können sich bei der Gemeindeverwaltung unter Tel. 0 56 51/9 49 00 oder per E-Mail an verwaltung@wehretal.de melden.

So nutzen andere Gemeinden ihren Bürgerbus

Neben Wehretal haben auch die Gemeinden Meinhard, Meißner und Berkatal vor vier Wochen einen Bürgerbus von der Landesstiftung Miteinander in Hessen erhalten. Als Nächstes fällt der Startschuss in Meinhard. Hier soll der Bus Anfang März den Fahrbetrieb aufnehmen. Der bisher vorläufige Fahrplan wird in einer Bürgerversammlung an den tatsächlichen Bedarf in den sieben Ortsteilen angepasst. Durch Meißner und Berkatal, die sich aufgrund der geografischen Nähe ein Fahrzeug teilen, fährt der Bürgerbus zum ersten Mal am 1. April und dann jeden Dienstag und Donnerstag. Daneben betreiben Ringgau und Weißenborn schon seit 2011 gemeinsam einen Bürgerbus. Das Projekt wird dort so gut angenommen, dass die beiden Gemeinden für die anderen hinsichtlich der Einführung des Bürgerbusses zum Vorbild geworden sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare