Freude über jeden Halm: Landwirte diskutierten mit den Bauernverbänden

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Öffnete seine Hoftüren: Landwirt Korbinian Riedl hatte die Domäne Lautenbach bei Langenhain für das Erntegespräch zur Verfügung gestellt.

Langenhain. Wetterbedingte Schäden, Handelsembargos und enormer Preisdruck durch den Einzelhandel: Die Landwirte im Werra-Meißner-Kreis haben es nicht leicht. Jetzt kämpfen sie mit Ernteeinbußen von 30 bis 50 Prozent beim Getreide- und Futteranbau.

„Die Weizenernte in diesem Jahr war eine Katastrophe“, schildert Landwirt Korbinian Riedl, Betriebsleiter auf der Domäne Lautenbach bei Langenhain. Dort fand das Erntegespräch mit Karsten Schmal, dem Vizepräsidenten des Hessischen Bauernverbandes, und Vertretern der hiesigen Landwirtschaft statt, die gemeinsam über Probleme diskutierten:

Trockenheit 

Ein ganz großes Problem in diesem Jahr war die lang anhaltende Trockenperiode. Von Februar bis Mai seien laut Schmal in Hessen nur etwa 55 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge gemessen worden, im Hauptwachstumsmonat Mai seien es sogar nur 30 Prozent gewesen. „Beim Winterweizen liegt der Ertrag je nach Standort in diesem Jahr bis zu 30 Prozent unter dem Vorjahresergebnis“, sagt Schmal.

Große Probleme gebe es aufgrund der Trockenheit auch bei den typischen Futterpflanzen wie Silomais und Grünland. Probleme bereite dies vor allem den Rinderhaltern, die ihr Vieh im Winter versorgen müssen. Torsten Müller, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes und Landwirt in Archfeld, steht selbst in diesem Jahr vor dem Problem. „Man freut sich bereits über jeden Halm den man mähen kann.“ Einige würden vor der schwierigen Lage in Kombination mit dem Preisdruck gleich ganz aufgeben, schildert Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Die Forderung der Landwirte: Sie wollen die ökologischen Vorrangflächen abmähen, um mehr Futter für die Tiere zu bekommen. Grünes Licht dafür gab es erst Mitte Juli. Da war es zu spät.

Erzeugerpreise 

Die meisten Erzeugerpreise seien laut Schmal derzeit stark unter Druck. Besonders betroffen seien die Milchpreise, die etwa 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. Bei den Schweinen seien die Preise um etwa 20 Prozent gefallen. Gefordert wird ein Soforthilfeprogramm für die Existenzsicherung.

Hagelschaden 

Nach der Hitzewelle am ersten Juliwochenende gab es insbesondere in Nordhessen Hagelschäden in Millionenhöhe, schildert Schmal.

Mäuseplage 

„Die Mäuse sind zur Plage geworden“, sagt Roth. Durch die natürlichen Feinde sei die Plage nicht mehr einzudämmen. Derzeit gebe es Flächen mit bis zu 4000 Mäusen pro Hektar. Giftköder auslegen sei aber verboten.

Gelbzwergenvirus 

Der milde Herbst habe zu starkem Zuflug von Getreideblattläusen geführt, die das Gelbzwergenvirus übertragen können. Dieses Virus lässt das Getreide absterben. Roth kritisiert, dass seit 2009 Wirkstoffe gegen Pilz- und Insektenbefall bei Weizen ohne fachliche Begründung „politisch nicht mehr gewünscht sind.“

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