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Gelungene Beteiligung der Wehretaler Bürger bei Versammlung

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Von: Emily Spanel

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Am Mikrofon: Die Bürger waren dazu angehalten, nach jedem Thema Fragen zu stellen. Hier Reinhard Siegel zum Thema Forstwirtschaft.
Am Mikrofon: Die Bürger waren dazu angehalten, nach jedem Thema Fragen zu stellen. Hier Reinhard Siegel zum Thema Forstwirtschaft. © Emily Hartmann

Erfolgreiche Bürgerbeteiligung macht Lust auf mehr. Bürger, Politiker, Verwaltungsmitarbeiter: Alle sind zufriedener, wenn wichtige politische Entscheidungen im Dialog gereift sind, hohe Qualität besitzen und breit akzeptiert werden.

Reichensachsen – Entsprechend dieser Maxime hat die Gemeinde Wehretal am Mittwochabend zur Bürgerversammlung ins Bürgerhaus nach Reichensachsen geladen – Nachfragen, Impulse und Mitsprache der Bürger ausdrücklich erwünscht.

In Vorbereitung auf die Bürgerversammlung haben die Mitarbeiter der Wehretaler Gemeindeverwaltung ein detailliertes Konzept ausgearbeitet – ein gelungener Spagat aus Informationen aus den vergangenen drei Jahren, dargereicht in einer verträglichen Zeitspanne von zweieinhalb Stunden. „Die Verwaltung hat hier eine hervorragende Arbeit geleistet“, lobt Wehretals Bürgermeister Timo Friedrich, der nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Norbert Claus (FWG), souverän durch den Abend führte.

Die rund 30 Wehretaler Bürger – Mitglieder der Gemeindevertretung und des -vorstands waren in großer Zahl anwesend; dazu die komplette Gemeindeverwaltung – nahmen Informationen aus den Themenbereichen Verwaltung, Infrastruktur und Aktuelles mit. Viel hatte sich angesammelt, denn „aufgrund der Coronapandemie war es uns leider nicht möglich, in den Jahren 2020 und 2021 zu Bürgerversammlungen einzuladen“, erklärte Timo Friedrich. „Das bedauern wir sehr, zumal gerade in Wehretal viele berichtenswerte Projekte umgesetzt wurden und auch noch werden.“

Berichtet wurde so über die vielfältigen Auswirkungen der Coronapandemie, etwa auf die Verwaltungsarbeit und die Terminvergabe. Themen waren weiterhin der Bürgerbus („für Verbesserungsvorschläge aus der Bürgerschaft sind wir dankbar“), die Überwachung des ruhenden und fließenden Verkehrs in Wehretal sowie die forstwirtschaftliche Planung der Gemeinde.

Erwartungsgemäß rügte Reinhard Siegel aus Reichensachsen, Mitglied des örtlichen Werratalvereins, die Art und Weise des Holzeinschlags nahe des Wichtelbrunnens im Frühjahr (wir berichteten) scharf. Von der Gemeinde wünsche er sich in Zukunft eine transparente, frühzeitige Kommunikation über forstwirtschaftliche Maßnahmen dieser Größenordnung. „Die ohnehin ständige Abstimmung mit Hessen Forst wird weiter intensiviert“, sicherte Timo Friedrich zu.

Großer Informations- und Diskussionsbedarf bestand auch hinsichtlich des Sondergebiets Einzelhandel in Reichensachsen. Der Inhaber des Edeka-Marktes plant die Verlagerung und die gleichzeitige Vergrößerung des ortsansässigen Marktes; gleichzeitig möchte auch Aldi dort einen Neubau errichten.

Ulrike Gätje aus Reichensachsen mahnte, den „lebendigen Ortskern“ nicht aus dem Blick zu verlieren: Durch die Verlagerung der Märkte an den Ortsrand drohe die Aushöhlung des Ortskerns; weiterhin seien die Bürger gezwungen, zum Einkaufen das Auto zu nutzen.

„Die Menschen vermissen es, mal eben zu Fuß einkaufen gehen zu können“, sagte die Reichensächserin und erntete für ihre Argumentation viel Applaus. Veränderungen böten auch eine Chance, reagierte Timo Friedrich, der ihren Impuls aber gern aufnahm. Für eine Nachnutzung der Gebäude sei bereits gesorgt. Klaus Zeh aus Oetmannshausen interessierte sich für die Sanierung des Hochbehälters in Reichensachsen: Der ist abgängig; etwa 996 000 Euro wird die Mängelbeseitigung zur Aufrechterhaltung der Hygienevorschriften kosten. „Diese Kostenschätzung ist aktuell“, erläuterte Timo Friedrich – und die Gemeinde habe rechtzeitig alles Nötige veranlasst.

Mit Informationen zu Straßenausbauprojekten, dem Gewerbegebiet, dem Feuerwehrstützpunkt Reichensachsen, dem Neubau des Kindergartens und dem Breitbandausbau schloss die Bürgerversammlung. Fazit: Gelungene Bürgerbeteiligung wirkt sogar über das konkrete Projekt hinaus, weil sich eine neue Kultur des Miteinanders entwickelt.

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