Gemeinde ebnet Weg für Gewerbegebiet

Noch sind es die goldenen Äcker: Verschiedene Behörden sollen jetzt prüfen, ob hier ein Gewerbegebiet entstehen kann. Foto:  Wüstefeld

Hoheneiche. Die Gemeinde Wehretal hat den Weg freigemacht für ein mögliches Gewerbegebiet in Reichensachsen. Nicht alle Parlamentarier stimmten diesem Vorhaben während ihrer Sitzung zu.

Es war eine Diskussion, wie es sie selten zwischen den Gemeindevertretern aus Wehretal gibt: Als die am Montagabend bei ihrer letzten Sitzung in dieser Zusammensetzung darüber entscheiden mussten, ob der Weg freigemacht werden soll für eine Gewerbegebiet rund um das Betonwerk am Ortsrand von Reichensachsen, wurde es laut und hitzig.

Die Gegner

Vor allem die Mitglieder der FWG-Fraktion kritisierten die Planungen des Bürgermeisters, der für das Gewerbegebiet ist. „Wir sind entsetzt über das Vorgehen. Wir sollen jetzt unter massivem Zeitdruck ohne ausreichende Informationen entscheiden“, macht Fraktionsvorsitzender Wolfhard Austen deutlich. Zudem sei das Gebiet ungeeignet, ergänzt Fraktionsmitglied Norbert Claus: „Jeder erinnert sich an das Hochwasser, das es dort Anfang der 80er-Jahre gegeben hat.“ Diese Fläche könne man jetzt nicht einfach zuschütten. Außerdem habe er den Eindruck, dass die Zuschüttung nur erfolgen soll, damit die Erde aus dem Trimberg-Tunnelbau kostengünstig abgeladen werden könne - was Bürgermeister Jochen Kistner vehement abgestritten hat. „Was hätten wir denn von der Erde? Nichts.“ Außerdem gäbe es überhaupt keine zeitliche Übereinstimmung, da der Tunnel viel früher ausgehoben werde als das Gewerbegebiet je erschlossen werden würde.

Die neutralen Stimmen

Einer, der gespalten ist, was die Entscheidung für oder gegen das Gewerbegebiet angeht, ist CDU-Mann Friedhelm Zindler. Generell sei er dafür, aber nicht um jeden Preis. Auch er kritisierte die Hektik, mit der das alles vonstatten gehe, auch er erinnerte an das Hochwasser. Und an schon einen Versuch, ein Gewerbegebiet an ähnlicher Stelle zu erschließen: „Damals sind unser einstiger Bürgermeister Horst Dietzel und der damalige aus Eschwege, Jürgen Zick, damit aber gescheitert, eben wegen des Hochwassers.“ Auch hier intervenierte Kistner: Das mögliche Gewerbegebiet, das in seiner genauen Fläche noch bestimmt werden müsste, sei kein Überschwemmungsgebiet.

Die Befürworter

Mit 14 Ja-Stimmen für einen Aufstellungsbeschluss gegen fünfmal Nein und vier Enthaltungen haben sich die Befürworter des Gewerbegebietes nach einer knapp 40-minütigen Diskussion durchgesetzt. „Ich habe schon immer darauf hingewiesen, dass die Gemeinde diese Art der Steuereinnahmen braucht“, sagt etwa Dieter Neuser von der SPD. Ein Nein wäre deshalb ein Verrat an ihm selbst. Zudem biete sich die Lage gut an, ergänzt Parteikollege Ralf Schlarbaum, was auch von Hartmut Henkelmann (CDU) anerkannt wird: „Kommt die Nordumgehung, ist die Fläche der goldenen Äcker sowieso zerschnitten.“

Mit dem beschlossenen Aufstellungsbeschluss ist die Entscheidung, ob es tatsächlich ein Gewerbegebiet geben wird, noch nicht gefallen. Zunächst müssen Behörden wie die Untere und Obere Naturschutzbehörde sowie die Wasserschutzbehörde prüfen, ob das aus ihrer Sicht genehmigt werden könnte.

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