Nachsucher Heiko Pankratz und seine Hündinnen

Nachsucher Heiko Pankratz spürt mit seinen Hunden verletztes Wild auf

Ein eingeschworenes Team: Jäger Heiko Pankratz aus Wehretal mit seinen beiden Hündinnen Ylva (links) und Otti (rechts). Pankratz ist einer von fünf sogenannten Nachsucheführern, die mit Hunden bei der Jagd oder Verkehrsunfällen verletzte Wildtiere im Wald aufspüren. Manchmal rennt das Wild nach dem Schuss noch einige Meter in den Wald und kann vom Jäger nicht gefunden werden. Haupteinsatzzeit sind für Pankratz der Herbst und Winter, wo viele Treib- und Gesellschaftsjagden stattfinden. Fotos: Stefanie Salzmann/ Heiko Pankratz/ nh

Liegt das Wild nicht am Anschuss, sondern flüchtet möglicherweise verletzt, müssen Jäger einen Nachsucher bestellen. Einer von ihnen ist Heiko Pankratz mit seiner Hündin Ylva.

Jetzt ist Hochsaison für Jäger Heiko Pankratz. Im Oktober beginnt die Hauptjagdsaison und viele Treibjagden werden veranstaltet. Doch Pankratz hat seine eigne Art der Jagdausübung. Er ist einer von fünf Nachsucheführern im Werra-Meißner-Kreis. Ihn rufen die Jäger, wenn der Schuss nicht saß und das Wild nicht am Anschuss liegt – das ist die Stelle, wo die Kugel das Tier traf. Oft laufen Tier wegen des Adrenalins aber noch bis zu 150 Metern, obwohl der Schuss gut sitzt. „Dann muss der Jäger eine Nachsuche veranlassen“, sagt Pankratz, denn verletzte Tiere sollen nicht unnötig leiden. Dazu sind die Jäger sogar verpflichtet.

„Das Falscheste für einen Jäger ist, dem Wild hinterherzulaufen, wenn er nicht sicher ist, ob es tot ist“, weiß Pankratz. Dafür gibt es den Nachsucher und, ganz wichtig: den Hund. Pankratz hat einen Bayrischen Gebirgsschweißhund, eine liebe Hündin namens Ylva. „Der Hund weiß mit Sicherheit, ob das Stück tot ist.“

Im Laub: Ylva hat das Schwein gefunden.

In aller Regel verabredet Pankratz sich mit dem Jäger an der Stelle, wo das Wild angeschossen wurde. Meist finden sich sogenannte Schweißspuren wie Blut, Leber oder Lunge. Und dann kommt Ylvas Stunde, die Hündin nimmt die Fährte auf und folgt ihr. Dabei kann der ausgebildete Schweißhund genau zwischen einer „gesunden“ Wildspur und der Schweißspur“ eines verletzten Tieres unterscheiden. An einer etwa zwölf Meter langen Leine folgt sie der Fährte. „Kommt der Hund in die Nähe des Wildes, wird er langsamer, knurrt und stellt die Haare auf“, beschreibt Pankratz die Suche. „Dann weiß ich, dass da was ist.“ Ist das Tier tatsächlich nicht tot, tätigt der Nachsucher den sogenannten Fangschuss; Pankratz benutzt ein Gewehr. „Mit einer Kurzwaffe müsste man dem Tier viel zu nahe kommen – das ist was für Cowboys“, sagt er.

Fund auf offenem Feld: ein Wildschwein.

Nicht jede Nachsuche führt zum Erfolg. Einmal hat Pankratz drei Tage einen großen Hirsch, der angefahren worden war, gesucht. Das Tier hatte sich mit seinem Gehörn durch die Frontscheibe eines Autos gebohrt, war aber dann geflüchtet und im Wald verschwunden. „Nach zwei Tagen konnte und wollte der Hund nicht mehr“, erinnert er sich. Entdeckt wurde der kapitale Hirsch dann drei Tage später auf einer Wiese bei Großalmerode – mit schweren inneren Verletzungen, denen er auch erlag.

Seit über 30 Jahren ist Heiko Pankratz als Nachsucheführer in der Region im Einsatz. „Die Arbeit mit den Hunden ist für mich das Größte“, sagt er. „Das ist meine Art der Jagdausübung.“ Ylva ist sein vierter Schweißhund, sie ist über acht Jahre alt und Pankratz muss jetzt schon an die Ausbildung des Nachwuchses denken. Das ist Otti, eine viermonatige Hündin, mit deren Ausbildung er jetzt begonnen hat.

Die Ausbildung des Hundes dauert mindestens eineinhalb Jahre. Pankratz, der inzwischen im Ruhestand ist, arbeitet intensiv mit seinen Tieren. Erste Trainingseinheiten finden noch im heimischen Garten statt, dann geht es in den Wald. Pankratz klemmt dann unter spezielle Schuhe die Läufe eines Wildtieres und legt so eine Fährte. Die muss der Hund am nächsten Tag finden, ohne sich von den gesunden Spuren wilder Tiere ablenken zu lassen. Am Ende der Fährte wartet auf den Hund eine Belohnung in Form von Futter.

Die Strecken sind zum Teil bis 2000 Meter lang, mindestens 20 Stunden sollen sie alt sein. Weil Pankratz seine Tätigkeit als Nachsucher ehrenamtlich macht, darf er im Gegenzug seine Hunde auch in vielen verschiedenen Revieren der Region ausbilden. „Die Abwechslung durch die Vielfalt der verschiedenen Reviere macht es für den Hund spannend“, sagt er.

Schweißspuren: Solche Spuren zeigen Heiko Pankratz, dass ein Tier verletzt ist. Die Grasnarbe ist aufgerissen, Blut und Gewebe sind zu sehen. Foto: Heiko Pankratz/ nh

Um die 60-mal im Jahr ist Pankratz im Durchschnitt als Nachsucher im Einsatz. Meist sind es die Jäger, die ihn rufen. Doch würden Fehlschüsse bei normalen Ansitzjagden heute höchstens noch fünf Prozent ausmachen. „Die Technik ist heute so ausgereift, dass das Tier in aller Regel sofort tot ist“, erklärt der Nachsucher.

Jährlich werden im Kreis einige Tausend Stück Wild geschossen. Häufiger gebraucht wird er bei Treib- und Gesellschaftsjagden, wo mehr geschossen wird und wegen des ganzen Trubels viel Wild auf den Läufen ist. Manchmal rufen ihn die Jagdpächter auch, wenn ein Wildtier auf der Straße angefahren wurde.

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