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Hirschkalb nahe Vierbach gerissen: Rissgutachter schließt Wolf nicht aus

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Von: Stefanie Salzmann

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Gerissen: Wolfsrissgutachter Gerhard Scholz nimmt Proben von einem gerissenen Hirschkalb. Entdeckt wurde der Kadaver von Jagdpächter Christoph Arend (rechts), links Landwirt Markus Albrecht und Naturschutzbedienstete Juliane Beume.
Gerissen: Wolfsrissgutachter Gerhard Scholz nimmt Proben von einem gerissenen Hirschkalb. Entdeckt wurde der Kadaver von Jagdpächter Christoph Arend (rechts), links Landwirt Markus Albrecht und Naturschutzbedienstete Juliane Beume. © Stefanie Salzmann

Vierbach – Knapp 200 Meter oberhalb von Friedhof und Sportplatz des Wehretaler Ortsteiles Vierbach hat in der Nacht zum Donnerstag vermutlich ein Wolf ein Hirschkalb gerissen.

Entdeckt wurde der frische Kadaver am Donnerstagmorgen von Jagdpächter Christoph Arend, der dort mit seinem Hund unterwegs war. „Zumindest am Mittwochabend war dort noch kein Kadaver“, versichert Arend.

Der Kadaver lag in Sichtweite des Dorfes an einem Feldweg im Graben. Eine Schleifspur führte auf ein benachbartes Feld. Pfotenspuren ließen sich nicht ausmachen, da der Riss möglicherweise vor dem Einsetzen des Regens gestern Morgen stattgefunden hatte.

Ein Wolf ist als Verursacher nicht auszuschließen

Gerhard Scholz, Rissgutachter des Forstamtes Witzenhausen, der mit seiner Nachfolgerin, der Naturschutzbediensteten Juliane Beume am Vormittag vor Ort war, um Genproben des Kadavers zu nehmen, sagte: „Ein Wolf ist als Verursacher nicht auszuschließen.“ Was er allerdings ausschloss, dass das Hirschkalb von einem Fuchs oder Luchs gerissen worden war. „Bleiben dann eigentlich nur ein starker Haushund oder ein Wolf.“

Scholz entnahm an dem Kadaver DNA-Proben von mehreren Kehlbissen, die das Kalb aufwies sowie von zahlreichen Blutergüssen im Nacken des Tieres. Des Weiteren entnahm er Proben von den Fraßstellen am Bauch des Tieres. „Hier ist jedoch die Gefahr groß, dass nur DNA von Nachnutzern wie Füchsen oder Hunden nachgewiesen werden kann“, sagte Scholz.

Das Ergebnis der genetischen Analyse, die das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie durchführt, wird in etwa drei Wochen erwartet. Dann ist klar, ob es sich um einen Wolf als Verursacher gehandelt hat, ob es ein männliches oder weibliches Tier war und ob der Riss sogar möglicherweise einem bereits bekannten Wolf zuzuordnen ist.

Sorge um Kinder

Ortsvorsteherin Katharina Dilling sieht die Nähe des Wolfs an der Ortslage mit Sorge. „Da fängt man schon an, sich Sorgen um die Kinder zu machen“, sagt sie. Das betrifft nicht nur den Sportplatz, sondern Kinder aus dem Dorf sind dort häufig unterwegs. Zuletzt war bei Vierbach im Dezember 2020 von Jägern ein Wolf gesichtet worden, der ein erlegtes Reh verschleppte. Im Dezember vorigen Jahres hatte eine Frau zwei Wölfe eineinhalb Kilometer vor Vierbach auf Höhe des Aussiedlerhofes gesichtet. Eine Spaziergängerin, die am Mittwochnachmittag mit ihrem Hund im Wald unterwegs war, berichtete, dass ungewöhnlicherweise kein einziges Wildtier in der eigentlich wildreichen Gegend zu sehen war.  

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