Serie kleinste Ortsteile: Vierbach galt früher als Ort der Birnen

Blick von oben: Vierbach. Der Ort ist 1936 aus einem Zusammenschluss von Bernsdorf und Wipperode entstanden. 1971 wurde er dann in die Gemeinde Reichensachsen eingegliedert, die noch im gleichen Jahr Ortsteil der neuen Gemeinde Wehretal wurde. Foto:  privat

Vierbach. Großstädter werden in Vierbach verwundert sein: Ist denn schon Sonntag, wollen sie an einem Samstagnachmittag wissen? Nein. Vielmehr haben die gut 270 Einwohner des kleinsten Ortsteils der Gemeinde Wehretal ihre Arbeiten und Einkäufe erledigt und können ihre Freizeit genießen - in aller Ruhe.

„Das ist es, was mir hier so gut gefällt“, sagt Axel Stöber. Der 46-Jährige ist in dem Dorf aufgewachsen, hat dort bisher sein ganzes Leben verbracht - und möchte die Ruhe nicht gegen die Hektik in größeren Städten eintauschen, weder wochentags noch am Wochenende. Zudem genießt er den direkten Zugang zur Natur: Lediglich die Straße, die von Reichensachsen nach Germerode durch Vierbach führt, endet nicht in einem Wald- oder Feldweg wie alle anderen Straßen im Ort. „Dadurch haben wir nur wenig Verkehr hier, was sehr angenehm ist.“

Generell ist in Vierbach alles fußläufig zu erreichen: Vom Sportplatz, der am Ortseingang aus Richtung Reichensachen kommend liegt, ist es nicht weit zur 1863 erbauten Kirche. In der sollte unbedingt einmal ein Gottesdienst miterlebt werden: Natürlich auch wegen der Inhalte, vor allem aber wegen zweier wunderbarer Fenster: Die schimmern in einem kräftigen Blau. „Die haben wir gespendet bekommen“, ist Stöber erfreut.

Erstrahlt in schönem Blau: das Kirchenfenster in Vierbach. Foto:  privat

Verspürt man nach dem Besuch der Kirche bereits Hunger und Durst, kann man in der Gaststätte Kombergblick einkehren: Die ist weit über Vierbach hinaus für das gute Essen bekannt und auch an Wochentagen gut besucht. Anschließend lohnt sich ein Blick in den im gleichen Gebäude liegenden Bürgerraum: Der wurde erst kürzlich renoviert, angeschlossen ist ein kleines Büro von Ortsvorsteher Stöber.

Auf einem Spaziergang durch den Ort führt der 46-Jährige einen weiter zu dem Bernsdorfer Friedhof, auf dem heute niemand mehr begraben, der aber aufgrund der noch vorhandenen Gräber gut gepflegt wird. „Früher gab es kein Vierbach“, erzählt Stöber, der mit seiner Frau und seinem Sohn in dem Ort wohnt. Stattdessen lagen Bernsdorf und Wipperode direkt nebeneinander, hatten jeweils eine eigene Infrastruktur. 1936 wurden beide Orte aber zusammengelegt, und um Streitigkeiten zu vermeiden, fand sich ein neuer Name: der des durch die Orte fließenden Baches.

Mit der Einkehr in das zweite Vierbacher Lokal, die Obstweinschänke, endet der Spaziergang. Dort gibt es auch immer wieder das „Dorfobst“ zu essen: „Früher gab es hier unfassbar viele Birnen, die von den Bäumen geschüttelt, im Backofen getrocknet und dann verkauft wurden,“ erzählt Stöber, „deshalb gehört zu Vierbach auch der Name Hotzelgrund, der diesen Vorgang benennt.“

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