Von der Wabe ins Honigglas

Imker Erwin Dänner stellt bei Ferienspielen der Gemeinde Wehretal seine Arbeit vor

Zum Anbeißen: Milena (links) und Celine begutachten die Waben.

Reichensachsen. Imker Erwin Dänner hat bei den Ferienspielen der Gemeinde Wehretal seine Arbeit vorgestellt. 

Langsam löst sich der goldgelbfarbene Tropfen von der zähflüssigen Masse und fällt die wenigen Zentimeter nach unten – doch bevor er auf der Tischplatte aufkommen kann, ist schon der Zeigefinger von Mariella da, die sich diesen so schnell in den Mund schiebt, das man es kaum wahrnimmt. „Hmmm, das schmeckt so gut“, ruft sie aus, als ihr Mund wieder frei ist. Denn der Tropfen ist Honig, den es frischer kaum zu kosten gibt: Zusammen mit 13 weiteren Kindern hat Mariella dem Imker Erwin Dänner aus Oetmannshausen dabei geholfen, den Honig aus den Waben hinein in kleine Gläschen zu bekommen. Und das, was zwischendurch daneben tropfte, wurde eben gleich aufgegessen.

Dass die Kinder überhaupt die Möglichkeit bekommen, einem Imker über die Schultern zu schauen und sogar bei seiner Arbeit zu helfen, ist dem Lokalen Bündnis für Familie in Wehretal zu verdanken: Das hat in diesem Sommer zusammen mit den örtlichen Landfrauen und der Awo zum zweiten Mal die Ferienspiele organisiert, die am Montag begonnen haben und am Freitag, 20. Juli, ihren Abschluss finden werden. Unter dem Motto Natur und Technik können die Kinder in dieser Zeit viel entdecken – und eben auch lernen, wie der Honig eigentlich ins Glas kommt.

„Die Bienen bauen in den Stöcken ihre Waben, in die sie den Nektar von den Blüten hineingeben und der dann später unser Honig wird“, erklärt der 65-jährige Fachmann den Kindern den Vorgang nicht nur, sondern kann es auch zeigen: Er hat einen seiner gut 20 Bienenstöcke mitgebracht und zieht vorsichtig und mit einem Schutzanzug bekleidet einen der zwei Kilogramm schweren hölzernen Bienenrahmen raus, in den die Insekten ihre Waben bauen.

Um an den Honig in den Waben zu gelangen, dauert es aber noch ein bisschen: Weil die Bienen über diese eine Wachsschicht gezogen haben, muss sie erst einmal entfernt werden. „Das ist gar nicht so einfach“, blickt Phil erstaunt zu Dänner hoch, als beide zusammen den Wachs abschaben; der Bienenrahmen hält die Waben noch zusammen.

Zum Anbeißen: Milena (links) und Celine begutachten die Waben.

„Der Wachs war wie ein Deckel, der jetzt ab ist“, sagt der Imker. Um den Honig nicht einzeln aus den nur millimetergroßen Waben zu holen, werden die samt dem Holzrahmen in eine Zentrifuge gestellt; indem an der gedreht wird, wird der Wachs durch die Schwerkraft aus den Waben herausgeschleudert – und läuft durch ein Sieb in einen bereitgestellten Eimer. „Das ist ja wie bei einem Wasserhahn“, ist Philipp ganz begeistert, „so viel kommt da raus.“

Etwas skeptisch ist der Grundschüler dann aber doch: Ob der Honig denn nicht durch Bakterien verunreinigt sein könne? Der Imker beruhigt: „Schon bevor der Nektar in den Waben landet, geht er durch gut 20 Bienenmägen, wodurch er gereinigt wird.“ Wem das aber immer noch zu unsicher sei, könne auf den weiteren Verarbeitungsschritt setzen, der nach dem Schleudern ansteht: „Er wird noch einmal gesiebt, nach ein paar Tagen abgeschäumt und anschließend für die cremige Konsistenz gut umgerührt.“ Wie beim Marmeladenkochen sei das, nur eben ohne Kochen.

Die Kinder waren begeistert: Jedes von ihnen konnte ein kleines Gläschen Honig mit nach Hause nehmen. „Ich mag Honig einfach gerne“, war Mariella ganz begeistert.

Ferienspiele der Gemeinde Wehretal 

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