Nicht mehr länger eine Kirche

Katholisches Gotteshaus St. Peter in Reichensachsen ist entwidmet

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Letzter Gottesdienst: Pfarrer Michael Sippel (links) und Ordinariatsrat Thomas Renze entwidmen Reliquien und die katholische Kirche St. Peter in Reichensachsen selbst.

Am Sonntagnachmittag fand die Profanierung der katholischen Kirche St. Peter in Reichensachsen statt, wonach das Gebäude nun nicht mehr als katholische Kirche genutzt wird.

Ordinariatsrat Thomas Renze verliest erst die Worte des Bischofs aus Fulda und trägt dann das Allerheiligste und die Reliquien aus der nun ehemaligen Kirche.

Aufgrund pastoraler Gegebenheiten, der pastoralen Neuausrichtung und der finanziellen Situation war die Schließung der Kirche vom Bistum Fulda beschlossen worden. Dass die Schließung des Gotteshauses hier jedoch kein endgültiger Schlusspunkt sei und das Leben in anderen Kirchen weitergehe, erklärte Ordinariatsrat Thomas Renze, der den zahlreichen Anwesenden die Kraft dazu wünschte, angesichts eines solchen Tages nicht in Resignation zu verfallen, sondern stattdessen auf Gottes Verheißung zu vertrauen. Mit Blick auf St. Petrus, dessen Name die Kirche trug, sagte er, dass in der Verheißung an ihn nicht die Kirche aus Stein, sondern die aus Menschen gemeint sei. „Diese wird nicht untergehen, das ist die Verheißung“, richtete er seine Worte an die Anwesenden und riet dazu, den Blick auf das zu richten, was neu entstehen kann.

Für viele Menschen eine Heimat

Daran dass diese Kirche für viele Menschen Heimat war und ist, erinnerte Pfarradministrator Michael Sippel. Er dankte all denen, die die Kirche mit Leben gefüllt und sich hier engagiert hatten.

Nach der Profanierung werden nun die sakralen Gegenstände aus der 1953 erbauten Kirche entfernt, bevor das Gebäude einem würdigen Zweck übergeben werden kann.

Kaffeetrinken im Gemeindehaus

Dass bereits vor 82 Jahren ein Gotteshaus in Reichensachsen nicht mehr als solches genutzt wurde, erklärte Martin Siebert bei dem anschließenden Kaffeetrinken im Gemeindehaus. Die in der Pogromnacht zerstörte Synagoge in Reichensachsen sei zuerst von der Flieger-HJ als Wartungsraum und nach dem Zweiten Weltkrieg für gesellschaftliche Veranstaltungen wie Feiern oder von Vereinen genutzt wurden. 

Nachdem katholische Geflüchtete in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg nach Reichensachsen kamen, sei der Wunsch nach einem eigenen Ort für die Gottesdienste größer geworden, und man habe diesen schließlich beim Bistum Fulda mit der Anfrage, dass die ehemalige Synagoge dafür genutzt werden könne, beantragt. Siebert erklärte, dass der Antrag, eine katholische Kirche in einer ehemaligen Synagoge unterzubringen, damals abgelehnt wurde, woraufhin die nun profanierte Kirche erbaut worden sei.

Eine Profanierung beendet die kirchliche Nutzung

Profanierung oder Profanation ist die Entweihung oder Entwürdigung eines sakralen Gegenstandes. Am häufigsten wird bei sakralen Gebäuden, wie Kirchen, Moscheen, Synagogen und Tempeln, von Profanierung gesprochen. Eine Profanierung oder Entweihung ist im Sinne des kanonischen Rechts der römisch-katholischen Kirche notwendig, wenn die kirchliche Nutzung eines Kirchengebäudes beendet wird, etwa wegen Abrisses oder Umnutzung. Sie ist somit das Gegenstück zur Kirchweihe. Staatskirchenrechtlich hat die Profanierung in Deutschland die Wirkung einer Entwidmung. Eine Entweihung wird vom zuständigen Bischof beschlossen.

Kein Gotteshaus mehr: die katholische Kirche St. Peter von 1953.

 Sie findet in der Regel im Rahmen einer letzten heiligen Messe in der betroffenen Kirche statt. In der Kirche vorhandene Reliquien müssen entfernt werden. Die Kirche gilt nach der Profanierung nicht mehr als geheiligter Raum für Gottesdienste, sondern als gewöhnliches Gebäude. Dieses kann somit abgerissen oder für einen anderen Zweck verwendet werden, ohne dass dadurch gegen kirchliche Gebräuche oder Gesetze verstoßen wird. Das Gebäude soll nach der Umwidmung allerdings keiner „unwürdigen Bestimmung“ dienen, heißt es vonseiten der katholischen Kirche.

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