Entgegen des Trends

Bäcker Stange muss sich um die Firmennachfolge keine Sorgen machen

Wollen beide in Vaters Fußstapfen treten: Silas (12) und Lukas Stange (22), die beiden jüngeren Söhne des Hoheneicher Bäckermeisters Martin Stange, wollen den elterlichen Betrieb weiterführen.
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Wollen beide in Vaters Fußstapfen treten: Silas (12) und Lukas Stange (22), die beiden jüngeren Söhne des Hoheneicher Bäckermeisters Martin Stange, wollen den elterlichen Betrieb weiterführen.

Anders als in anderen Familienbetrieben läuft es in der Bäckerei Stange. Drei Söhne hat die Familie, zwei von ihnen wollen, beziehungsweise sind schon ins Geschäft eingestiegen.

Die meisten älter werdenden Chefs kleinerer Handwerksbetriebe ringen die Hände, weil sich für ihre Firmen kein Nachfolger findet – am wenigsten interessiert sind an einer Firmenübernahme die eigenen Kinder, die mit der eine Kindheit lang erlebten Mühsal der Betriebsführung meist nichts zu tun haben wollen.

„Ich war erstaunt“, sagt Martin Stange, als sein Mittlerer, der heute 22-jährige Lukas, nach dem Abitur verkündet, dass er Bäcker werden will. „Ich hab noch gesagt, überleg dir das gut, das ist sieben Tage die Woche Arbeit“, sagt Lukas Mutter, Sandra Stange, die in der Hoheneicher Bäckerei aufgewachsen ist.

„Wir haben unsere Kinder nie gedrängt, das hätte keinen Sinn gehabt“, sagt der Vater. Deshalb ist der Älteste auch Mathematiker statt Bäcker geworden. Stanges einzige Bedingung an das Vorhaben seines Sohnes Lukas: Er soll seine Ausbildung nicht im elterlichen Betrieb absolvieren. Lukas geht nach Südhessen, wird Bäcker, hat inzwischen seinen Meister und ist ab November dann Betriebswirt des Handwerks. „Beim Abi hab ich schon gemerkt, dass mir Betriebsführung Spaß macht“, sagt Lukas.

In elterlichen Betrieb eingestiegen

Der jüngste Spross der Bäckerdynastie ist der zwölfjährige Silas, der ebenfalls in die Fußstapfen seines Vaters treten will. „Mich interessiert der Beruf und außerdem haben wir ja die Firma“, sagt er, der auch lieber die neuen Kreationen aus der Bäckerei zum Mittag isst, als das von seiner Mutter gekochte Gemüse mit Reis.

Lukas Stange ist inzwischen in den elterlichen Betrieb eingestiegen. Dass das so schnell kam, lag eher an der Personalnot, unter der auch die Bäckerei zu leiden hat. Zugleich fließen schon jetzt innovative Ideen aus Lukas Ausbildung in den Betrieb ein. Der schreibt gerade seine Projektarbeit zum Thema der Umstellung vom Einschicht- auf den Mehrschichtbetrieb in der Bäckerei. „Ich habe immer wieder Leute, für die die Nachtarbeit ungeeignet ist, wie zum Beispiel Frauen mit Kindern.“ Für die wäre das Mehrschichtsystem eine Alternative, weil sie als Konditoren erst um sieben Uhr morgens anfangen und um 14 Uhr Feierabend haben.

Ob so viel Familie in einer Firma funktioniert, haben Stanges reichlich ausprobiert. Sandra Stanges Eltern Bechthold führten die Bäckerei, arbeiten heute noch mit im Geschäft. „Es kracht auch mal, aber insgesamt funktioniert das alles ganz harmonisch“, sagt sie. Die Familie spricht miteinander über den Betrieb, „aber“, sagt Vater Stange, „ich hab meine Visionen und die setze ich auch durch.“

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