Kinder trifft keine Schuld

Kleeblatt-Schüler von Zwölftklässlern über häusliche Gewalt informiert

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Haben sich einen ganzen Vormittag mit dem Thema häusliche Gewalt auseinandergesetzt: die Schüler der Klasse 3a der Kleeblattschule Reichensachsen. Mit unterschiedlich farbigen Smileys geben die ihre Meinung zu verschiedenen Aussagen wie die, ob es eine Gleichberechtigung gibt, preis.

Reichensachsen. Ein Teil der Drittklässler der Kleeblatt-Schule Reichensachsen ist für das Thema häusliche Gewalt sensibilisiert worden. Die Zwölftklässler der Beruflichen Schulen Eschwege haben sich dafür einen ganzen Vormittag Zeit genommen.

Mucksmäuschenstill ist es im Computerraum der Kleeblatt-Schule Reichensachsen, als die gut 20 Kinder dabei zusehen, wie sich der kleine Boy unter seiner Bettdecke verkriecht, während sein Vater seine Mutter verprügelt und deren Schreie bis in sein Zimmer zu hören sind. Mit traurigem Blick sitzen sie da, während sich der Junge die Augen zuhält, weil er denkt, er sei Schuld an dieser Gewalt.

Ist er nicht. Aufgeklärt wird das am Ende des finnischen Zeichentrickfilms, als der Vater, geläutert und seine Schuld einsehend, seinem kleinen Jungen klarmacht, dass sein wütendes Verhalten nichts mit ihm zu tun hatte. „Das ist einer der zentralen Punkte, die die Kinder von diesem Vormittag mit nach Hause nehmen sollen“, sagt Annamay Németh. Die Zwölftklässlerin von der Fachoberschule Sozialwesen hat zusammen mit ihren Mitschülern ein Konzept ausgearbeitet, wie man Grundschulkindern das Thema häusliche Gewalt näherbringt - also die Gewalt zwischen den Erwachsenen in einem Haushalt.

„Auch wenn die Kinder nicht direkt davon betroffen sind: Häufig geben sie sich die Schuld für die heftigen Auseinandersetzungen“, erklärt die Sozialpädagogin Heike Martens, die die Schüler zusammen mit dem Runden Tisch gegen häusliche Gewalt bei dem Projekt unterstützt. „Ihnen muss klar gemacht werden, dass sie das nicht sind.“ Ebenso wichtig: den Kindern Mut machen, dass sie sich bei solchen Situationen einer anderen Person anvertrauen. „Das können natürlich das Jugendamt oder die Polizei sein, aber auch wir Lehrer“, sagt Schulleiter Patrick Busch.

Er und seine Kollegen verbringen viel Zeit mit den Kindern, haben ein Vertrauen zu ihnen aufgebaut. „Auch wenn man denkt, sowas kommt hier nicht vor: Das stimmt nicht“, sagt er. Deshalb werden nach dem Projekttag alle Lehrer noch einmal für diese Thema sensibilisiert, zudem werde auch in den folgenden Tagen weiter über häusliche Gewalt gesprochen - und über den Film. „Der war gruselig“, waren sich einige der Mädchen einig, „das war traurig, was der Vater mit der Mutter gemacht hat.“

Auch für die Zwölftklässler, die in diesem Sommer die Schule verlassen werden, war der Tag aufwühlend. Sie haben mit dem Projekt nicht nur theoretisch gelernt, wie man ein Thema aufarbeiten kann, sondern es auch praktisch umsetzen müssen: von dem Erstellen des Konzeptes bis hin zu dessen Auswertung im Anschluss an den Projekttag. „So werden erste Erfahrungen für das Leben nach der Schule gesammelt“, sagt Martens.

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