Kirche in Hoheneiche mit Spuren zu vier großen Deutschen

Die Kirche befindet sich im Schnittpunkt der christlichen Pilgerwege Elisabethpfad und Jakobsweg.

Hoheneiche. 85 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung – jede Kirche hat mindestens eine spannende Geschichte zu erzählen. Heute stellen wir das Gotteshaus in Hoheneiche vor.

Die St. Martinskirche in Hoheneiche gehört zu den kleineren Gotteshäusern in der Region. Wer glaubt, dass eine Berichtigung daher nur wenig Zeit in Anspruch nimmt, der täuscht sich gewaltig. „Die Kirche unseres Ortes hat eine Ausstrahlung, die weit über das Dorf hinausgeht“, sagt Bernhard Hermann Roth.

Seit vielen Jahren beschäftigt er sich intensiv mit der Geschichte von Hoheneiche. „Von der Kirche aus lassen sich Spuren zu vier großen Deutschen aufnehmen: zur heiligen Elisabeth, zu Martin Luther, Johann Sebastian Bach und Johann Wolfgang von Goethe. Zudem war der bekannte Theologe, Arzt und Maler dort einst als Pfarrer tätig und zwei Repräsentanten der evangelischen Kirche von Kurhessen, Prälat Karl Hilmes und Bischof D. Erich Vellmer, wurden hier getauft und konfirmiert.

Nicht zu übersehen sind bei einem Besuch die vier unterschiedlichen Baustile der Kirche: Romanik, Gotik, Renaissance und Barock. Der erste Teil des Gotteshauses, der Wehrturm, entstand in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Im 16. Jahrhundert folgte ein Fachwerkaufbau. „23 Meter ist der Turm hoch und es befinden sich drei Glocken darin, die aus den Jahren 1828 und 1953 stammen“, berichtet Roth. Einige besondere Merkmale weist die Außenfassade des an den Turm angeschlossenen Kirchenschiffes auf. An der Nord- und Südwand sind zugesetzte, romantische Fensterbögen zu erkennen, die bei einer Kirchenrenovierung im Jahr 1981 freigelegt wurden. Hervorsticht außerdem ein Tympanon mit Kreuz auf einem Welt-Bogen, dem ursprünglichen Eingang des Gotteshauses, auch Elisabeth-Portal genannt. „Der Bezug des Ortes zur heiligen Elisabeth wurde aufgrund einer bezeugten und dokumentierten Geschichte hergestellt“ erklärt Bernhard Herrmann Roth. „Im Jahr 1233 pilgerte ein schwer erkranktes Mädchen aus Hoheneiche gemeinsam mit ihren Eltern zum Grab der ungarischen Prinzessin – und wurde plötzlich wieder gesund.

Weiß und ein helles Blau sind die Farben, die einem beim Betreten des Inneren erwarten. Der Anstrich erfolgte bei einer großen Außen- und Innenrenovierung vor etwa zehn Jahren. Zur Ausstattung der Kirche gehören ein Taufstein von 1571, eine Kanzel aus dem Jahr 1660, dessen Felder mit einer nach Renaissance-Manier dekorierten Füllung geschmückt sind sowie eine barocke Orgel. „Diese wurde von Johann Eberhard Dauphin aus Mühlhausen gebaut, der dort bei einem bekannten Orgelbauer Johann Friedrich Wender in die Lehre ging. Auf dessen Musikinstrumenten spielte in diesem Zeitraum auch Johann Sebastian Bach, weshalb es anzunehmen ist, dass er und Dauphin sich kennengelernt haben“, meint der Hoheneicher.

Für Interessierte ist das Hoheneicher Gotteshaus dauerhaft zugänglich. An der Außenfassade befinden sich zudem Informationstafeln mit Wissenswerten über die Kirche.

Altarfenster als Hingucker im Hintergrund

Zu Pfingsten 1991 bekam die St. Martinskirche in Hoheneiche ein neues Altarfenster eingebaut. Entworfen sowie eingebaut wurde es vom Maler E. Jakobus Klonk aus Wetter bei Marburg. Zu seinem Entwurf schrieb er unter anderem: „Gerechtigkeit und Diakonie waren die mir vorgegebenen Themen, die sich gut in die von mir gesuchte Form einbinden ließen. Die erdig brau-violette Form hat etwas von einem alten Baumstamm, dessen innere Struktur sehr lebendig ist. Es sind Bilder zu erkennen, von denen grüne Triebe nach außen hin treiben und zu blühen anfangen. Ein Bild der Hoffnung. Die Bilder sind ganz in dieser Erdstruktur eingebunden, weil sie diese lebendige Form bewirken. Blau, als die Farbe des Himmels, der Tiefe und von altersher gottbezogen, kommt ganz von oben herein, dringt in die Erde ein, deckt einen Kranken wie mit einer Bettdecke, fließt zu dem ausschüttenden Krug und dem Brot und dem Becher, berührt das Dach, das Asyl gewährt, überzieht einen Menschen, der ein großes Kleid empfängt und bricht ein in Gefängnisgitter und Stacheldraht. Rot als Ausdruck der Liebe und Tat, umgreift die Kranenpflege, bildet das Dach und bezeichnet das Kleid. Das gebrochene Brot und der goldene Kelch dürfen auch an das Abendmahl erinnern und haben deshalb auch einen zentralen Platz.“

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