Mainzer Familie mit Vierbacher Wurzeln rettet altes Gotteshaus: Kirchlein wird Wohnloft

Kirche als Wohnloft: Offener Kamin und gewölbte Decken sind im Inneren schon zu erkennen.

Leander Bubner die ehemalige Bernsdorfer Kirche im Wehretaler Ortsteil Vierbach gekauft und mit der Sanierung begonnen. Aus dem ehemaligen Kirchlein soll eine Art Wohnloft werden.

Leander Bubner, heute erfolgreicher Bauingenieur in Mainz, war in Vierbach früher der „Michel von Lönneberga“, der gemeinsam mit den Rabauken des Dorfes reichlich Unsinn trieb. Das ist lange her, die Untaten verjährt und vergessen. Bubner ist jetzt 47 Jahre alt und Vater von vier Kindern, aber Vierbach spielt immer noch eine große Rolle in seinem und im Leben der gesamten Familie. Er und sein Bruder, die über viele Jahre jede Sommerferien bei der Großmutter Margot Baum in Vierbach verbrachten, pflegen ihre Wurzeln hier und mit ihnen einen Teil des Dorfes.

Bereits vor 20 Jahren kaufte die Familie das ehemalige Schulhaus am Anger von Vierbach, dem Teil des Ortes, der mal Bernsdorf war. In jahrelanger Arbeit und mit viel Geschmack und Kompetenz sanierte die Familie das kleine Schulgebäude und nutzt es als Ferienhaus.

Vor einigen Jahren erwarb Leander Bubner die ehemalige Bernsdorfer Kirche gegenüber des Schulhauses, die Teil des denkmalgeschützten Angerensembles ist. Das Gebäude, seit den 1930er-Jahren nicht mehr genutzt, war nur noch „ein Haufen Elend, kurz vor dem Einsturz“, sagt Bubner. „Das Ding kaufst du und machst wenigstens eine Grundsicherung“, entschied er sich. Das war zumindest sein ursprünglicher Plan.

Doch eins kam zum anderen. Er entfernte die Eternitplatten, die den Fachwerkbau umhüllten, der in den 1950ern als Raiffeisenlager diente, legte das alte Fachwerk frei, entfernte die Betonrampe. An einer Wand ließ er vor erfahrenen Zimmerleuten aus der Region das Eichenfachwerk neu stellen, mit Lehm ausmauern, das Dach decken. „Ich hatte keinen Plan, aber man schafft sich so rein und die Ideen wachsen“, sagt Bubner.

Am vorigen Freitag war wieder einer der besonderen Momente, die dem Bauingenieur einen Ausdruck ins Gesicht zaubern wie einem Fünfjährigen unterm Weihnachtsbaum. Er schiebt das hässliche Raiffeisentor beiseite, hinter dem eine nagelneue, aber dennoch zeitgetreue Eichentür zum Vorschein kommt. „Die hat mein Vater entworfen“, sagt Bubner. Der war Leiter der Wiesbadener Denkmalschutzbehörde.

Aus dem ehemaligen Kirchlein soll eine Art Wohnloft werden – „alles im Shabby-Look.“ Die auch früher schon vorhandenen Abrundungen an der Decke sind wieder hergestellt, die Originalfenster in Arbeit. Als Fußboden will er 30 Zentimer breite Fichtendielen verlegen, ein offener Kamin kommt an die Stirnseite, links davon ein Bad, rechts eine offene Küche. Auf dem Kamin soll man später sitzen können, auf der Empore schlafen. „Hier wollen wir Weihnachten 2020 mit einem vier Meter hohen Tannenbaum feiern“, sagt Bubner. Warum er das tut? „Das ist die Liebe zu Vierbach, es macht Spaß und hebt das Quartier in eine neue Generation.“

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