Serie "Die Kirche im Dorf lassen" 

Mit einem Anstrich aus Eschweger Bier: Die Dorfkirche in Langenhain

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Dorfkirche Langenhain, erbaut vom Bischhäuser Baumeister Matthei: gepflegt und belebt von (von links) Pfarrer Ralf Beyer und den beiden Kirchenvorständen Ute Wolf und Roland Sandrock.

Die grundlegende Restaurierung der Langenhainer Kirche zu Beginn der 2000er-Jahre verschaffte dem Gotteshaus ein Alleinstellungsmerkmal: Im Lasuranstrich der Orgel und des Altars wurde echtes abgestandenes Eschweger Bier verwendet.

„Dabei wurden die Farbpigmente mit Bier angemischt“, weiß Roland Sandrock, der die Malerarbeiten seinerzeit führte.

Doch die Langenhainer Kirche hat eine ganze Reihe von Besonderheiten, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen. Dazu gehört das Altarkreuz, das aus sieben verschiedenen Hölzern besteht, die am Fuß noch krumm und ungeschliffen sind und sich gen Kreuzspitz immer mehr glätten. Ebenso bemerkenswert ist die weiße leinene Altardecke, die von den Frauen des Stickclubs in Feinstarbeit für die Kirche geschaffen wurde. Doch die Besonderheiten beginnen bereits beim Treppenaufgang, der bereits achteckige Elemente aufnimmt, die sich dann im Inneren der Kirche bei der Anordnung der Bänke fortsetzt und vollendet.

1839 mit öffentlicher Prüfung der Konfirmanden eingeweiht

Das Altarkreuz besteht aus sieben Hölzern, der Ständer der Osterkerze aus Christusdorn.

Die Langenhainer Kirche wurde 1839 mit der öffentlichen Prüfung der Konfirmanden eingeweiht. Entworfen hat sie der Bischhäuser Baumeister Johann Friedrich Matthei, der in der Region allein um die zehn Gotteshäuser errichtet – die Verwandtschaft mit den Kirchen unter anderem in Grebendorf, Frankershausen, Vierbach und Oetmannshausen ist nicht zu übersehen. Der rechteckige Bau aus Sandsteinen in Langenhain löste das baufällige Kirchlein, das dort seit dem 16. Jahrhundert stand ab.

Mit der Sanierung der Kirche im Jahr 2003 wurde auch die Farbgebung des Hauses grundlegend überarbeitet. Während die Wände in einem warmen Terrakottaton gehalten sind, sind Bänke, Empore und Balken in kühlem Weiß und Grau. „Fachleute sagen, dass das die typische Farbgebung für Sakralbauten ist“, sagt Pfarrer Ralph Beyer.

Die Orgel stammt von 1908

Die Orgel stammt von 1908, nachdem ihre Vorgängerin nicht mehr „zur Erbauung der Gemeinde“ beitrage, heißt es in der umfangreichen Kirchenchronik von Karl-Heinz Binzer. Deshalb einigte sich die Gemeinde, eine Kirche des Weimarer Orgelbauers Böttcher zu kaufen. Auch die bekam im Laufe ihrer Jahre so einige Schwächen, wurde aber inzwischen restauriert und steht unter Denkmalschutz, weil sie zudem eine seltene pneumatische Orgel ist. Wegen der Technik gibt es immer eine leichte Verzögerung zwischen Tastenanschlag und dem Erklingen des Tones. 

Gestickt und gespendet: Die Altardecke.

Gespielt wird sie von wechselnden Organisten, darunter Kathrin Beyer und Stefan Schneider. Mit dezenten Strahlern werden Orgel, Kanzel und Altar beleuchtet, „weil das die Orte der Verkündigung sind“, so der Pfarrer. Für ihn ist aber vor allem das Leben in der Kirche entscheidend. Am kommenden Sonntag wird er auf den Altarstufen sitzende, den Kindern die Geschichte des Heiligen Martin erzählen.

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