Nach Unfall auf B 27: Hoheneicher fordern Verlegung der Bushaltestelle

Die Verkehrssicherheit des Streckenabschnitts der B 27 zwischen dem Hoheneicher Rondell und der örtlichen Bushaltestelle wird massiv infrage gestellt.

Die Verkehrssicherheit des Streckenabschnitts der Bundesstraße 27 zwischen dem Hoheneicher Rondell und der örtlichen Bushaltestelle wird nach dem tödlichen Unfall vom Montagmorgen (wir berichteten) massiv infrage gestellt. Besonders in der Kritik der Anwohner: die Standorte der Haltepunkte.

„Die Bürger Hoheneiches haben immer wieder um eine Verlegung der Bushaltestellen in den Ort gebeten, Anträge gestellt und Unterschriften gesammelt“, sagt Ingo Bachmann aus dem Wehretaler Ortsteil. „Immer wieder sind diese Bemühungen im Sande verlaufen. Niemand fühlt sich verantwortlich, jeder wälzt es auf ein anderes Gremium ab.“

Täglich höre man im Ort das starke Abbremsen der Autos und Lastwagen, teilweise auch Vollbremsungen, wenn die Fußgängerampel von grün auf rot umspringe, dazu lautes Hupen. „Wenn ein Fahrzeug auch nur einmal nicht rechtzeitig an der Ampel zum Stehen kommt und dabei eine Gruppe von Menschen an der Bushaltestelle erfasst, dann gibt es Schwerverletzte oder gar Tote“, sagt Ingo Bachmann. Viele Kinder hätten Angst, morgens die Bundesstraße zu überqueren, um zum Schulbus zu gelangen.

Frage der Verkehrssicherheit und Sinnhaftigkeit der Verlegung der Bushaltestellen

„Die Frage der Verkehrssicherheit und Sinnhaftigkeit der Verlegung der Bushaltestellen Hoheneiche ist in der Vergangenheit bereits intensiv erörtert worden“, sagt Jörg Klinge, Pressesprecher des Werra-Meißner-Kreises. Vor-Ort-Termine mit Vertretern der Polizei, Hessen Mobil, der Unteren Verkehrsbehörde des Kreises sowie dem Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) hätten ergeben, dass alle möglichen denkbaren Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden seien. Laut Polizei gibt es dort auch kein besonderes Unfallgeschehen.

„In wenigen Jahren ist die Autobahn 44 parallel zur B 27 hergestellt“, gibt Armin Noll vom NVV zu bedenken. Im Zuge dessen werde der Durchgangsverkehr auch auf ein Mindestmaß sinken, da die B 27 zurückgestuft werde. 

„Vorhersehbares Unglück geschehen“

Wenn sich ein Frontalzusammenstoß direkt an der B-27-Ampel ereigne, dabei Trümmerteile die an den Bushaltestellen wartenden Personen treffen, oder das Unfallfahrzeug statt in die Leitplanke – wie am Montagmorgen geschehen – in eine der Bushaltestellen einschlage, dann sei ein vorhersehbares Unglück geschehen, warnt Ingo Bachmann. „Dass das passieren wird, ist nur eine Frage der Zeit.“ 

Warum ist der betreffende Abschnitt an der B 27 noch nicht als Unfallschwerpunkt eingestuft? 

„Eine solche Einstufung erfolgt erst, wenn sich innerhalb eines Jahres auf einem Streckenabschnitt von 300 Metern Länge oder an einem Knotenpunkt mindestens fünf Unfälle gleichen Typs beziehungsweise mindestens drei Unfälle mit schwerem Personenschaden innerhalb von drei Jahren ereignet haben“, erklärt Joachim Schmidt, Presseverantwortlicher von Hessen Mobil. In Hoheneiche sei weder das eine noch das andere gegeben.

Wer ist in welcher Form für die Betreuung des Streckenabschnitts zuständig?

Straßenbaulastträger ist Hessen Mobil; die zuständige Verkehrsbehörde ist der Werra-Meißner-Kreis. Über die Lage der Bushaltestellen bestimmt der NVV in Verbindung mit der Gemeinde Wehretal. Die zuständige Verkehrsbehörde entscheidet über das Anbringen oder Entfernen von Verkehrszeichen – Ampel, Schilder, Tempolimits – Hessen Mobil und die Polizei werden hierzu gehört. 

Warum wird die Bushaltestelle nicht verlegt?

„Grundsätzlich ist dem NVV bekannt, dass es den Wunsch gibt, die Haltestelle innerorts zu haben“, sagt Armin Noll vom NVV. An der B 27 hält die regional eingestufte Buslinie 240, die Verbindungen im Takt herstellt zwischen Eschwege, Reichensachsen, Wichmannshausen und der Gemeinde Ringgau. „Würde man die Busse der Linie 240 in den Ortskern von Hoheneiche hineinführen, hätte das eine Fahrzeitverlängerung von mindestens fünf Minuten zur Folge. Dadurch ließen sich Anschlüsse am Stadtbahnhof Eschwege und in Wichmannshausen zur Buslinie 250 nicht mehr sicherstellen.“ Des Weiteren würden die Bedienungen der Schulen vor und nach Unterrichtsbeginn entsprechend knapper. Hinzu komme, dass eine Fahrzeitverlängerung um fünf Minuten mit vielfachem Abbiegen in den Ortskern hinein und zurück die Fahrzeiten der Buslinie 240 für alle anderen Fahrgäste auf dieser Strecke unattraktiver mache, so Armin Noll. 

Wie kann die Stelle entschärft werden? 

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern wird regelmäßig überwacht. Diese Beschränkung ist nicht nur wegen der Ampel und der Haltestelle eingerichtet, sondern wegen der hohen Verkehrsdichte, da hier die B 7 und die B 27 gemeinsam verlaufen und sowohl Ost-West- wie auch Nord-Süd-Verkehr aufnehmen. Würde man diese Haltestelle nicht mehr bedienen, müsste die lokal eingestufte Buslinie 225 – die bisher nur Verbindungen zum Gemeinde-Hauptort Reichensachsen zu Schulzeiten herstellt – entsprechend häufiger fahren.

Das sagt Hessen Mobil

„Es ist derzeit nicht bekannt, aus welchen Gründen der Unfallverursacher auf die Gegenfahrbahn fuhr“, sagt Joachim Schmidt von Hessen Mobil. Der Unfall am Montagmorgen habe sich nicht in Höhe der Bushaltestellen, sondern etwa 200 Meter danach in Fahrtrichtung Eschwege ereignet. „Die Trassierung der Bundesstraße weist hier keine Unstetigkeiten auf, die vorhandene Lichtsignalanlage ermöglicht den Fußgängern und Fahrgästen ein sicheres Queren der Bundesstraße, wobei auch eine ausreichende Sicht auf die Ampel gegeben ist“. Diese Ampel sei erforderlich durch die relativ hohe Belastung der Bundesstraße mit 14 640 Autos am Tag.

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