Ehrgeiz ist belohnt worden

Reichensächser Lars Kistner gewinnt Nachwuchs-Preis für Bachelor-Arbeit 

An seinem Arbeitsplatz: Lars Kistner. Der Reichensächser hat für seine Bachelor-Arbeit im Maschinenbau-Studiengang den Nachwuchspreis des Verbandes Deutscher Maschinen-und Anlagenbauer gewonnen. Der war deutschlandweit ausgeschrieben. Foto:  Wüstefeld

Reichensachsen/Kassel. Der Reichensächser Lars Kistner hat einen Nachwuchs-Preis für seine Bachelor-Arbeit im Maschinenbau erhalten. Der 30-Jährige war überrascht - und findet es cool. 

„Schon cool“ finde er es, dass seine Bachelor-Arbeit mit einer Auszeichnung bedacht wurde, gibt sich Lars Kistner bescheiden. Dabei müsste er das gar nicht sein: Der 30-Jährige aus Reichensachsen hat für sein gut 80 Seiten langes Werk den erstmals vergebenen Nachwuchspreis „Digitalisierung im Maschinenbau“ des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) erhalten. Dotiert ist der mit 500 Euro.

Ausgelobt hatte den Preis der Fachverband Software und Digitalisierung des VDMA. Von sich aus wäre Kistner, der Maschinenbau an der Universität Kassel studiert, gar nicht auf die Idee gekommen, seine Arbeit bei einem Wettbewerb abzugeben; sein Erstprüfer für seine Abschlussarbeit aber, der Leiter des Fachgebiets Mess- und Regelungstechnik, Professor Dr.-Ing. Andreas Kroll, sah das anders. „Er war dann auch derjenige, der die Arbeit eingereicht hat“, erinnert sich Kistner zurück. Große Hoffnungen auf eine Platzierung habe er sich jedoch nicht gemacht, „immerhin war der Preis deutschlandweit ausgeschrieben, und es gab knapp 40 Bewerbungen“.

Doch es kam anders: Die Arbeit mit dem durchaus komplizierten Titel „Konzeptionierung und Umsetzung einer serviceorientierten verteilten Automatisierungs-Architektur für die heterogene Modellfabrik µPlant“ überzeugte die Jury dermaßen, dass Kistner mit dem ersten Platz bedacht wurde. „Da war ich schon überrascht.“

Konkret hat die Arbeit zum Inhalt, dass die Prozesse in der Modellfabrik, die in den Räumen des Fachgebiets Mess- und Regelungstechnik aufgebaut ist, optimiert werden. So stelle eine der Anlagen einen Sirup her, der anschließend abgefüllt und zur nächsten Station gebracht werden muss; dort wird er dann mit Wasser zu einer Limonade vermengt. Erneut kommt es dann zur Abfüllung, bevor es zur nächsten Anlage geht: Dort wird die Limonade dann symbolisch mit individuell bestellten Aromakugeln versetzt – dargestellt durch farbige Kugeln – anschließend wird das Getränk ein- und bei Bedarf wieder ausgelagert, um es auszuliefern.

Während der Mensch die Aufträge eingibt, die Produktion überwacht und bei Störungen eingreift, laufen die Produktionsprozesse vollautomatisch ab: Das gilt nicht nur für die einzelnen Produktionsinseln, sondern auch für den Gütertransport zwischen ihnen durch mobile Roboter. „Eine stabile und erweiterbare Kommunikation zwischen den Anlagenteilen war meine Aufgabe“, erklärt Kistner, der vor seinem Studium eine Ausbildung zum technischen Zeichner machte.

Was seine Arbeit erschwerte: Die Stationssteuerungen in der Modellfabrik sind nicht alle vom gleichen Hersteller, bei den verschiedenen Systemen mussten also ein gemeinsames Protokoll gefunden und eine Schnittstelle definiert werden. „Wenn irgendwo eine Fertigungsstraße in einer Fabrik gebaut wird, kommen die Steuerungen normalerweise vom gleichen Hersteller, werden über die Zeit aber mit Lösungen anderer Hersteller kombiniert“, erklärt der Maschinenbau-Student die realen Bedingungen in der Arbeitswelt, „dies wollen wir realitätsnah abbilden“.

Aufhören, an der Modellfabrik zu arbeiten, will Kistner trotz abgeschlossener Bachelor-Arbeit nicht: Mittlerweile befindet er sich im Master-Studium und arbeitet unter anderem an der Aufzeichnung von Messwerten in der Modellfabrik.

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