Riesige Windwurffläche wird aufgeforstet

Schliersbachwald: Tausende Eichen-Wildlinge sollen zum Wald werden

Der Anblick täuscht: Auf der Fläche oben im Schlierbach Richtung Weißenborn wurden zehntausende kleine Eichenwildlinge gesetzt. Bis die Bäumchen in fünf oder sechs Jahren aus dem Gröbsten raus sind, wird die Aufforstung 50 000 Euro je Hektar kosten.
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Der Anblick täuscht: Auf der Fläche oben im Schlierbach Richtung Weißenborn wurden zehntausende kleine Eichenwildlinge gesetzt. Bis die Bäumchen in fünf oder sechs Jahren aus dem Gröbsten raus sind, wird die Aufforstung 50 000 Euro je Hektar kosten.

Die Eichen-Wildlinge sind zart und blattlos, heben sich nicht vom grau-braunen Untergrund ab. Dennoch hat das Forstamt Wehretal sie in riesiger Menge im Schliersbachwald gepflanzt. 

Auf der großen Windwurffläche im Schliersbachwald oben auf der Kuppe Richtung Weißenborn, wurden auf jeden Hektar 10.000 der winzigen Wildlinge angepflanzt.

Wildlinge sind die von selbst im Wald gekeimten kleinen Eichen (und kein Volk von hinter der Mauer). Diese werden entnommen und gleich wieder an anderer Stelle gesetzt. Die Kosten für das Forstamt für Setzen und die Pflege des kleinen Eichenwaldes, bis der in etwa fünf Jahren „aus dem Gröbsten raus“ ist: zirka 50.000 Euro pro Hektar.

Forstamt Wehretal ließ gesamten Baumbestand roden

Eine für Ende März öffentlichkeitswirksame Pflanzaktion mit Freiwilligen, für die sich bereits 100 Leute angemeldet hatten, musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. „Wir haben es dann Profis machen lassen“, sagt Dr. Thomas Rysavy, Leiter des Forstamtes Wehretal.

Auf der Kuppe vor Weißenborn hatte das Forstamt zu Beginn des Jahres den gesamten Baumbestand – größtenteils Fichten – roden lassen. Windwurf, Trockenheit und starker Befall durch verschiedene Borkenkäfer hatten den Wald zu stark geschädigt.

Jetzt offenbart sich hier eine Mondlandschaft aus gemulchtem Totholz. Doch dazwischen sollen die kleinen Eichen anwachsen. „Der Standort ist für Eichen gut geeignet, die brauchen viel Licht und er liegt nicht höher als 350 Meter“, erklärt Rysavy.

Douglasien versuchen sich einen Platz im Wald zu erobern

An einer anderen stark betroffenen Windwurffläche im Schlierbach oberhalb von Langenhain, die bei einem Sturm 2007 entstand, lässt sich die Mischung aus Aufforstung und dem, was die Natur von sich aus leistet, gut beobachten. 

Stehen fest: Alte Douglasien im Schlierbach.

Dort ragen die zum Teil riesigen Wurzeln umgestürzter Bäume wie bizarre Skulpturen in den Himmel. Totes Holz, Gräser und flaches Gestrüpp bestimmen das Bild. Doch dazwischen recken sich hand- bis kniehohe Douglasien, die hier gesetzt worden sind, und versuchen, sich einen Platz zu erobern. An anderen Stellen sind sie zehn bis zwölf Jahre alten Bäume bereits mannshoch. 

„Hier räumen wir nicht mehr auf, sondern überlassen das Stück der Natur“, sagt der Forstamtsleiter. Das nennt man Stilllegung des Waldes.

Forstamt Wehretal: 400 Hektar müssen neu bepflanzt werden

Aufforstung im großen Stil ist das Thema der Forstämter. Allein im Bereich des Forstamts Wehretal sind das 400 Hektar, die komplett neu bepflanzt werden müssen. In den Privatwäldern ist es noch mal genauso viel. 

Als Schwerpunkte nennt Rysavy das Stölzinger Gebirge, den Stadtwald Waldkappel, die sogenannte Russenhecke, Gebiete zwischen Blankenbach und Ulfen, den Schlierbach, Stadt- und Staatswald Eschwege, die Auesche Kugel und das Assmannstal zwischen Aue und Niederdünzebach, den Bielstein sowie Wald bei Vierbach.

Vorwald aus Douglasien: Die etwa zehn Jahre alten Bäume verschatten den Boden und begünstigen damit die Naturverjüngung des Waldes, erklärt Dr. Thomas Rysavy.

Dabei setzen die Forstämter zunehmend auf die aus Nordamerika stammende Douglasie, die als besonders klimabeständig gilt. „Eine Douglasie hat nach 60 Jahren eine Stammdicke von etwa 40 Zentimetern erreicht“, sagt Rysavy. Auch ihre Ökobilanz sei hervorragend: Sie speichert 18 Tonnen CO2 pro Jahr. Zum Vergleich: Bei einer Traubeneiche sind es fünf Tonnen CO2 jährlich.

Wälder mit Eiche, Buche, Ahorn und Kirsche sollen entstehen

Beliebt sei die Douglasie besonders als sogenannter Vorwald. Die schnell wachsenden Bäume spenden innerhalb weniger Jahre ordentlich Schatten für den Waldboden – das schützt den nicht nur vor Austrocknung, sondern ist auch wichtig, damit Gras dort nicht überlebt. 

Denn das wiederum ist Lebensraum für Mäuse, und die lieben junge Wurzeln und kleine Bäumchen. Insgesamt aber sollen wieder gut durchmischte Wälder entstehen – mit mindestens vier Baumarten. Darunter Eichen, Buchen, Ahorn und Kirsche. „Jetzt aber“, so Rysavy, „ist nur eins wichtig – wir brauchen Regen.“

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