Segen für Häuser und Spende für Kinder

Echte Könige und Sternträger: Wie bereits seit vielen Jahren schwärmen die Sternsinger auch in diesem Jahr wieder aus, um Spenden für Kinder in Not zu sammeln. Das Bild zeigt eine Gruppe aus Reichensachsen, wo nicht nur katholische Kinder von Haus zu Haus laufen, sondern auch evangelische. Foto:  privat

Reichensachsen. Anfang Januar sind wieder zahlreiche Kinder in festlichen Gewändern im Kreis unterwegs, um Spenden für ihre Altersgenossen in armen Ländern zu sammeln: Ab dem Tag der Heiligen Drei Könige klopfen sie an die Türen und bringen die Segensbitte an. 

„Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg, führ uns zur Krippe hin, zeig, wo sie steht.“ – Selbst diejenigen, die nicht viel mit der Kirche zu tun haben, werden wohl erahnen, dass es sich um den Anfang eines geistlichen Liedes handelt. Das gehört zu den beliebtesten, die am 6. Januar gesungen werden, wenn die Sternsinger am Tag der Heiligen Drei Könige durch die Kommunen ziehen, um Spenden für Kinder in armen Ländern zu sammeln.

Auch in Reichensachsen wird am 6. Januar dieses Lied zuhauf aus den Häusern des Ortes und aus denen der angrenzenden Dörfer zu hören sein. Denn seit nunmehr 17 Jahren ziehen dort gut 20 Kinder umher, eingehüllt ist festliche Gewänder. Das Besondere: Seit zehn Jahren sind das nicht nur diejenigen mit dem katholischen Glauben, von dem der Brauch der Sternsinger ausgeht, sondern auch Kinder aus der evangelischen Kirche. „Diese Ökumene ist im Kreis einzigartig“, freut sich Manfred Pohle, der das Sternsingen schon seit 16 Jahren vonseiten der katholischen Kirche betreut – nicht nur in Reichensachsen, sondern auch in Eschwege: „Keine Tür am Landratsamt ist bislang ohne Segensbitte geblieben.“

Zustande gekommen ist die Ökumene, weil es kaum noch Kinder gab, die dem katholischen Glauben angehörten: „Wir sind hier einfach in der Unterzahl.“ Da es damals aber bereits eine ökumenische Frauenarbeit gab, war schnell der Grundstein für die Zusammenarbeit auch bei den Kleinen gelegt: „Damals war Gudrun Kühnemuth noch Pfarrerin, die sich dann der Sache angenommen hat“, erzählt Pohle von den Anfängen.

Dirk Panke, mittlerweile für die evangelische Gemeinde in Reichensachsen zuständig, konnte das nur begrüßen: Das erste Mal während seines Theologie-Studiums in Marburg mit dem katholischen Brauch in Berührung gekommen, fand er schnell Zugang zu diesem. „Es geht nämlich nicht nur um den guten Zweck, sondern auch darum, dass Weihnachten auch ins neue Jahr mitgeht, dass es lebt.“ Und auch der soziale Aspekt sei nicht zu verachten, sagt Pohle: „Die Kinder engagieren sich in der Gemeinschaft für andere, die genauso alt sind wie sie. Aus Ich-Menschen werden dabei ganz schnell Wir-Menschen.“

Was ihn begeistert: Dass der Sternsinger-Brauch die weltweit größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder ist. „Und das Geld geht zu hundert Prozent in die ausgesuchten Projekte, das ist toll.“

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