Keine Aufträge während der Krise: Soloselbstständigen geht die Luft aus

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Kämpft ums Überleben: Pascal Zeuch verdient sein Geld als Bandmusiker, Alleinunterhalter und Tontechniker. In der momentanen Krise hat er keine Einnahmen. 

Pascal Zeuch ist ein sogenannter Soloselbstständiger. Der Musiker und Tontechniker lebt von einzelnen Engagements. Für Soloselbstständige gibt es keinen Corona-Soforthilfe-Topf.

Im Sommerhalbjahr verdient Pascal Zeuch das Geld, von dem er mit seiner Familie das ganze Jahr leben muss. Geld fließt nur zwischen Mai und Oktober. „Wenn genau diese Monate ausfallen, wird es schwierig“, sagt der Alleinunterhalter, Bandmusiker und Tontechniker, der als sogenannter Soloselbstständiger mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern in Reichensachsen lebt.

Engagements fallen für Soloselbstständige gerade weg

Der 27-Jährige war in diesem Sommer gut gebucht. Bei Musikfestivals und beim Public Viewing zur Fußballeuropameisterschaft hatte er Aufträge als Tontechniker, er sollte bei Veranstaltungen in Biergärten und bei Hochzeiten musizieren – alles geplatzt. „Das wäre mein stärkstes Jahr geworden, seit ich selbstständig bin“, sagt er. „Da steckte richtig Geld hinter.“ 40 bis 50 Veranstaltungen seien schon abgesagt worden. Bis in den November hinein hätten private Gastgeber Jubiläumsfeiern gestrichen. Mit „mehr als 30 000 Euro“ beziffert er seine Einnahmeverluste.

Soloselbstständige sollen von Rücklagen leben

Pascal Zeuch lebt von seinen Rücklagen, von dem Geld, das für die schlechten Wintermonate und für Notfälle bestimmt ist.

Knapp zwei Monate reichen die Rücklagen noch. „Maximal bis Ende Juni, dann wird es schwierig“, sagt Zeuch, der sich um staatliche Unterstützung bemüht hat. Aber für Soloselbstständige gibt es keinen Corona-Soforthilfe-Topf. Er solle von seinen Rücklagen leben, Hartz IV beantragen oder sich um einen Kredit kümmern. „Wie soll ich einen Kredit zurückzahlen, wenn ich jetzt nichts verdiene?“, fragt er, „Da ist die Insolvenz doch vorprogrammiert.“

Soloselbstständige rechnen immer mit schlechten Zeiten

Er rechne immer mit schlechten Zeiten, auf diesen Totalausfall sei er aber nicht eingestellt gewesen. „Die komplette Existenz meiner Familie steht auf dem Spiel“, sagt Zeuch. „Und damit stehe ich nicht allein da, das geht vielen Menschen so, die in meiner Situation sind.“ Zeuchs Frau Karina arbeitet momentan nicht. Sie kümmert sich um die beiden fünf Jahre und fünf Monate alten Kinder. Die Familie zahlt freiwillig Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung ein, muss für den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmeranteil aufkommen. Die Miete für die Wohnung und für die Betriebsräume muss aufgebracht werden, die übrigen Firmenausgaben laufen weiter, der Kredit muss bedient werden. „Die Bank hat mir allerdings ihr Entgegenkommen signalisiert.“ 

Altersarmut für Soloselbstständige vorprogrammiert

Die Überweisung der Beiträge für die private Rentenversicherung hat Zeuch schon zu Beginn der Krise gestoppt. „Wenn nichts mehr geht, muss ich an meine Ersparnisse für das Alter gehen“, sagt er, „natürlich wird mir das Geld dann später fehlen – Altersarmut ist so vorprogrammiert.“ Pascal Zeuch weiß, dass seiner Familie und ihm schwere Zeiten bevorstehen. „Das wird ein harter Winter“, sagt er.

Hilfe von Landtagsabgeordneten

Die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Knut John (Eschwege) und Karina Fissmann (Ringgau) fordern „schnelle und unbürokratische Hilfe für Soloselbstständige“. Die beiden Abgeordneten fordern die Landesregierung auf, den Unternehmern durch ein eigenes Soforthilfeprogramm unter die Arme zu greifen. 

„Wir brauchen eine echte Alternative für diesen Personenkreis, damit betroffene Soloselbstständige jetzt schnelle Hilfe in der Not bekommen“, so John. Eine Lösung müsse her, damit diese Menschen auch nach der Corona-Krise handlungsfähig blieben. „Und so lange es keine andere Regelung gibt, muss das Land handeln“, fordern die Abgeordneten. Als Beispiel gelten Baden-Württemberg und Hamburg. Baden-Württemberg zahle für drei Monate jeweils 1180 Euro, in Hamburg würden pauschale Förderungen von 2500 Euro zum Ausgleich von Umsatz- und Honorarausfällen aus Landesmitteln gezahlt.

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