Team um Reichensächser Jan Siegel will Basis-Kollektion für Kleinwüchsige produzieren

Wollen Mode für Kleinwüchsige produzieren lassen: (von links) der Reichensächser Jan Siegel mit der Modedesignerin Sema Gedik und der Grafikdesignerin Laura Knoops. Dafür brauchen sie noch finanzielle Unterstützung. Foto:  privat

Reichensachsen/Berlin. Gut 100 000 Menschen leben derzeit in Deutschland, die kleinwüchsig sind – für die es aber keine Mode gibt. Das soll sich nun ändern.

In Berlin wurde das Modelabel „Auf Augenhöhe“ gegründet, dass sich speziell auf die Bedürfnisse kleinwüchsiger Menschen fokussiert hat. Einer der drei Teammitglieder ist der gebürtige Reichensächser Jan Siegel, der mittlerweile in der Hauptstadt lebt.

„Einfach in die Kinderabteilung gehen und da einkaufen geht nicht“, erzählt der 31-Jährige, der über eine befreundete Modedesignerin den Kontakt zu den Kleinwüchsigen gefunden hat. „Sema hat eine Cousine, die unter der Wachstumsstörung leidet und ihr eines Tages von ihren Problemen erzählt hat, etwas zum Anziehen zu finden“, erzählt Siegel. In Sema Gedik reifte daraufhin die Idee, mit ihrem handwerklichen Geschick eine Kollektion für Kleinwüchsige zu entwerfen. „Ich fand die Idee, es diesen Menschen möglichst einfach machen zu wollen, so toll, dass ich gleich mit eingestiegen bin“, erinnert sich der Reichensächser an die Anfänge vor mittlerweile mehr als vier Jahren zurück. „Sie erfüllt einen gesellschaftlichen Zweck.“

Voller Stolz: Die Modedesignerin Sema Gedik mit einem kleinwüchsigen Model auf der Mercedes-Benz-Fashion-Week 2015 in Berlin. Dort wurden die entworfenen Prototypen erstmals einem großen Publikum vorgestellt.

Um diesen aber auch umsetzen zu können, ist das Jungunternehmen, das neben Siegel und Gedik noch aus Laura Knoops besteht, auf Hilfe angewiesen: 10 000 Euro müssen sie zusammenbekommen, um ihre erste bereits entworfene Kollektion, die aus sieben Basis-Teilen besteht, auch produzieren lassen zu können. „Dafür brauchen wir die Unterstützung von möglichst vielen Menschen, weil wir das alleine nicht finanzieren können“, sagt Siegel. Gestartet haben er und seine beiden Mitstreiterinnen deshalb eine Crowdfunding-Kampagne, die noch bis Montag, 8. Januar läuft (siehe Hintergrund). „Wenn wir das Geld bis dahin zusammen haben, kann es losgehen“, blickt Siegel diesem Datum gespannt entgegen.

Er ist zuversichtlich, dass das Ziel erreicht werden kann – was nicht nur ein wichtiges Signal für die Kleinwüchsigen wäre, endlich auf passgenaue Mode von der Stange zurückgreifen zu können, sondern auch für die jahrelange Arbeit des jungen Teams. „Es ist schon alles ziemlich aufwendig“, gibt der 31-Jährige einen Einblick in die Arbeit. Der Kontakt zu den Kleinwüchsigen musste gefunden, 400 von ihnen vermessen und Konfektionsgrößen gefunden werden. Anschließend mussten die Prototypen entworfen und geschneidert und Videos gedreht werden. „Besonders gefreut hat uns, dass die Kleinwüchsigen mit unserer Mode auch schon einmal auf der Mercedes-Benz-Fashion-Week gelaufen sind“, ist Siegel hörbar stolz. Finanziert wird seine und die Pionierarbeit seiner beiden Mitstreiterinnen derzeit vom Stipendium des Start-up Incubators Berlin und vom Europäischen Sozialfond (ESF).

Hintergrund: Hier können Interessierte das Projekt finanziell unterstützen

Bei einer Crowdfunding-Kampagne werden Projekte über die finanzielle Beteiligung von einer Vielzahl von Personen realisiert. Vorab muss bekannt gemacht werden, wie viel Geld in einem bestimmten Zeitraum zusammenkommen soll. Wird das Ziel erreicht, kann das Projekt umgesetzt werden; wenn nicht, erhalten die Personen, die bereits Kapital gegeben haben, das Geld wieder zurück. Aufgerufen wird zu der Beteiligung in der Regel im Internet. Im Falle des Modelabels Auf Augenhöhe müssen bis zum 8. Januar 10 000 Euro zusammenkommen. „Unter den Unterstützern verteilen wir selbstdesignte Kleiderbügel, Tassen und Beutel“, erzählt Jan Siegel. Kommt das Geld zusammen und kann die Mode produziert werden, ist auch schon der nächste Schritt geplant: Ausgeweitet werden soll die Modelinie dann auch auf Schuhe.

• Unterstützen kann man das Projekt von Jan Siegel im Internet auf www.startnext.com/aufaugenhoehe. Mehr zu dem Modelabel gibt es auf der Seite www.aufaugenhoehe.design

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