Aus Liebe zum Beruf

Tischlerei Wilhelm glaubt an die Handwerksbranche

Blick durch die Kreissäge: Während sein Vater und sein Großvater so gut wie nur in der Werkstatt standen, ist Holger Wilhelm eigentlich nur noch selten dort zu finden. Er kümmert sich vor allem darum, mit den Kunden deren Wünsche zu planen – und die Büroarbeit zu erledigen. „Früher musste sich ein Tischler noch nicht mit Jahresplanungen beschäftigen“, erzählt der 46-Jährige. Foto:  Wüstefeld

Hoheneiche. Sicher gebe es derzeit Nachwuchsprobleme, sagt Holger Wilhelm von der gleichnamigen Tischlerei aus Hoheneiche. Die Zukunft seines Handwerkes sieht er trotzdem nicht in Gefahr. Ein Firmenporträt. 

Früher, erzählt Holger Wilhelm aus Hoheneiche, hätten sein Großvater und auch sein Vater noch alles selbst gebaut, was sich aus Holz so herstellen ließe: In der 1935 gegründeten Werkstatt im heimischen Haus wurden neben Türen und Fenstern auch Möbelstücke und sogar Särge angefertigt.

Mittlerweile führt der 46-Jährige die Tischlerei, die nach wie vor den Familiennamen trägt, in der dritten Generation – und hat einiges geändert: Sukzessive wurde der Ein-Mann-Betrieb seit 1996 auf ein Unternehmen mit elf Mitarbeitern ausgebaut, in eigener Produktion werden mithilfe von digitalisierten Maschinen jetzt ausschließlich Möbelstücke hergestellt: „Ohne so eine Spezialisierung wird es heute schwierig, alles kann man in einem Betrieb unserer Größe nicht mehr herstellen.“ Türen und Fenster zum Beispiel wären aber natürlich auch nach wie vor noch im Verkaufs-Portfolio.

Das kommt bei den Kunden gut an, die zum Teil sogar aus Hamburg und Gießen kommen: Genau wie seine Kollegen aus der Baubranche kann sich Wilhelm derzeit nicht über fehlende Aufträge beschweren, ganz im Gegenteil. „Und ich bin mir sicher, dass das Sprichwort ‘Handwerk hat goldenen Boden’ auch künftig zutreffend ist“, sagt der Tischlermeister. Denn die Kollegen seiner Zunft hätten gegenüber Möbelhäusern einen entscheidenden Vorteil: „Wir bieten keine vorgefertigten Möbel an, sondern können diese individuell nach den Wünschen der Kunden fertigen und sind auch flexibler, wenn es mal einer pfiffigen Idee bedarf“, begründet er. Notfalls würden die Pläne dann eben auch mal an einem Sonntag besprochen, wenn es gar nicht anders geht.

Natürlich müsse das auch kommuniziert werden: „Es reicht nicht mehr, auf die Mund-zu-Mund-Propaganda oder eine Beschriftung am Auto zu setzen“, ist sich Wilhelm sicher und setzt auf Marketingstrategien im Internet – und auf eine gepflegte Erscheinung. „Die Außenwirkung spielt mittlerweile eine große Rolle. Dazu gehört zum Beispiel auch ein ordentlich gepacktes und sauberes Firmenauto.“

Was dem 46-Jährigen Sorge macht: die Zukunft. Denn der Fachkräftemangel mache sich auch in seiner Branche bemerkbar, auf eine Ausbildungsstelle bewerben sich vielleicht noch vier statt wie einst mal bis zu 80 Interessenten. „Irgendwer muss die Arbeit aber natürlich erledigen.“ Er selbst werbe in den Beruflichen Schulen, wo er auch Teil des Prüfungsausschusses ist, für sein Unternehmen und das Handwerk an sich. „Ohne die Liebe zu diesem Beruf geht es aber nicht.“

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