Misstrauen bei Ehefrau Doris Engel aus Reichensachsen

Toter gewinnt Reise - Warnung vom Verbraucherschutz

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Mit dem Gewinnschreiben: Doris Engel liest sich den Brief durch, der ihrem Mann eine Traumreise verspricht – der ist jedoch vor fast neun Jahren gestorben. 

Reichensachsen. Eine Traumreise in den sonnigen Süden: Gewonnen hat die Hans Engel. Wie er das gemacht haben soll, ist allerdings ein Rätsel: Der Mann ist seit achteinhalb Jahren tot, kann also bei keinem Preisausschreiben mitgemacht haben. 

Ein Brief, adressiert an ihren Mann Hans? Verwundert öffnet Doris Engel aus Reichensachsen die Post, die von der James Cook Holiday GmbH ins beschauliche Reichensachsen verschickt worden war. Der Inhalt: Ihr Mann könne zusammen mit einer weiteren Person eine Reise im Wert von knapp 1000 Euro antreten, die er sich auch noch selbst aussuchen kann und quasi geschenkt bekommt; ausgewählt worden sei er über eine Gewinnkarte, die er bei einer „bekannten Rätsel-Aktion“ ausgefüllt habe.

„Mein Mann ist aber schon seit fast neun Jahren tot“, erzählt die 73-Jährige und blickt von dem Schreiben auf, auf das sie deshalb gar nicht erst reagieren wird – auch wenn in dem Brief die Möglichkeit eingeräumt wird, dass die Reise von zwei anderen Personen angetreten werden kann und Hans Engel überhaupt nicht mitfahren müsse.

Mit ihrem Argwohn hält sich Doris Engel vermutlich eine Menge Ärger vom Hals und ihr Konto in Schach. Denn zur vermeintlichen Gewinnreise fallen Zuschläge für die Saison und den ausgewählten Flughafen an, die pro Person bei bis zu 200 Euro liegen und die im Voraus zu leisten sind. Doch selbst dann ist nicht gesagt, dass die Reise überhaupt stattfindet: Glaubt man den zahlreichen Kommentaren in diversen Internetforen, ist das ein Glücksspiel; die zuvor geleistete Anzahlung würde im Falle eines Nichtzustandekommens der Reise nicht zurückgezahlt. Und sollte der Urlaub in sonnigen Gefilden doch stattfinden, dann nicht in den versprochenen Vier- bis Fünf-Sterne-Hotels, sondern in dreckigen Unterkünften.

Doris Engel tut es leid, wenn Menschen auf solche vermeintlichen Gewinnschreiben hereinfallen – gibt aber zu, dass sie vor allem deshalb so argwöhnisch war, weil ihr Mann schon so lange tot ist und deshalb an gar keinem Preisausschreiben mehr mitgemacht haben konnte. Zumindest nicht kürzlich. „Kurz vor seinem Tod, als er zur Kur war, hat er mal an einem teilgenommen“, weiß sie noch. An diese Karte ist der Reiseveranstalter offensichtlich gekommen. „Denn auf dem mitgeschnickten Abschnitt des Gewinnspiels war eindeutig die Handschrift meines Mannes zu erkennen.

Bei James Cook entschuldigt man sich auf Anfrage unserer Zeitung für den Fauxpas, eine Gewinnnachricht an einen Toten verschickt zu haben. „Da ist irgendwas schief gelaufen.“ Die Antwort auf die Frage, wo sie überhaupt die Adresse herhätten, blieb schwammig: „Das ist so, als ob sie bei einem Preisausschreiben eine Waschmaschine gewinnen und dann beim Hersteller anrufen, der das Rätsel ja aber gar nicht ausgeschrieben hat.“ 

Das sagen Verbraucherschützer 

Der Verbraucherschutz warnt regelmäßig vor unseriösen Gewinnschreiben, die massenhaft an ahnungslose Bürger verschickt werden. Stutzig werden sollte man zum Beispiel dann, wenn die Gewinnzusage – wie im Fall von Doris Engel – mit weiteren Kosten verbunden ist, heißt es auf der Seite www.verbraucherdienst.blogspot.de. Und auch Worte wie Mindestverzehr, Serviceentgelt und Gebühren jeglicher Art lassen darauf schließen, dass die gewonnene Reise doch ein teurer Urlaub werden kann, erklärt die Verbraucherzentrale in Hessen.

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