Bildungsveranstaltung

Die Auswirkungen des Klimawandels im Wald bei Vierbach erklärt

Fasziniert, aber besorgt: Rund 30 Teilnehmer kamen zu der Bildungsveranstaltung, um sich von Reiner Schröder (rechts), Forstoberamtsrat, die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald vor Ort zeigen zu lassen.
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Fasziniert, aber besorgt: Rund 30 Teilnehmer kamen zu der Bildungsveranstaltung, um sich von Reiner Schröder (rechts), Forstoberamtsrat, die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald vor Ort zeigen zu lassen.

Forstoberamtsrat Reiner Schröder hat bei Vierbach in seiner Funktion als Forstbetriebsplaner über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald und forstwirtschaftliche Gegenmaßnahmen referiert.

Vierbach - Am Wochenende haben die Freien Wähler Werra-Meißner zusammen mit der Freien Wählergemeinschaft Wehretal zu einer Bildungsveranstaltung in die Wälder zwischen Vierbach und Reichensachsen eingeladen. „Was kann die Politik unternehmen?“, ist dabei für Dr. Claus Wenzel, Kreisvorsitzender der Freien Wähler, die Leitfrage.

Die Auswirkungen

Nach einer Dreiviertelstunde erreichen die Teilnehmer den höchsten Punkt des Ausflugs: Hinter einem gigantischen Holzstapel kommt inmitten des Waldes eine 13 Hektar große Kahlfläche zum Vorschein. Der Grund: Borkenkäfer. „Aus einem Pärchen können rund 20- bis 50 000 Nachkommen werden“, erklärt Schröder. Durch den Wassermangel sind die Bäume geschwächt, durch den fehlenden Harzfluss haben die Borkenkäfer freies Feld. Besonders anfällig für einen Befall sind Fichten, weshalb die Wälder von todgeweihten Fichtenbeständen übersäht sind. Zunehmend ersetzt die Douglasie die Fichte, da sie resistenter gegen Wassermangel und Käferbefall ist – aber auch schwerer zu verarbeiten.

Doch die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich ebenso finanziell: Wäre dieheutige Kahlfläche vor drei Jahren gefällt und verkauft worden, hätte ein Erlös in Höhe von 350 000 Euro erzielt werden können. Heute sind nicht einmal zehn Prozent dessen realistisch, da das Angebot an Fichtenholz durch die Klimaschäden stark gestiegen ist. Für private Waldbesitzer, denen rund 25 Prozent der Wälder gehören, ist nicht nur der Preisverlust ein enormer Schaden – laut dem hessischen Waldgesetz müssen die Flächen aufgeforstet werden. Eine Aufforstung der 13 Hektar mit Eichen kostet rund 240 000 Euro.

Die Gegenmaßnahmen

Aus forstwirtschaftlicher Sicht müssen die Baumarten gemischt werden, weil die Käfer dann nicht von Fichte zu Fichte springen können. Allerdings sei das problematisch, da jede Baumart andere Anforderungen und Stärken habe. Eichen und Douglasien seien sehr klimaresistent, wobei Eichen sechsmal weniger Ertrag bringen als Fichten; Douglasien stammen aus Nordamerika und dürfen laut europäischen Vorgaben maximal zehn Prozent eines Waldes ausmachen.

„Auch die Kommunalpolitik kann den Wald retten: Kommunalwald muss Kommunalwald bleiben, um den Einfluss zu wahren. Für die Kommunen ist das eine Belastung, aber sie haben auch eine Verpflichtung“, erklärt Schröder. „Auf kommunaler Ebene müssen die verpflichtenden Klimakonzepte endlich erstellt werden und der Wald dabei berücksichtigt werden“, erklärt Jürgen Binning aus dem Vorstand der FW Werra-Meißner. Schließlich habe derzeit noch keine Kommune im Werra-Meißner-Kreis ein Klimakonzept. (Lorenz Schöggl)

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