Porträts: Gerhard Schuchhardt löst am 1. April Alfred Preiß ab

Wechsel im Ortsgericht in Wehretal

Soll neuer Schöffe des Ortsgerichtes werden: der Diplom-Ingenieur Gerhard Schuchhardt. Fotos: Wüstefeld

Wehretal.  Am Ortsgericht in Wehretal steht ein Wechsel bevor: Alfred Preiß hört zum 31.März auf, ablösen soll ihn Gerhard Schuchhardt. Kurze Porträts über den alten Schöffen und den neuen Kandidaten.

Der Neue: Gerhard Schuchhardt

Er ist der perfekte Kandidat: Gerhard Schuchhardt wird von der Gemeinde Wehretal als neuer Schöffe für das Ortsgericht vorgeschlagen, ins Amt heben muss ihn dann das Amtsgericht.

Der 65-Jährige bringt aufgrund seines Berufs die optimalen Voraussetzungen mit, das Ehrenamt souverän auszufüllen: Als Diplom-Ingenieur mit einem eigenen Büro in Reichensachsen kennt er sich aus mit Schätzungen und Wertfeststellungen von Häusern und Grundstücken. Das ist einer der wesentlichen Aspekte, mit denen sich Schuchhardt während der fünfjährigen Amtszeit auseinandersetzen muss. „Bei so einer Schätzung fließen viele Faktoren mit ein“, erzählt Schuchhardt, Vater eines Sohnes. So spiele zum Beispiel die Substanz des Hauses ebenso eine Rolle, wie die Infrastruktur der Gemeinde.

Sein eigenes hat Schuchhardt vor 35 Jahren erworben. Damals zog der gebürtige Eschweger nach Reichensachsen, hat sich anschließend in der Gemeinde engagiert: 23 Jahre war er im Parlament, zwölf Jahre davon auch Fraktionsvorsitzender der FDP. Der gehört er weiterhin an, auch wenn er sich vor vier Jahren von seinen politischen Ämtern zurückgezogen hat.

Will jetzt jeden Tag ein bisschen mehr den Sonntag leben: Alfred Preiß, der nach 30 Jahren als Ortsgerichtsschöffe aufhört.

Mit dem Ehrenamt erwartet das Mitglied in mehreren Reichensächser Vereinen nun eine neue Aufgabe, der er aufgrund seiner beruflichen Qualifikation gelassen entgegen sieht. Freudig überrascht hingegen ist er jedoch von der Einstimmigkeit, mit der die Mitglieder der Gemeindevertretung für ihn votierten. „Ich war ja immer ein Querulant, da hätte ich damit nicht gerechnet.

Der Alte: Alfred Preuß

Nach 30 Jahren ist Schluss: Alfred Preiß gibt das Amt des Ortsgerichts-Schöffen zum Ende dieses Monats ab. Der 66-Jährige will so dem Inhalt eines Spruchs näher kommen, den er einst auf einer Geburtstagskarte gelesen hat: Im Alter jeden Tag ein bisschen mehr Sonntag werden lassen.

Das ist bei seinen bisherigen Aktivitäten schwierig. Der Vater zweier Söhne hat seit 1984 nicht nur den Wert von Häusern und Grundstücken in seiner Funktion als Schöffe beim Ortsgericht geschätzt. Seit 1963 ist der Architekt leidenschaftlicher Sänger und ist beim MGV Hoheneiche aktiv. Auch in der Politik mischt Preiß mit: derzeit als Fraktionsvorsitzender der FDP, vor einigen Jahren auch als Ortsvorsteher in Hoheneiche. Damit jedoch nicht genug: Vier- bis fünfmal in der Woche treibt Preiß Sport: „Ich möchte in diesem Jahr wieder das Sportabzeichen machen.“

Ein bisschen mehr Zeit zum Trainieren bekommt er jetzt, wenn er das Amt des Schöffen abgibt. Als studierter Architekt war er vor allem für das Schätzen der Häuser zuständig. Dass Schuchhardt sein Nachfolger ist, freut den 66-Jährigen: „Der ist ja auch vom Fach.“ Eine Übergabe zwischen den beiden gibt es nicht, was aber auch nicht nötig ist, so Preiß: „Zum einen ist er ja immer mit dem Vorsitzenden Knud Angerhausen unterwegs, zum anderen kennt er sich ja aus auf dem Gebiet.“

Wie oft sein Nachfolger Schuchhardt zukünftig im Einsatz sein werde, wisse er nicht: „Manchmal wurde ich drei- bis viermal im Jahr gebraucht, es gab aber auch Jahre, da waren es 15 Einsätze.“

Von Constanze Wüstefeld 

Aufgaben des Ortsgerichts

Ortsgerichte sind Hilfsbehörden der Justiz, die es ausschließlich in Hessen gibt. Das zuständige Amtsgericht benennt die fünf Mitglieder, Vorschläge kann die Gemeinde einreichen. Vorsitzender in Wehretal ist Knud Angerhausen. Das Ortsgericht ist dafür zuständig, Beglaubigungen von zum Beispiel Zeugnissen auszustellen, den Nachlass zu sichern, im Notfall Wohnungen zu versiegeln und Schätzungen vorzunehmen. Die Mitglieder sollen lebenserfahren und ortskundig sein, zudem dürfen sie keine Vorstrafen haben. Die Amtszeit liegt bei fünf Jahren und kann verlängert werden. (cow)

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