Heike Nölke hört nach 15 Jahren als Vorsitzende der Gemeindevertretung auf

Noch sind die Tränen nicht da: Heike Nölke kandidiert nach 15 Jahren nicht mehr für den Vorsitz der Gemeindevertretung Wehretal. Foto:  Wüstefeld

Reichensachsen. Die Tränen sind garantiert. Wenn Heike Nölke in diesem Frühjahr ihr Amt als Vorsitzende der Gemeindevertretung abgeben wird, bleiben ihre Augen nicht trocken. „Ich bin so ein Mensch", sagt sie jetzt, drei Monate vor der Wahl, noch lachend.

Doch im März, wenn mit der Kommunalwahl auch die neuen Gemeindevertreter gewählt werden, geht eine kleine Ära zu Ende: Seit 15 Jahren sorgt die 59-Jährige, die in drei Tagen ihren 60. Geburtstag feiert, als Vorsitzende der Gemeindevertretung dafür, dass die Sitzungen ordentlich ablaufen.

Und erlebte dabei gute wie schlechte Tage: „Eigentlich sind mir vor allem zwei nicht ganz so positive Ereignisse in Erinnerung geblieben“, gibt sie stirnrunzelnd zu. Zum einen sei das die Sitzung gewesen, in der über den Bau eines Kunstrasenplatzes entschieden wurde. „Jeder wusste, dass ich dagegen war.“ Nicht nur sie sah sich plötzlich 100 Fußballspielern gegenüber, die zur alles entscheidenden Sitzung gekommen waren. „Das war schon außergewöhnlich.“ Zum anderen ist da der eher schmerzhafte Gedanke an die verpasste Chance, aus der Obermühle in Reichensachsen ein Kulturzentrum zu machen. „Darauf bin ich nicht stolz.“

Zu ihrer Entscheidung, nicht mehr für den Posten des Vorsitzenden der Gemeindevertretung zu kandidieren, wird sie aber auch in Zukunft stehen: „Denn die Entscheidung liegt allein im privaten Bereich.“ Im Frühjahr komme das erste Enkelkind zur Welt, zudem sei ihr Mann kürzlich Rentner geworden, „die gewonnene Zeit möchte ich mit ihm nutzen“.

Sich ganz aus der Politik zurückziehen wird sich Nölke aber nicht: „Zum einen möchte ich mich wie bisher auch schon im Kreistag engagieren und dort die Belange unserer Gemeinde vertreten, zum anderen bin ich natürlich auch weiterhin für die Wehretaler da und setze mich für Dinge ein, die mich interessieren.“

Denn nur, wenn man auch etwas sage, könne man etwas bewegen: „Ich hatte ein Schlüsselerlebnis, als meine Tochter im Kindergarten war“, erinnert sich die 59-Jährige an den Grund zurück, warum sie überhaupt zur Politik gekommen ist: Damals, vor 23 Jahren, hatte der Kindergarten nur von 8 bis 12 Uhr geöffnet. „Für mich als berufstätige Mutter, wenn auch schon nur halbtags, war das gar nicht machbar, mein Kind rechtzeitig abzuholen.“Um das zu ändern, trat sie der SPD bei: „Mit 37 war das damals als Frau noch sehr früh, ich musste mich unter den Männern erst einmal beweisen.“

Drei Wahlen mit Heike Nölke

15 Jahre lang hat Heike Nölke aus Reichensachsen das Amt der Vorsitzenden der Gemeindevertretung übernommen, wenn sie zu den Wahlen im März nicht mehr kandidieren wird. „An die vergangenen drei Wahlen erinnere ich mich noch gut“, sagt die 59-Jährige. Das erste Mal war nicht nur aufgrund der möglichen neuen Position aufregend: Damals hatte die SPD-Fraktion nur eine knappe Mehrheit, die aber gereicht hätte. Doch während der Wahl musste einer ihrer Parteikollegen aus privaten Gründen gehen, es kam zum einer Patt-Situation. „Und die Opposition wollte dann verhindern, dass jemand aus der SPD, also ich, gewählt wird.“ Weil die anwesenden Parlamentarier aber nicht mehr beschlussfähig gewesen seien, wurde die Entscheidung vertagt, bei der Wiederholung bekam Nölke den Posten.

„Bei der zweiten Wahl hatte ich dann einen Gegenkandidaten und bei der dritten Tränen in den Augen“ - Grund war, dass alle Gemeindevertreter, egal aus welcher Fraktion, für sie gestimmt hatten.

Sollte die SPD-Fraktion bei der Wahl am 6. März die Mehrheit holen, steht auch schon ein Nachfolger für Nölke fest: Ralf Schlarbaum geht dann als Kandidat ins Rennen.

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