Gefahrenabwehr wird wichtiger

Zahlen und Fakten: Das war die Dienstversammlung aller Feuerwehren im Werra-Meißner-Kreis

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Voll besetzter Saal: Mehr als 250 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises besuchten am Dienstagabend die Dienstversammlung im Bürgerhaus von Reichensachsen.

Reichensachsen – 1262 Einsätze haben die 2690 Mitglieder der Feuerwehren im Werra-Meißner-Kreis im Jahr 2018 bewältigt - bei der gemeinsamen Dienstversammlung blickten die Einsatzkräfte zurück. 

Rund 250 Floriansjünger folgten des Einladung des Landkreises und besuchten die Dienstversammlung der Feuerwehren des Werra-Meißner-Kreises im Bürgerhaus von Reichensachsen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Versammlung.

Zu was munterte Landrat Stefan Reuß die Feuerwehrmänner auf?

Man kann es sich kaum vorstellen, aber Feuerwehrleute werden bundesweit immer häufiger im Einsatz attackiert. Der Landrat forderte die Einsatzkräfte unmissverständlich auf: „Wir brauchen eine deutliche Dokumentation, weil es eine hohe Dunkelziffer gibt. Meldet euch!“ Dies ist umso wichtiger, weil es – anders als bei der Polizei – noch kein internes Meldesystem gibt.

Wie läuft die Abstimmung des Landrats mit dem Kreisbrandinspektor Christian Sasse?

Nachdem der Fachbereich 3 (Aufsicht, Ordnung, Gefahrenabwehr) im vergangenen Jahr als Stabstelle im Landratsamt installiert wurde, sind die Kommunikations- und Entscheidungswege kürzer geworden. Oft werden unbürokratische wichtige Angelegenheiten in Kürze geklärt. Sasse: „Das zeigt die Wichtigkeit der Gefahrenabwehr.“

Wurden Arbeitgeber ausgezeichnet, die sich für den Brandschutz verdient gemacht haben?

Nein. Es gab in diesem Jahr keinen Vorschlag. Dies soll sich ändern. „Sofern Sie Arbeitgeber kennen, dann können Sie uns diese gern mitteilen“, appellierte Kreisbrandinspektor Sasse.

Wie viel Kindergärten erhielten eine Brandschutzerziehung?

Volker Gabel aus Waldkappel ist der Brandschutzerziehungsbeauftragte im Feuerwehr-Kreis Werra-Meißner. Hier hält er einen zur Anschauung geöffneten Feuerlöscher in der Hand.

26 von 59 möglichen Kindergärten konnten das Angebot nutzen. „Hier ist Luft nach oben“, merkte Volker Gabel, Beauftragter für Brandschutzerziehung, an. 

Auch in den 38 Schulen wird das Angebot nur selten offeriert. So waren die Brandschutzerzieher im abgelaufenen Kalenderjahr lediglich in fünf Schulen zu Gast. Um diese Schulungen zu intensiveren merkte Lothar John (Stadtbrandinspektor Eschwege) an, dass es für die Wehren kaum möglich ist diese zusätzlichen Aufgaben zu übernehmen: „Wie viele Aufgaben wollt Ihr noch auf das Ehrenamt aufladen?“

Konnte Christian Polster zufrieden auf sein erstes Jahr als Kreisjugendfeuerwehrwart zurückblicken?

Ja. Obwohl die Anzahl der Jugendfeuerwehren von 86 auf 73 gesunken ist, konnte der Kreisjugendfeuerwehrwart ein Plus von 13 aktiven Mitgliedern verzeichnen. 119 Mitglieder traten aus der Jugendfeuerwehr aus, davon wechselten 31 in den aktiven Feuerwehrdienst. 42 Kinder wechseln aus der Kinder- in die Jugendfeuerwehr. Einziger Kritikpunkt: „Leider haben einige Jugendfeuerwehren bis zum heutigen Tag ihre Dienstbucheinträge nicht in Florix aufgeführt.“ Somit ist der bezifferte Aufwand von 49 517 Personalstunden nur bedingt vergleichbar.

Was ist neu im Jahr 2019?

Die Seminare „Persönlichkeit und Führungsverhalten“ sowie „Führungsnachwuchskompetenz“ werden ins Angebot übernommen. Der Digitalfunk, der noch Probleme mit sich bringt, wird in den Bereichen Günsterrode, Motzenrode, Waldkappel, Weißenborn und im Zuge des A-44-Ausbaus errichtet und nachgestellt. 

Rückblick auf das zurückliegende Feuerwehr-Jahr in Zahlen: 

Stellten die Zahlen vor: Landrat Stefan Reuß und Kreisbrandinspektor Christian Sasse.

Deutlich mehr Einsätze als im Jahr 2018 konnten die Feuerwehrmänner trotz sinkenden Personal meistern. Wir haben das Jahr 2018 in Zahlen zusammengefasst.

  • 3 Katastrophenschutz-Übungen wurden durchgeführt, um den Ernstfall zu prüfen. Die Floriansjünger simulierten im Kaufunger Wald einen Waldbrand und im Autobahntunnel von Küchen einen Verkehrsunfall. 75 Teilnehmer durchliefen die Atemschutzübungsanlage an 23 Seminartagen. Fünf Prozent der Teilnehmer haben die Übung nicht verstanden. Zwölf Prozent sind trotz Zusage zum Test nicht erschienen. „Dies ist ärgerlich, weil Ehrenamtliche sich viel Zeit für die Prüfungen nehmen“, so Sasse. Um Termine zu tauschen, wurde eine Whatsapp-Gruppe eingerichtet.
  • 841 zusätzliche Plätze hat die Hessische Landesfeuerwehrschule bekommen. Der erhöhte Bedarf an Ausbildung führt aber zu Engpässen. Obwohl viele Lehrgänge schon an den Standort Marburg-Cappel und auf Kreisebene ausgelagert wurden, müssen viele Kameraden immer wieder in Kassel in den sauren Apfel beißen und werden in Hotels untergebracht. 176 Lehrgänge wurden auf der HLFS absolviert, 412 auf Kreisebene.
  • 1262 Einsätze hatten die Freiwilligen Feuerwehren. 632 Brandeinsätze, 630 Hilfeleistungen. Eine Steigerung um fast 16 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017. Das Sturmtief Friedericke (rund 190 Einsätze), die Flächenbrände im Sommer (dreimal über 500 Quadratmeter), das Unwetter in Waldkappel-Hetzerode, der Gefahrguteinsatz im Bahnhof in Neu-Eichenberg, Demonstrationen und das Open Flair (1900 Hilfeleistungen) stellten die größte Herausforderung dar.
  • 2690 Mitglieder zählen die Wehren. 76 Mitglieder (2,6 Prozent) weniger als im Vorjahr. Zwölf Prozent der Mitglieder (312) sind weiblich.
  • 442.100 Euro kostete der Rüstwagen-Kran, der im gesamten Kreis sowie in den benachbarten Landkreisen eingesetzt wird. Kreis und Stadt Eschwege finanzierten den 16-Tonner.

Von Marvin Heinz

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