Bewohner der Mühlenstraße haben sich nach fünf Jahren selbst mit dem Internet verbunden

Dem Mond den Rücken gekehrt

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Online-Spiele konnte Matthias Robel früher überhaupt nicht spielen. Die kleine Antenne, die jetzt auf dem Dach steht (kleines Bild) macht es möglich.

Rambach. Der Mond hat fünf Menschen weniger hinter sich zu verstecken: Die Schlag- und die Mittelmühle in Rambach sind ans Netz der Netcom Kassel angeschlossen. Was vormals 20 Minuten brauchte oder gar nicht ging, ist jetzt in Rekordzeit an Ort und Stelle.

„Das könnt ihr zu Hause im Internet recherchieren.“ Allzu oft musste Matthias Robel sich diesen Satz in der Schule anhören und sich dann mit seinen Freunden verabreden, um die Aufgabe erfüllen zu können. „Dort hatte ich eine DSL-Leitung zur Verfügung“, sagt der 20-Jährige.

Die Rambacher Mühlenstraße liegt etwas außerhalb des Ortes in einer Senke, rund 40 Meter tiefer als die anderen Häuser. Zu der Hauptantenne der Netcom auf dem Dach des Feuerwehrgerätehauses besteht kein Sichtkontakt, was den Empfang des Signals unmöglich machte.

Fünf Jahre lang versuchten die Anwohner, den Anschluss zu kriegen. Erst scheiterte Mega Access, dann die Vodafone-Tochter Netcom Kassel. Zu Anfang ging der Metzgerlehrling über die Telefonleitung online. „Da bin ich aber ganz oft aus der Leitung geflogen, wenn das Modem überfordert war“, erinnert er sich.

Später versuchte er es mit einen mobilen UMTS-Stick. Doch allein der Aufbau einer Internetseite dauerte damit 15 Minuten, und da war noch keine E-Mail heruntergeladen. „Wenn ich mit meinen Freunden geskypt habe, hörten die mich immer drei Minuten verzögert“, so Matthias Robel.

Dass der begeisterte Online-Spieler heute mit den anderen mithalten kann, hat er vor allem drei Menschen zu verdanken: Bürgermeister Thomas Mäurer, der nicht müde wurde, bei Netcom Kassel nachzuhaken, Axel Hofmann von der Mittelmühle, der sich um die technische Voraussetzung kümmerte sowie Netzwerktechniker Karsten Degenhardt aus Frieda, der im Frühjahr die richtige Idee für den Problemfall hatte.

Die beteiligten Haushalte traten der Netcom Kassel gegenüber als Gesellschaft bürgerlichen Rechts auf. Sie kauften die nötige Hardware wie Router, Antennen und Kabel von der Telefongesellschaft und fällten insgesamt drei Bäume, um den Sichtkontakt zur Hauptantenne herzustellen. Hofmann selbst brachte die Antennen auf den Dächern an und verlegte die Kabel.

Immer noch aber dauerte es fast ein halbes Jahr, bis Netcom die nötige Software schickte. Jetzt steht ein Empfänger auf der Scheune der Mittelmühle. Von dort leitet ein Kabel das Signal ans Wohnhaus, von wo aus eine zweite Antenne das Signal an die Schlagmühle weitersendet.

„Man kann uns sicher den Vorwurf machen, dass es zu lange gedauert hat“, gibt Ulf Körschner, Netcom-Vertriebsleiter, auf Anfrage zu. Die Mühlenstraße sei ein individueller Fall, für den es keine vorgeschriebenen Abläufe gebe. „Aber am Ende haben wir geliefert, was wir versprochen hatten.“ Matthias Robel jedenfalls ist selig mit seinem Highspeed-Netzanschluss.

Von Stefanie Bettinger

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