Selbstbewusster Amerikaner

Cadillac ATS: Kampfansage aus Übersee

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Mit dem ATS fallen Sie auf (unten vor der Würzburger Residenz)

Klischees hin oder her - der Cadillac ATS fordert die deutschen Premiummarken heraus. Ein Fahrbericht vom Cadillac ATS:

Denken Europäer an Cadillac, fallen den meisten Attribute wie barock, groß und durstig ein. Vielleicht haben sie auch noch luxuriöse Polster alter Straßenkreuzer vor Augen oder Popsongs wie Natalie Coles Pink Cadillac im Ohr. Schon ein Blick auf den neuen ATS entlarvt die meisten Annahmen als Klischees:

Sehenswert: Das stattliche Heck des ATS ist eindeutig die Schokoladenseite des Amerikaners.

Von außen wirkt der Caddy ATS mit 4,64 Metern Länge sportlich kompakt. Markant ist die Front mit dem typischen Markenknick und dem bunten Wappen, das kurze Heck ist wuchtig, die Kofferraumklappe schließt ein angedeuteter Spoiler ab. Auch hier findet sich der typische Caddy-Knick, der den Wagen optisch auf die Straße zu drücken scheint. Strotzendes Selbstbewusstsein, das auffällt. Das passt zum Anspruch, mit dem der Amerikaner auf Deutschlands Straßen auftreten will: „Unsere Konkurrenten heißen C, 3 und 4“, sagt Cadillacs Europa-Chef Wolfgang Schubert. Und meint damit die Mercedes C-Klasse, den 3er BMW sowie den Audi A4. „Der ATS hat eine klare Botschaft: Hier kommt Premium.“ Wirklich?

Auch innen kann er sich sehen lassen – das Interieur besteht aus feinen Materialien und ist gut verarbeitet.

Der Innenraum der Limousine verströmt Qualität: Die Haptik der Materialien vermittelt Wertigkeit, die Verarbeitung ist exzellent. In den elektrisch einstellbaren Sitzen lässt sich gut versinken, doch fehlt der Seitenhalt, weshalb es bei schneller Kurvenfahrt auf dem Beifahrersitz leicht ans Rutschen geht. Vorn ist das Platzangebot in Ordnung, hinten allerdings gehen drei Mitreisende schon mal auf unerwünschte Tuchfühlung. Der Kofferraum mit 381 Litern fällt im Vergleich zu den angepeilten Mitbewerbern kleiner aus. Hier stört vor allem die hohe Ladekante.

Besonders stolz sind die Amis auf ihr Infotainment-System CUE (Cadillac User Experience). Herzstück ist der 8 Zoll große LCD-Touchscreen. Er verfügt über einen Annäherungssensor, sendet bei Berührung ein haptisches Feedback und lässt Fingergesten zu. Letzteres ermöglicht wie bei einem Smartphone das Drehen, Ziehen oder ­Scrollen mit den Fingerspitzen. Die Funktionen und Möglichkeiten sind aber derart üppig, dass der Fahrer sich vor Antritt seiner Reise damit ausgiebig beschäftigen sollte.

Zum jetzigen Verkaufsstart bietet Cadillac den ATS Elegance mit Hinterradantrieb und manueller Sechsgangschaltung für günstige 37.500 Euro an. Wer die Topversion ATS Premium wählt, muss allerdings schon stolze 50.970 Euro hinblättern. Dann sind aber auch Automatik und Allradantrieb mit an Bord.

In der Mittelkonsole thront das umfassende Infotainment-System CUE mit 8 Zoll großem Navi-Touchscreen.

Motormäßig hat der interessierte Kunde zunächst immer einen 2-Liter-Vierzylinder-Benziner mit Abgasturbolader unter der Haube (ein Diesel ist in Planung). Bei 5.500 U/min stellt er starke 276 PS bereit und bietet ein maximales Drehmoment von 353 Nm bei 1.700 U/min. Hier zeigt sich geballte amerikanische Power: In nur sechs Sekunden beschleunigt der knapp 1.500 Kilo leichte Wagen von null auf 100 km/h. Allerdings klingt der Vierzylinder beim Beschleunigen bisweilen reichlich gequält. Er versöhnt jedoch mit wunderbarer Agilität auch in anspruchsvollen Kurven, die Lenkbefehle werden direkt umgesetzt. Da kommt Fahrspaß auf, der jedoch an der Zapfsäule bitter aufstoßen dürfte: Im Test verbrauchten wir an die 12 Liter – das ist in diesem Segment nicht zeitgemäß.

Fazit: Mit dem ATS fallen Sie auf. Allerdings wird er wohl eher Individualisten begeistern als die breite Masse. Fürchten müssen die deutschen Hersteller Cadillac jedenfalls (noch) nicht.

Katrin Basaran

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