E10-Zoff: Wer was will!

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Viele Autofahrer schauen an der Tankstelle in die Röhre. Am Dienstag entscheidet sich die Zukunft des Biosprits E10.

Berlin - Bei einem Krisengipfel will die Bundesregierung am Dienstag einen Ausweg im Chaos um den Biosprit E10 finden. Die tz erklärt, wer was will:

Das Chaos ist perfekt: Schadet der staatlich verordnete Biosprit allen Autos, und nutzt das Super-Benzin E10 überhaupt der Umwelt? Die Verbraucher boykottieren die Öko-Zapfsäulen. Bei einem Krisengipfel will die Bundesregierung am Dienstag einen Ausweg finden. Die tz erklärt, wer was will:

Die Regierungsparteien: Vor allem bei der FDP wachsen die Zweifel am Biosprit. „Wenn nötig, muss die ganze Strategie überdacht werden“, sagt FDP-Generalsekretär Christian Lindner. Auch die CSU rudert zurück. Ihr EU-Parlamentschef Markus Ferber will einen E10-Stopp, weil die EU erst ab 2020 mehr Bioethanol im Benzin fordere. Umweltminister Norbert Röttgen von der CDU jedoch will an E10 festhalten: „Fast alle Autos vertragen das neue Benzin.“

Die skurrilen Begründungen für steigende Benzinpreise

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Die Opposition: Davon, dass die rot-grüne Bundesregierung den Biosprit etwa mit einer Steuerbefreiung mit vorangetrieben hat, wollen die Grünen jetzt kaum mehr etwas wissen. „Wir brauchen benzinsparende Automobile, wir brauchen ein Tempolimit auf den Autobahnen, wir brauchen die Förderung von Elektromobilität und des öffentlichen Verkehrs“, sagte jetzt Grünen-Chef Cem Özdemir. Das E10-Konzept der Bundesregierung sei gescheitert.

Die Ölwirtschaft: Ihr Verband MWV sieht sich als Opfer politischer Vorgaben und mangelnder Infos der Autohersteller. Er lehnt Haftungen für Motorenschäden ab und würde am liebsten E10 wieder aus den Schläuchen verbannen: „Ich baue da schon auf die Politik, dass sie das Votum der Bürger hört und entsprechend reagiert“, so MWV-Chef Klaus Picard.

Die Autobauer: Unter anderem VW wies gestern den Vorwurf mangelnder Infos zurück. So gebe es etwa für Kunden eine Servicenummer und Verträglichkeitslisten. Für Rundschreiben fehlten aber die Adressen der Autofahrer.

Die Autofahrerlobby: Der ADAC ist gegen einen E10-Stopp und kritisierte die Ölbranche. Seine Forderung für heute: Das Kraftfahrbundesamt müsse alle Autofahrer über die Verträglichkeit informieren.

Die Bauern: Der Deutsche Bauernverband ist für den Biosprit. Denn dieser ermöglicht den Landwirten neue Einnahmequellen - gerade weil es für eine Vollversorgung mehr Ackerfläche bräuchte, als es in Deutschland gibt. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner argumentiert: Ethanol von deutschen Äckern verursache nur halb so viel CO2 wie herkömmliches Benzin.

Die Umweltschützer: Der Bund für Umwelt und Naturschutz betrachtet E10 als Mogelpackung. Durch zusätzlichen Dünger auf den Feldern werde gar kein CO2 gespart.

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