Autos im Praxistest

Spritsparen schont Konto und Nerven

+
Nachhaltige Fahrweise ist vielleicht nicht für jeden Fahrertyp geeignet, ausprobieren sollte man sie aber doch – es lohnt sich.

Sparsam fahren spart Sprit und Geld, logisch. Aber wie viel Zeit spart man beim Rasen, und wie viel Geld kosten die gewonnenen Minuten? Wir haben’s mit unterschiedlichen Autos getestet.

Das Streckenprofil

Meist gemischt durch die Stadt, über Land und Autobahn. Ergebnis: Wer rast, muss sich das auch leisten wollen, denn das kostet Nerven und spart wenig Zeit. Alles hängt aber vom Fahrertyp ab, denn manchen Linksspur-Abonnenten stresst vorausschauendes Fahren mehr als ständiges Bremsen und wieder Beschleunigen. Die Ergebnisse muss deshalb jeder für sich interpretieren:

Alfa Romeo Giulietta 2.0 JTDM

Alfa Romeo Giulietta 2.0 JTDM

Los geht’s im schicken Golf-Rivalen Alfa Romeo Giulietta 2.0 JTDM, der auch ohne Werbe-Ikone Uma Thurman am Steuer mächtig Charme versprüht. Trotz 140 PS (103 kW) liegt sein Normverbrauch bei streng rationierten 4,5 l/100 km. Wir überprüfen die Katalog­angabe zuerst im Sparmodus. Vorausschauend fahren heißt: Auf rote Ampeln ausgekuppelt zurollen, nur sanft beschleunigen, kein Vollgas, früh hoch- und spät herunterschalten, maximal Tempo 120. Wir fahren von Schwabing über den Autobahnring A 99 rund um München, danach über die A 96 stadteinwärts. Dann durch Laim und Neuhausen mit vielen Ampeln und kreuzungsfrei über den Mittleren Ring wieder nach Schwabing. Ergebnis: 5,2 l/100 km, exakt 53 Minuten für 53,6 km. Dann wieder auf Start, Motto jetzt: Immer so schnell, wie es die Polizei erlaubt und gegen alle Regeln der Sparkunst. Obwohl der Italo-Diesel bei 200 km/h nur 3.500 U/min dreht, brauchen wir diesmal 7,8 l/100 km für dieselbe Strecke. Fahrzeit: Wieder 53 Minuten, also keinerlei Zeitersparnis. Erklärung: Viele Ampeln pulverisieren den bis dahin herausgefahrenen Vorsprung, wenn man im Vergleich zur Sparrunde Pech hat. Wir hatten Pech: Pro 100 km bezahlt der Raser für null Zeitersparnis 4,08 Euro.

Mini One

Mini One Benziner mit 98 PS

Vielleicht haben Eilige mehr Glück mit anderen Autos oder Motoren? Fangen wir mit einem Zwerg an. Schon vom Namen her ist der Mini klein, hat es aber faustdick hinter den frechen Kulleraugen: Ein Benziner mit 98 PS muss im Mini One Minimalist nur 1,2 Tonnen Lebendgewicht bewegen. Diesmal geht’s 482 km weit von München nach Mendig in die Eifel, alles Autobahn. Auf dem Hinweg rasant, danach entspannt zurück. Dabei sind wir nur 17 Minuten langsamer, und der stets genügsame Mini braucht jetzt statt 6,1 sogar nur 5,8 l – beides erstaunlich, zumal wir beim sparsamen Rückweg leicht bergauf fahren, denn München liegt rund 300 m höher als Mendig. Ergebnis: Der Minimalist wird beim Spritverbrauch seinem Namen stets gerecht. Pro 100 km kosten dreieinhalb Minuten Zeitersparnis 0,52 Euro.

Skoda Fabia 1.2 TDI Greenline

Skoda Fabia 1.2 TDI Greenline

Aus dem VW-Konzern testen wir ein kleines Spritsparmodell: Skoda Fabia 1.2 TDI Greenline. Ihn treibt ein Turbodiesel mit 75 PS an. Nur 3,4 l Normverbrauch erreichen wir zwar selbst auf unserer Sparrunde über 49 km nicht, landen aber nach 53 Minuten bei immer noch erstaunlichen 3,9 l Praxisverbrauch. Dabei befolgen wir die Schaltempfehlungen im Display und lernen: Diesen Motor kann man im dritten Gang sogar knapp über Leerlauf hoch beschleunigen, ohne gequältes Brummen zu ernten. Auf der schnellen Runde geben wir gnadenlos Gas: hohes Tempo, niedrige Gänge. Ergebnis: Mit 5,0 l/100 km sind wir auch erst nach 49 Minuten am Ziel. Pro 100 km kosten vier Minuten Zeitersparnis 1,73 Euro.

Lexus RX 450h

Lexus RX 450h

Nächster Kandidat: Der hochbeinige, vermeintliche Spritschlucker Lexus RX 450h. Das kleine h verrät: Wir fahren Hybrid, das setzt sogar ein SUV auf Sprit-Diät. Beim Bremsen geht Energie in die Batterien zurück, danach sorgen zwei E-Motoren für extra Power – zusätzlich zum 249 PS starken Benziner. Wie sparsam können über zwei Tonnen Kampfgewicht sein? Wir drehen im Rheingau eine Runde ökonomisch. Die 22 km lange Spartour dauert 24 Minuten. Verbrauch: 4,3 l/100 km, Wahnsinn! Danach die Bodenblech-Runde mit zwei Minuten Zeitersparnis – hochgerechnet auf 100 km wären das immerhin neun Minuten. Aber: Der Verbrauch liegt zwar wieder unter dem Normwert von 6,3 Litern, aber mit 5,6 l/100 km deutlich über der Sparrunde. Der Hybrid knausert offenbar immer, dennoch sollte man wissen: Pro 100 km kosten neun Minuten Zeitersparnis 2,23 Euro.

Seat Leon FR 1.8 TSI

Seat Leon FR 1.8 TSI

Wir haben weitere Autos getestet: Den kompakten Benziner Seat Leon FR 1.8 TSI auf einer Runde mit viel Vollgasanteil beim Rasen. TSI heißt: Zwei Turbos verleihen Flügel in allen Lebenslagen, hohe Drehzahl bringt aber kräftigen Durst. Nur wer niedertourig fährt, genießt viel Kraft von unten heraus und einen sehr günstigen Verbrauch von 6,3 l auf 100 km. Wer auf die Tube drückt, spart pro 100 km zwar sechseinhalb Minuten, lässt sich das aber 3,6 l Mehrverbrauch und somit 6,16 Euro kosten.

Peugeot 308 SW 120 VTi

Peugeot 308 SW 120 VTi

Anders der Peugeot 308 SW 120 VTi:  Schnell bewegt holt er drei Minuten Vorsprung heraus, die lediglich 1,89 Euro kosten.

Fazit

Erstaunlich, wie sparsam moderne Autos bei nachhaltiger Fahrseise unterwegs sein können. Das bewusste Spritsparen kostet wenig Zeit und spart gleichzeitig Geld und Nerven. Lässt man am Steuer die Sau raus, schrumpft zuvor herausgefahrener Vorsprung an Ampeln oder im Stau schnell wieder zusammen.

Ralf Schütze

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare