Neuer Mini

Spielzeug für Große

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Behutsam weiterentwickelt: unser Autor Peter Schiebel bei der ersten Testfahrt im neuen Mini.

Sein Name ist Mini. Der neue Mini. Britisch und traditionell soll die dritte Generation des Kleinen unter der Regie von BMW daherkommen. Und das ist dank bayerischer Ingenieur- und Designkunst gelungen.

Mini-Liebhaber dürften an dem Neuen ihre Freude haben, der von außen gar nicht so neu erscheint, wie uns die Mini-Verantwortlichen weismachen wollen. Auch das straffe Fahrwerk mit der kompromisslos direkten Lenkung wird – bei allen technischen Neuerungen – den Mini-Fahrern bekannt vorkommen. Die logische Folge: jede Menge Fahrspaß, ein Spielzeug für große Kinder. Kein Wunder, dass die BMW-Macher gerne vom Gokart sprechen, wenn sie den Mini meinen.

Der Tacho ist endlich in der Mitte angekommen, das optionale Head-up-Display dagegen verzichtbar.

Verglichen mit dem äußeren Erscheinungsbild hat sich im Innern und unter der Haube eine Menge getan. Das Cockpit haben die Designer komplett neu gestaltet – und dank dem geradezu inflationären Einbau von LEDs ein prächtiges Farbenspiel gezaubert. Der Tacho ist in die Mitte der Armaturen neben den Drehzahlmesser gewandert, dafür strahlt jetzt in der Mitte des Cockpits ein bis zu 8,8 Zoll großes Farbdisplay für Navigation, Entertainment, Fahrzeugdaten, Telefon und alle weiteren Angaben und Funktionen. Mal grün, wenn der Mini im ökologisch wertvollen Green-Modus fährt, mal blau, wenn die Heizung runtergedreht wird, mal rot bei entgegengesetzter Richtung und so weiter und so fort. Eine bunte Wurlitzer war früher, ein bunter Mini ist heute. Große Spielzeuge waren beziehungsweise sind beide.

Einziges Manko: Der Mini-Controller für die Bedienung, ein kleines Rädchen, ist samt der erforderlichen Menü-Tastatur dermaßen weit und vor allem tief in die Mittelkonsole zwischen Schaltknauf und Handbremse gerutscht, dass für die optimale und schnelle Bedienung jede Menge Verrenkungen und noch mehr Übung nötig sind.

Ganz ohne Verrenkungen sitzt es sich dagegen im Mini – zumindest auf den vorderen Plätzen. Dank der um 98 Millimeter gewachsenen Fahrzeuglänge und des um 28 Millimeter vergrößerten Radstandes bietet der Mini ein Maximum an Beinfreiheit. Kleinwagengefühl? Nicht in der ersten Reihe, wo sich sogar lange Beine komplett ausstrecken lassen – anders als auf der Rückbank. Dort ist die Kopffreiheit zwar ebenso vorbildlich, aber ansonsten wird der Fond für jeden jenseits der 1,75 Meter zur verbotenen Zone. Aber wer will auch schon die ganze Familie dabeihaben, wenn er zum Spielen geht oder besser: fährt …

Das große Farbdisplay erinnert an eine Wurlitzer-Musikbox von früher.

Viel Spaß bereiten auch die neuen Motoren. Zum Verkaufsstart im März kommt der Mini mit drei Turbo-Aggregaten daher. Zum Einstieg gibt’s einen neu entwickelten Drei-Zylinder-Benziner mit 1,5 Litern Hubraum, 136 PS und 220 Nm maximalem Drehmoment. Hört sich gar nicht nach so viel an – ist es aber. Bei unseren Testfahrten überzeugte der Motor durch Lauf­ruhe, Spritzigkeit und ordentlich Schub auch im unteren und mittleren Drehzahlbereich. Allerdings bleibt es ein Rätsel, wie der angegebene Durchschnittsverbrauch von 4,5 Litern erreicht werden soll. Wir lagen locker zwei Drittel darüber – ohne dem Motor brutal die Sporen gegeben zu haben.

Wer ein noch größeres Kind ist und noch mehr Taschengeld zur Verfügung hat, kann problemlos einen draufsatteln mit dem Mini Cooper S: vier Zylinder, zwei Liter Hubraum, 192 PS, in 6,8 Sekunden von null auf hundert. Der Antrieb im Sportmodus gefahren – da röhrt nicht nur der Doppelauspuff, da schaut auch der Hintermann im größeren und vermeintlich stärkeren Wagen neidisch nach vorne.

Das ist der neue Mini 2014

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Neben den beiden Benzinern gibt es zunächst eine Diesel-Variante, den Mini Cooper D mit einem 1,5 Liter großen Dreizylinder und 116 PS. Noch in diesem Jahr sollen die kleineren Einsteigermodelle Mini One (102 PS) und Mini One D (95 PS)auf den Markt kommen.

Klasse Fahrwerk, trendiges Innenleben, starke Motoren – das hat aus dem Hause BMW natürlich seinen Preis. Mit 19.700 Euro geht es beim Mini Cooper los, das S-Modell liegt bei 23.800 Euro, der Diesel bei 21.450 Euro. Mit ein paar Extras wie dem großen Farbdisplay, Sportsitzen oder Metalliclackierung geht der Preis schnell nach oben. Viel Geld für einen Kleinwagen – aber Qualitätsspielzeuge waren schon immer etwas teurer.

Peter Schiebel

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