HIV – viele in Deutschland infizieren sich immer noch

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Die Aufklärung von HIV ist teuer, wird aber stetig vorangetrieben. Dennoch ist die Krankheit in Deutschland immer noch ein Problem.

Denn jedes Jahr stecken sich viele Menschen mit dem Erreger an. Nicht wenige sind dann von der Diagnose überrascht, denn kaum einer weiß, dass er infiziert ist.

Seit 2015 geht die Zahl der HIV-Infizierten in Deutschland zurück. Gleiches gilt für die Anzahl der Menschen, die neu infiziert werden. Laut dem Robert-Koch-Institut in Berlin (RKI), sind die Ansteckungen mit HIV im vergangenen Jahr gesunken. Auf rund 2700 wird die Zahl geschätzt. Zwischen 2014 und 2016 lag die Zahl bei etwa 2900 Neuinfektionen in Deutschland. Damit liegt die Bundesrepublik in puncto Neuansteckungsrate unter dem Schnitt aller anderen europäischen Länder, gab Jens Spahn von der CDU, zu Protokoll.

Zurückzuführen sei dieser Rückgang insbesondere auf die frühzeitige Behandlung sowie der Ausbau von zielgruppenspezifischen Testangeboten. RKI-Präsident Lothar Wieler sieht zudem eine in der Allgemeinheit gestiegene Testbereitschaft. Hintergrund ist, dass Menschen, die HIV-positiv sind, bei einer frühen Diagnose mit schnell beginnender Therapie, ein geringeres Risiko haben, andere Personen mit dem Virus anzustecken. So gibt es auch Vertreter der Autoindustrie die beim Kampf gegen AIDS helfen.

Das höchste Infektionsrisiko besteht nachweislich bei den homo- und bisexuellen Männern. Bei ihnen ist die Zahl der Neuinfektionen von 2300 im Jahr 2013 auf unter 1700 im Jahr 2017 gesunken. Ein Grund, warum immer mehr Personen dieser Gruppe eine höhere Testbereitschaft haben, sind Dating-Apps. Denn in den Profilen liest sich häufig die Angabe über den HIV-Status in Kombination mit dem Testdatum. Bei den Heterosexuellen ist ein langsamer Anstieg festzustellen. Denn diesen fehle es laut RKI an dem Bewusstsein für die HIV-Erkrankung. Daher ließen sich diese Gruppe von Menschen deutlich seltener testen. Bei Frauen hingegen wird die HIV-Diagnose meist erst beim Schwangeren-Screening gestellt.

Insgesamt bleibt laut RKI-Präsidenten der Grundpfeiler die Empfehlung von Kondomen. Diese haben in der HIV-Prävention nichts an Aktualität eingebüßt. So bleiben Experten auch weiterhin bei der Einschätzung, dass HIV und Aids ein Gesundheitsrisiko in Deutschland ist, sich dieses jedoch zuverlässig bekämpfen lässt.

Viele stecken sich neu mit dem Erreger an

In Deutschland lebten Ende 2017 etwa 86.000 Menschen, die an HIV oder Aids erkrankt waren. Mehr als 11.000 davon wussten nicht von der Infektion, schätzt das Robert-Koch-Institut. Den Großteil (53.100) der Betroffenen machen Männer aus, die Sex mit anderen Männern haben. Hinzukommen heterosexuelle Frauen und Männer (11.000) und 8100 Drogenabhängige. Da die Diagnose leider oft erst Jahre nach der Infektion festgestellt wird, kann eine Ansteckungsrate nur geschätzt werden. Hierzu werden Modellrechnungen angestellt.

Bei den Betroffenen zeigt sich zudem, das rund 11.000 zwar von der Infektion mit dem HI-Virus wissen, jedoch eine Therapie mit Medikamenten ablehnen. So scheint es eine Zugangsbarriere zu geben, die laut RKI dringend abgebaut werden müssen. Auch die DAH, die Deutsche AIDS-Hilfe, sieht Bedarf zur Besserung. So erklärte Sylvia Urban, DAH-Vorstand, dass die Zahlen in Deutschland durchaus niedriger sein könnten. Denn es gäbe hochwirksame Maßnahmen, um eine Infektion mit HIV zu vermeiden, die nicht zugänglich seien. Dazu gehöre als Beispiel die PrEP (Prä-Expositionsprophylaxe). Dabei werden HIV-Medikamente bereits vorbeugend eingenommen. Diese könnten in Deutschland zwar verschrieben werden, allerdings fehlt die Lösung zur Finanzierung. Denn die Kosten einer solchen Prophylaxe liegen bei monatlich 800 Euro. Dennoch wäre die Folge davon eine vermeidbare HIV-Infektion bei möglichen Betroffenen, dessen Erfolg sich in der Umsetzung bisher allerdings noch nicht eingestellt hat.

HIV und AIDS durch unsaubere Spritzen

Ein großes Problem in diesem Bereich liegt ebenso im Drogenkonsum. Denn die Süchtigen haben oft keine Möglichkeit, an saubere Spritzen zu kommen. So gibt es diese auch in den Haftanstalten hierzulande nicht. So sei es absolut irrational und gefährlich, Menschen, die ein erhöhtes Infektionsrisiko aufweisen, Schutzmaßnahmen zu entziehen, sagt Urban. Ebenso müssen die Angebote ausgebaut werden, wenn freiwillige oder anonyme einen HIV-Test durchführen wollen. Ebenso müssen HIV-Selbsttest stets verfügbar sein. Besonders Menschen aus dem Umfeld er Homo- und Bisexualität sowie für Migranten und Drogenkonsumenten müsse es deutlich mehr Möglichkeiten geben. Denn, so attestiert der Leiter der HIV-Forschung in Essen dem Virus und der Erkrankung, dass sie sich ausrotten ließen.

Übertragen wird HIV meistens beim Sex. Bei einem unbehandelten Krankheitsverlauf kann die Infektion zu einer Schädigung des körpereigenen Abwehrsystems führen. Hierdurch bedingt, kann es dann auch oft zum Tod kommen. Eine gezielte Therapie in Form von Medikamenten kann die Entwicklung der Immunschwächeerkrankung AIDS jedoch erfolgreich verhindern. So lässt sich die Viruslast im Körper von HIV-Infizierten Personen so weit absenken, das für andere kein Risiko mehr besteht. Insofern ist es möglich, eine Übertragungsrate, laut RKI, gegen null zu senken.

Die Zahlen zeigen also ebenfalls einen positiven Trend. Doch auch etwas anderes wird damit ebenso unterstrichen: Bei den Bemühungen und der Vorbeugung darf nicht nachgelassen werden. Daher ist es gut, wenn das Thema auch immer wieder aufgegriffen wird. Wie etwa der Bericht von Barbara Ziegler zeigt.

Die Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass Menschen an den Optionen, die im Rahmen der Früherkennung geboten werden, teilnehmen und sich anschließend einer Therapie nicht verschließen. Denn die größte Ansteckungsgefahr geht von den Personen aus, die nichts von ihrer Infektion wissen.

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