Nach Skandal um Baerbock & Co.

Lebenslauf „aufgehübscht“? Wie viel Schummeln gerade noch erlaubt ist

Annalena Bearbock musste viel Kritik für ihren „aufgehübschten“ Lebenslauf einstecken. Wir zeigen, wie weit Bewerber bei ihrem CV wirklich gehen dürfen.

Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, hatte es wohl zu gut mit ihrem Lebenslauf* gemeint. So verschwieg die Grünen-Chefin in ihrem selbst veröffentlichten Curriculum Vitae (CV), dass sie ihr Studium in Hamburg ohne Abschluss beendet hatte. Und aus Spenden für das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR wurde prompt eine Mitgliedschaft in selbiger.

„Das war Mist“, gab sie selbst im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zu. Auch andere Bewerber nehmen es mit der Wahrheit in ihrem Lebenslauf nicht immer so genau. „Von drei Bewerbungen sind zwei aufgehübscht“, verrät etwa Jobcoach Martin Werle im Bild-Interview. Doch wie viel Schummelei ist im CV überhaupt erlaubt?

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Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock: Ihr „aufgehübschter“ Lebenslauf flog ihr gehörig um die Ohren.

Wer Arbeitgeber mit einem frisierten Lebenslauf täuscht, riskiert seinen Job

„In der Tat gibt es einen gewissen Interpretationsspielraum“, verrät Wehrle auf Bild.de. „Es ist immer erlaubt, das Wasserglas halbvoll zu sehen. Wer eine Weltreise gemacht und dabei etwas für seinen Beruf gelernt hat, kann das ruhig betonen. Wer Ärger mit seinem letzten Chef hatte, muss das nicht ausbreiten – und darf sich neutral äußern.“

Bei Urkundenfälschung, etwa bei Zeugnissen, hört der Spaß natürlich auf und ist ohnehin strafbar. Doch auch bei schlichten Täuschungen können Bewerber ganz schön auf die Nase fallen. Wenn sich etwa ein Kandidat als Teamleiter präsentiert, obwohl er nur für den Praktikanten zuständig war, und auf Grundlage dessen als Führungskraft eingestellt wird. „Solche Lügen führen – wenn sie auffliegen – zum Rauswurf“, mahnt der Karriere-Experte. In anderen Fällen können Arbeitgeber sogar Teile des Gehalts zurückfordern. Auch ein falscher Abschluss kann als Kündigungsgrund herangeführt werden – und das noch Jahre nach der Einstellung.

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Personaler enttarnen Lebenslauf-Schummler durch gezielte Nachfragen

Um keinen Ärger wegen eines frisierten Lebenslaufs zu riskieren, sollten Bewerber also keinesfalls zu dick auftragen. Sonst droht oft schon im Bewerbungsgespräch ein böses Erwachen: „Durch Nachfragen finden Personaler schnell heraus, welche Kenntnisse wirklich fundiert sind“, verrät Job- und Bewerbungscoach Friederike Christiansen aufSpiegel.de. „Und wenn die nicht mit den Angaben im Lebenslauf übereinstimmen, wirft das ein schlechtes Licht auf die Bewerber. Als Personaler fragt man sich dann: Wo hat die Person noch gelogen?“ Jobsuchende sollten ihre Angaben im Lebenslauf deshalb immer mit Beispielen belegen können, um einen solchen Vorwurf erst gar nicht zu riskieren.

Fazit: Zu seinem Lebenslauf sollte man unbedingt stehen – auch zu Fehlern, Problemen oder Lücken. „Wichtig ist vor allem, dass man reflektiert und etwas gelernt hat“, meint Christiansen abschließend, „so lassen sich auch vermeintliche Schwächen als Stärken darlegen.“ (as)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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