Giganten der Meere

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Eindrucksvolle Giganten: Auf Whale-Watching-Touren kommt man den riesigen Meeressäugern ganz nah.

Noch kann man Wale in freier Natur beobachten. Doch ihnen drohen Gefahren durch den Menschen. Wir sagen, wo die letzten Paradiese der Riesen sind und wie man seriöse Beobachtungstouren erkennen kann.

Der Lärm ist unerträglich, er raubt den Walen die Orientierung. Die mächtigen Tiere geraten in Panik und sie schwimmen statt in die sicheren Tiefen des Meeres in Richtung Strand, wo sie qualvoll sterben. Fünf Kadaver liegen nun auf dem Sand – in diesem speziellen Fall sind es jedoch nur Attrappen, eigens für den Film „Das Geheimnis der Wale“ angefertigt.

Doch so gut wie in dem ZDF-Fernsehfilm, geht es leider nicht immer aus. Auch an der Küste Neuseelands – wo die Handlung des Films angesiedelt ist – verendeten vor kurzem 100 Wale. Sie waren gestrandet und alle Versuche, sie wieder zurück ins Meer zu bringen, scheiterten, sodass die riesigen Säuger kläglich verendeten. Das ist die bittere Realität.

Die schönsten Wal-Bilder

Die Thematik des Films ist sehr aktuell: Vom Mensch verursachter Lärm wird für Wale zu einer immer größeren Bedrohung. Schiffsverkehr, Marineübungen und seismische Untersuchungen beeinträchtigen die Kommunikation und die Orientierung der Wale extrem. Im Film ist es ein profitgieriger Konzern, dem auf der Suche nach neuen Energiequellen das Schicksal der Wale völlig gleichgültig ist – Hauptsache, der Gewinn stimmt.

Whale Watching mit Ehrfurcht vor den Giganten

Damit das Drehbuch auch tatsächlich der Realität entspricht, hat sich die Produktionsfirma den Rat von Dr. Karsten Brensing, Bioakustiker bei der Whale und Dolphin Conservation Society (WDCS), geholt. Der Experte erinnert an die bittere Realität und die Gefährdung von Schweinswalen vor unserer Haustür: „Kurz bevor ich den ersten Drehbuchentwurf gelesen habe, wurde im Nordseeschutzgebiet Doggerbank eine seismische Untersuchung genehmigt – obwohl die Behörden wussten, dass dadurch Jungtiere und trächtige Walkühe gefährdet würden.“

Allein die Größe und die Eleganz, mit der die Wale durchs Meer pflügen, gebieten Ehrfurcht vor diesen Kreaturen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Wale und Delfine in freier Wildbahn zu beobachten: Wer die Tiere am wenigsten stören will, kann sie an vielen Stellen sehr gut vom Land aus betrachten. Oder auf dem Wasser eine Kajak-Tour in Küstennähe unternehmen, die Tiere eher zufällig von der Fähre oder einem Kreuzfahrtschiff aus beobachten oder eine kommerzielle Whale- Watching-Tour buchen, bei denen es bisweilen sogar Sichtungsgarantien gibt.

Anfassen und Füttern sind verboten

 Wer sich etwas genauer mit den Meeressäugern befasst, kann selbst seine Chancen erhöhen. So gibt es stabile ortstreue Populationen wie etwa Grindwale vor Teneriffa. Zu bestimmten Jahreszeiten halten sich Wale in ihren Sommer- bzw. Winterrevieren auf, so zum Beispiel von etwa Juli bis November vor der Küste Südafrikas, wo die Wale gut von Land aus beobachtet werden können. Die Küste vor Kalifornien ist dagegen von Januar bis April ein beliebtes Winterquartier von verschiedenen Walarten.

Die WDCS erklärt, wie man einen seriösen Veranstalter von Walbeobachtungstouren erkennen kann. Der hält sich an die Regeln für Beobachtungstouren und kann Fragen zum „Code of Conduct“ beantworten, in dem diese speziellen Regeln festgeschrieben sind. Idealerweise hat er auch einen Experten an Bord, der auf der Tour Wissenswertes zu den Tieren und ihrem Lebensraum erzählen kann.

Auf einer seriösen Walbeobachtungstour gilt laut WDCS die Regel, dass die Tiere entscheiden, ob sie sich dem Boot nähern wollen oder nicht – und nicht umgekehrt. Wale und Delfine dürfen auf keinen Fall verfolgt werden, sondern das Boot muss die Geschwindigkeit drosseln und möglichst mit gleichmäßigem Tempo und Kurs weiterfahren. Der Bootsführer sollte von sich aus eine Mindestdistanz von rund 100 Metern zu den Tieren einhalten. Solange sich die Tiere in der Nähe aufhalten, darf der Motor nicht neu gestartet werden. Kommen die Tiere von sich aus nahe ans Boot, darf eine Gruppe von Walen und Delfinen nie durchquert und dadurch getrennt werden. Besondere Vorsicht ist bei Muttertieren mit Kälbern geboten. Und auch wenn die Säuger zum Greifen nah sind gilt: Anfassen und Füttern sind verboten – das Ansteckungsrisiko für die Tiere ist zu groß.

V. Pfau

DIE INFOS WHALE-WATCHING

WALBEOBACHTUNG Grundsätzlich können Wale weltweit an allen Küsten der Ozeane und Nebenmeere beobachtet werden. Folgende Orte gelten als Hotspots:

NEUSEELAND, Kaikoura.

KALIFORNIEN, Monterey.

SÜDAFRIKA, Hermanus

NORWEGEN, Andenes und Stø auf den Vesterålen

KANADA, Provinz Québec, Tadoussac am Sankt-Lorenz-Strom und St. Andrew’s, New Brunswick.

PORTUGAL, Azoren.

KANARISCHE INSELN SPANIEN, Tarifa: Im so genannten „Heiligtum der Wale“ (Meeresdreieck zwischen Sardinien und der Küste Frankreichs und Italiens) sieht man Delfine, Pottwale, Finnwale.

BROSCHÜRE Die WDCS hat zwei Ratgeber zur Walbeobachtung in Europa (auch als pdf- Datei erhältlich) bzw. in Kanada herausgegeben. Bestellung bei der WDCS.

TV-FILM Der Zweiteiler „Geheimnis der Wale“ lief am 3. und 4. Januar jeweils um 20.15 Uhr im ZDF und ist ab 21. Januar auf DVD erhältlich (Preis: 17,95 Euro, Bestellung unter www.zdf.de).

WEITERE INFOS Internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS Deutschland, Tel. 089/61 00 23 93, im Internet: www.wdcs-de.org.

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