Türkei von ihrer familiären Seite

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Der Hafen ist in Antalya für fast alle Touristen ein Ziel.

Tee und Gastfreundschaft gehören zur Türkischen Kultur. Wer individuell die Türkische Riviera bereist, lernt schnell, dass “Arkadasch“ das türkische Wort für “Freund“ ist.

Fast jeder Tourist an der türkischen Südküste bucht auch einen preiswerten Bootsausflug - hier sind Urlauber auf einer Höhlen- und Entdeckungstour bei Alanya unterwegs.

Blaugrünes Meer, berühmte antike Stätten, Orangen- und Aprikosenplantagen mit Blick auf schneebedeckte Berge: Die türkische Südküste gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen am Mittelmeer. Das gilt vor allem für die Region von Antalya über Side bis Alanya. Günstig ist die Gegend obendrein: Gerade im Raum Alanya kaufen immer mehr Deutsche ein Haus oder eine Wohnung, viele Senioren haben hier ihre zweite Heimat. Auch immer mehr Skandinavier und Russen sind auf Schnäppchenjagd - denn noch werden Appartements mit 70 Quadratmetern und Pool in Strandnähe ab 42 000 Euro offeriert.

Ob an Deck eines Ausflugsschiffes, im Wasser, beim Bummeln oder im Liegestuhl unterm Sonnenschirm: Zeitzeugen aus Antike und Mittelalter sind an vielen Orten im Blick. Auch von entfernteren Stränden ist zum Beispiel Alanyas Burgberg mit Festungsmauern und Zitadelle sichtbar. Nachts bildet die beleuchtete Anlage eine spektakuläre Silhouette.

Die Sonne brennt, das Hemd klebt an der Haut. “Nein, danke, ich laufe lieber“, entgegnet der Tourist aus Berlin dem Taxifahrer. Der schildert auf der Serpentinenstraße den Aufstieg zur Zitadelle als beschwerliche Tortur. Etwas mühsam ist die einstündige Wanderung tatsächlich, aber auch unglaublich faszinierend. Mit Foto-, Eiscreme- und Limonadenpausen können es auch zwei unterhaltsame Stunden sein.

Eines der beliebtesten Mittelmeer-Reiseziele der Deutschen: Die Türkische Riviera mit Antalya und Alanya.

Hinter jeder Steintreppe, Palme und purpurner Bougainvillea, jedem Berghang-Restaurant und jedem blühenden Hausgarten wartet ein neuer Blick nach unten auf Moscheen, das Meer, Mauern, Türme und Alanyas Hafen. Auch Kizil Kale, der Rote Turm, ist zu sehen, der auf vielen Ansichtskarten aus Alanya prangt. Sultan Alaeddin Keykubat hat das 33 Meter hohe Bollwerk aus Ziegeln im 13. Jahrhundert zum Schutz des Hafens bauen lassen. In der Nähe springen gerade Urlauber von einem Ausflugsboot ins Wasser. In den tief in den Felsen getriebenen großen Kammern verbargen einst der Sultan und die Seldschuken ihre Galeeren.

Frauen mit Kopftuch bieten im kleinen Souvenirdorf vor Ic Kale, der Seldschuken-Zitadelle, ihre Teppiche und Stricksocken sowie Silberschmuck, bestickte Decken und bemalte Kalebassen an. Der Blick von der Festungsspitze zeigt auf der einen Seite steil ins Meer abfallende Felsen und auf der anderen Festungsmauern sowie helle Strände mit unzähligen Liegen und wenig Vegetation. Palmenpracht und blühende Büsche zieren dafür die Bummelpromenade direkt am Wasser.

Altertümer überall: Wie hier in Side begegnen Urlauber an der Türkischen Riviera an sehr vielen Orten Zeugnissen aus der Antike.

Wer am Kleopatra-Strand und an den nummerierten Bar-Kiosken vorbei spaziert, findet sogar die eine und andere in den Sand gesteckte Plastikpalme. Aber das ärgert kaum einen Urlauber - denn die türkische Gastfreundschaft ist groß, das Meer sauber, und die Preise sind meist günstig. Hier stehen dicht and dicht auch viele kleinere Hotels mit sechs und sieben Stockwerken, die 40 oder 50 Zimmer, einen Mini-Garten mit Pool sowie Familienanschluss bieten. “Wir haben Gäste aus Hannover, Münster, Frankfurt, die besuchen uns seit über 20 Jahren. Jeder ist ein 'Arkadasch', ein Freund“, sagt Yildiz Cakir Barucuoglu, die Miteigentümerin des etwas größeren “Balik Hotel“.

In den einfachen Hotels stehen viele Oliven- und Marmeladensorten auf den Tischen, dazu einheimischer Käse, aber weder Schinken noch Salami. Ein Hotelchef, der einen Gast täglich für 12 bis 16 Euro samt Frühstück beherbergt, muss haushalten. Die Urlauber verstehen das und loben im Gästebuch vor allem den Service und die Aufmerksamkeit.

Postkarten-Panorama: Alanya mit dem "Roten Turm" ist für viele Deutsche längst zur zweiten Heimat geworden.

Unten glitzern die ersten Lichter Alanyas nach Sonnenuntergang. Hier an der steilen Straße von den Touristenshops und dem Hafen bis zur Zitadelle luden vor drei Jahrzehnten ein oder zwei Restaurants zum Verweilen ein, heute sind es mehr als 30. Alle machen gute Geschäfte, erzählt Kellner Osman Cetin im Restaurant “Dizdar Garden“, wo Familien Tee bestellen und ihr eigenes Picknick mitbringen können.

Und wo essen die Türken? Alid Ugurlu, Hotelmanager des “Sunpark Beach“ am “Kleopatra-Beach“ zeigt in Richtung Innenstadt: “Wer die Gegend erkundet, der lernt das Leben der Einheimischen kennen.“ Aber manche Urlauber wollten gar nicht weg von der Touristenzone.

Tradition und Moderne: Im Zentrum von Antalya sind Frauen mit Kopftuch ebenso zu finden wie Werbung für Mode im westeuropäischen Look.

Jeder, der an der Türkischen Riviera in Ortsnähe Urlaub macht, kann zusätzlich sparen, wenn er jeden Tag wenigstens 500 Meter läuft: Wo Einheimische leben, gibt es viel Herzlichkeit, gute Küche und keine “Türsteher“, die charmant bis aufdringlich die Fischplatte oder das Sis Kebab mit Salat und Reis anpreisen. Der Fleisch-Gemüse-Spieß kostet in den Urlauberlokalen 5 bis 12 Euro, in einem einheimischen Lokal dagegen nur die Hälfte. Wer die türkische Speisekarte nicht versteht, darf in die Töpfe schauen. Und spricht der Kellner nicht Deutsch oder Englisch, holt er einen Nachbarn zu Hilfe.

Auch gut 130 Kilometer weiter westlich, in der rasant auf eine Million Einwohner gewachsenen Metropole Antalya mit seinem internationalen Flughafen, flanieren die Menschen zwischen Stadtmauern und Bauwerken aus der Zeit der Römer und Seldschuken. Der Blick nach unten auf den Hafen ist ebenso reizvoll wie der von dort nach oben zur Altstadt mit ihren Mauern, Erkern und Holzbalkonen.

Spektakulär ist der Blick vom hölzernen Balkon des historischen Gewölbe-Cafés “Hisar“ und günstig dann die Rechnung: Türkischer Mokka, frisch gepresster Orangensaft, Blätterteiggebäck und ein Eis kosten keine sieben Euro. “Ich möchte, dass Sie wiederkommen und bin nicht auf das schnelle Geld aus“, sagt der Manager. Er hofft, dass die Türkische Riviera bald auch im milden Winter mehr Gäste bekommt.

Wer in und um Side herum Urlaub macht, kann den Ruinen der Antike gar nicht ausweichen. Auf der Spitze der Halbinsel sind die Reste des Apollon-Tempels zu sehen. Zwischen dem Hafen mit dem Einkaufsviertel sowie Parkplätzen sind unter anderem das Römische Theater und Fundamente des Großen Tors zu bewundern. Viele Hotels reihen sich entlang der Strände um das antike Side, das zwischen Antalya und Alanya liegt. Und nicht weit entfernt locken auch das Römische Theater in Aspendos und die Ausgrabungen im antiken Perge.

Mancher Urlauber, der neu in der Türkei ist, kann sein Glück beim Feilschen kaum fassen. Voller Stolz präsentiert einer im Hotel seine neue Lederjacke: “Die habe ich von 280 Euro auf 160 runtergehandelt“, erzählt ein junger Mann aus Düsseldorf in Antalya. “Wo denn?“, fragt der Barmann, der viele Jahre in Köln gearbeitet hat. “In einem der Shops am Hafen“. “Mein Tipp“, sagt der Türke zum Gast: “Geh' in ein Kaufhaus, da kostet solch ein Jacke 260 Lira Festpreis“ - das sind etwa 132 Euro. “Oder fahr' mit dem Bus in einen der nahen Fabrikläden, da ist es noch günstiger.“ In jedem Fall bringt ein Kaufhausbummel einen guten Überblick über Preise und Leistungen. Ein Marken-T-Shirt für umgerechnet 3 Euro auf dem Basar oder ein “Parfüm aus Paris“ für 4 Euro sind allerdings gewiss keine Originalprodukte.

Aufpassen müssen Urlauber an der Türkischen Riviera auch anderswo. Die meisten von ihnen sehnen sich nach einem Zimmer mit Meerblick - doch wer mag davor eine nervige Autobahn? Weil viele Strände zwischen Antalya und Alanya mit meist großen Ferienanlagen schon zugebaut oder zu eng sind, weichen Hotelinvestoren oft hinter die Schnellstraße aus, die die Küste von neuen Touristenzonen trennt. Reisebüros, Kataloge und auch Internetseiten können allerdings bei der akkuraten Lagebeschreibung schwächeln. Deshalb ist es ratsam, ruhig mal vor einer Buchung im gewünschten Hotel anzurufen. Eine wichtige Frage wäre: “Kann ich direkt zum Strand, oder muss ich durch einen Tunnel?“ An der Südküste gibt es etliche solcher Fußgänger-Unterführungen.

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Wer günstig ins Internet will, bringt seinen Laptop mit: Einfache Hotels wie das “Fatih“ und das “Yeni Acun“ in Alanya bieten 24 Stunden lang Online-Zugang im Zimmer für etwa zwei Euro. Manches Vier-Sterne-Hotel bietet dagegen einen solchen Service gar nicht an - und nimmt am PC an der Rezeption drei Euro für eine Stunde Surfen.

Bernd Kubisch, dpa

REISE-INFOS ZU TÜRKISCHE RIVIERA

REISEZIEL: Als Türkische Riviera wird meist die Region zwischen Antalya im Westen und Alanya im Osten bezeichnet. Die Tourismuszone an der Südküste erstreckt sich aber westlich noch weiter bis Bodrum, Marmaris und Fethiye. Das Taurusgebirge reicht oft bis ans Meer.

ANREISE UND FORMALITÄTEN: Mehrere Fluggesellschaften bieten von verschiedenen deutschen Städten aus regelmäßig Flüge nach Antalya, Dalaman und Bodrum. Für die Einreise reicht der Personalausweis.

KLIMA UND REISEZEIT: Als gute Reisezeit gelten die Monate Mai bis November. Der Juli und der August können allerdings sehr heiß sein.

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