Das sind die Vor- und Nachteile von Leiharbeit

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Leiharbeit ist in Deutschland für Viele ein bekannter Begriff. Dabei gibt es zahlreiche unterschiedliche Meinungen darüber. Denn die Rechtslage über die sogenannte Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ) ist höchst umstritten. Grund hierfür ist die Angst vor einer Ausbeutung und Benachteiligung des Leiharbeitnehmers auf dem Arbeitsmarkt.

Grundsätzliches 

Möchte man einem Freund bei der Berufswahl mit hilfreichen Ratschlägen zur Seite stehen oder selber ein Verhältnis als Leiharbeiter eingehen, ist ein gewisses Grundwissen über die derzeitige Rechtslage, Vor- und Nachteile, sowie Erkennungsmerkmale von typischen Betrugsmaschen unumgänglich.

Für viele Menschen ist die Zeitarbeit die beste Möglichkeit, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu überbrücken. Oft ergeben sich daraus neue Dauerarbeitsverhältnisse und auch eine Vielzahl an beruflichen Erfahrungen.

Demnach gibt es durchaus gute Gründe, die für dieses Arbeitsmodell sprechen. Wer in der Lage ist, flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren, sich schnell in Teams einzufügen und eine gute Auffassungsgabe besitzt, der wird hier um eine Karriere nicht herumkommen. 

Was ist Leiharbeit genau und wie ist sie entstanden? 

In Deutschland gibt es viele Bezeichnungen für die ANÜ:

  • Leiharbeit
  • Personalleasing
  • Mitarbeiterüberlassung
  • Temporärarbeit
  • Zeitarbeit

Dieses Arbeitskonzept wurde von den amerikanischen Anwälten Aaron Scheinfeld und Elmer L. Winter erschaffen. Im Jahre 1948 gründeten sie die erste Firma, die auf Personalleasing beruhte. Schnell verbreitete sich ihr Arbeitskonzept in den Vereinigten Staaten und ab 1956 erreichte es auch Europa.

Wie die zahlreichen Bezeichnungen bereits vermuten lassen, handelt es sich bei diesem Arbeitsmodell um den temporären Einsatz einer zusätzlichen Arbeitskraft an unterschiedlichen Einsatzorten und bei verschiedenen Firmen.

Welche gesetzlichen Voraussetzungen sind zu beachten?

Ein Vertragsverhältnis entsteht ausschließlich zwischen dem Leiharbeiter und der verleihenden Zeitarbeitsfirma, jedoch nicht mit der Firma, welche den Leiharbeiter beschäftigt. Firmen und Geschäftspersonen beziehungsweise Entleiher (diejenigen, die Leiharbeitnehmer temporär gegen Entgelt beschäftigen) erhalten die Flexibilität ihr Personal nach Bedarf auf- und abzubauen.

Die Vorteile gegenüber einem kurzfristigen Arbeitsvertrag sind hierbei für die Entleiher, dass sie

  1. einen niedrigeren Stundenlohn auszahlen können und
  2. dem Leiharbeitnehmer gegenüber keinerlei Verpflichtungen haben.

Am 01/04/2017 wurde gesetzlich in Paragraf 1, Abs. 1b, Satz 1 im AÜG festgelegt, dass ein Leiharbeitsnehmer maximal 18 Monate am selben Ort tätig sein darf. Sollte diese Frist überschritten werden, existieren zwei Varianten:

  1. Der Verleiher bietet dem Leiharbeitnehmer ein vertragsbindendes Arbeitsverhältnis an
  2. Der Leiharbeitnehmer kündigt seinem Arbeitgeber (dem Verleiher) schriftlich an, dass er sein Arbeitsverhältnis aufrechterhalten möchte
Abweichungen von der maximalen Obergrenze der Tätigkeit des Leiharbeitnehmers am gleichen Arbeitsplatz können in Abhängigkeit von Betriebsvereinbarungen und Tarifverträgen entstehen.
  • Durchschnittlich beträgt die Arbeitszeit eines Leiharbeitnehmers 35 Stunden in der Woche. Offizielle Feiertage müssen auch bei dieser Tätigkeit beachtet werden.
  • Der Mindesttarif ist abhängig von Region. So weisen die Mindesttarife prozentuale Unterschiede im Westen und Osten von Deutschland auf.
  • Nach einem Zeitraum von neun Monaten sind Verleiher und Entleiher gesetzlich dazu verpflichtet, dem Leiharbeitnehmer einen gleich hohen Lohn, wie den von anderen Angestellten, für die Realisierung der gleichen Arbeit auszuzahlen.
  • Um als Verleiher tätig zu sein, ist man verpflichtet, vorab bestimmte Lizenzen einzuholen. Leider umgehen zahlreiche, inoffizielle Verleiher diese Lizenzen, indem sie zukünftige Mitarbeiter dazu überreden, eine Scheinselbstständigkeit anzumelden.

Diese Vor- und Nachteile erwarten Leiharbeitnehmer und Leiharbeitnehmerinnen

Obwohl es nicht immer ein Zuckerschlecken ist, wenn man teilweise Jahre in verschiedenen Betrieben hin- und herverliehen wird und wie ein Springer in allen möglichen Tätigkeitsbereichen eingesetzt wird, so ist es als Alternative zum bitteren Nichtstun durchaus diskutabel.

Die Nachteile dieser Tätigkeitsform liegen offen auf der Hand, und nicht wenige Arbeitnehmer bekamen einst die Kündigung wegen angeblichem Arbeitsmangel, um dann Monate später als Mitarbeiter einer Leiharbeitsfirma im alten Betrieb die gewohnte Tätigkeit wieder auszuüben. Nur leider oft mit weniger Gehalt und befristetem Arbeitsvertrag.

Hier gäbe es durchaus für den Gesetzgeber ein weites Feld der Nachbesserung zugunsten der Arbeitnehmer, denn durch die zahllosen Schlupflöcher wurde der Arbeitnehmerschutz massiv umgangen.

Zu den Nachteilen zählt, dass Leiharbeiter oft weniger Gehalt erhalten als Stamm Mitarbeiter, dass sie häufig kein Zugehörigkeitsgefühl zu der Stammfirma entwickeln und somit auch kein Verantwortungsgefühl entsteht. Es ist eine Art Außenseiterrolle, die nicht immer leicht zu spielen ist.

Oft ist aber genau das Gegenteil der Fall: Der Zeitarbeiter hat sich toll eingearbeitet, er wird im ganzen Team akzeptiert und geschätzt, und man hätte ihn gern dauerhaft übernommen – aber das Zeitlimit ist überschritten und die Tätigkeit muss beendet werden. Auch hier fällt der Abschied dann besonders schwer, und der Leiharbeiter unterliegt einem großen Stress.

Ein weiterer Nachteil betrifft in erster Linie das Privatleben der Arbeitnehmer: Viele Banken sind immer noch sehr restriktiv, was die Kreditwürdigkeit von Zeitarbeitnehmern betrifft. Leiharbeiter machen immer wieder die Erfahrung, dass durch die befristeten Einsatzzeiten von Seiten der Geldinstitute Zweifel über die Sicherheit der Rückzahlung bestehen. Tatsächlich unterliegen aber auch diese Arbeitsverträge den üblichen gesetzlichen Bestimmungen und somit auch den normalen Kündigungsfristen. Inzwischen gibt es hier bereits ein Umdenken – man kann sich bei Bedarf an spezialisierte Anbieter wenden und sich über die jeweiligen Konditionen informieren.

Zeitarbeiter vereinen ein paar besondere Eigenschaften in sich: Leistungsbereitschaft, Wille zum Erfolg, maximale Flexibilität und ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit an die wechselnden Anforderungen sind nur ein paar der Attribute, die einen Arbeitnehmer dieser Art auszeichnen.

Kommt man an den oben geschilderten Problemen unbeschadet vorbei, erkennt man die Vorteile klar, die diese Beschäftigung mit sich bringt:

  • Man ist nicht gezwungen, staatliche Hilfen zu beantragen, weil man ja dauerhaft Arbeit hat.
  • Es gibt im Lebenslauf keinen Leerlauf, und die wechselnden Einsatzorte helfen, sich nicht zu langweilen.
  • Die Tätigkeit bringt viele neue Kontakte und Erfahrungen mit sich.
  • Nicht wenige Leiharbeitsprofis würden nicht mehr in ein Standard-Arbeitsverhältnis wechseln, weil diese Arbeitsform ihnen viel mehr Freiheiten bietet als dies bei einer festen Anstellung der Fall wäre.

So profitieren Arbeitgeber/Verleiher und Entleiher von der Arbeitnehmerüberlassung

Dennoch bietet die Arbeitnehmerüberlassung überwiegend Vorteile für den Arbeitgeber beziehungsweise Verleiher und den Entleiher. Immerhin erzielen beide Parteien durch den Einsatz des Leiharbeiters einen erheblichen Gewinn bei einem geringen Kostenfaktor durch niedrige Tarife.

Die Vorteile des Verleihers/Auftragsgebers im Einzelnen sind:

  1. Der Verleiher ist nicht verantwortlich für die Qualität der geleisteten Arbeit durch den Leiharbeiter
  2. Er übernimmt auch keine Haftung für Arbeitsunfälle
  3. Abhängig von der Tätigkeit des Zeitarbeiters, erhält der Verleiher bis zu einem Dreifachen von dem Lohn des Arbeitnehmers
  4. Der Arbeitgeber hat auch das Recht, als Personalvermittler tätig zu werden. Für die Vermittlung von neuem Personal, kann er eine Vermittlungsgebühr von 10 bis 30 Prozent des Bruttojahresgehaltes erhalten

Der Entleiher genießt ähnliche Vorteile wie der Verleiher, nur, dass er hinzukommend folgenden Nutzen erzielt:

  1. Seit dem Personalleasing sind Firmen flexibler denn je
  2. Eine Teamverstärkung ist durch die Arbeitnehmerüberlassung ein deutlicher geringerer Zeitaufwand
  3. Einen neuen Mitarbeiter zu „mieten“, birgt ein deutlich niedrigeres Risiko, als einen befristeten Arbeitsvertrag auszustellen
  4. Die anfallenden Kosten bei der Erweiterung des Personals durch Leiharbeiter sind überschaubar
  5. Auch die anstrengende Suche nach einem geeigneten Mitarbeiter fällt durch das Personalleasing weg, denn der Verleiher prüft vorab alle notwendigen Qualifikationen etc. des Leiharbeiters

Schutz vor Ausbeutung durch Leiharbeit - unseriöse Arbeitsfirmen und Arbeitgeber einfach durchschauen 

Der Gesetzgeber hat versucht, die Arbeitnehmer in Zeitarbeitsfirmen vor Ausbeutung zu schützen. Leider ist ihm dies nicht vollständig gelungen. Durch die mangelhafte gesetzliche Rahmenverpflichtung können sich auch viele schwarze Schafe auf dem Leiharbeitsmarkt tummeln. Es kommt durchaus vor, dass Arbeitnehmer nicht ordentlich angemeldet werden, sondern sie in eine Art Scheinselbständigkeit hineinmanövriert werden.

Den Gang zum Anwalt sollte man daher nicht scheuen. Dieser kann im Einzelfall die Verträge auf rechtswidrige Inhalte prüfen und im Ernstfall die ordentlichen Gerichte anrufen.

Wer plant, sich vertraglich zu binden, der sollte sich vorher ausreichend über die gewünschte Firma informieren. Oft werden Auseinandersetzungen offen im Netz debattiert.

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