Baufinanzierung: Variable Zinsen jetzt besser festschreiben?

Frankfurt - Der Zinsanstieg beim Baugeld beschert Kreditnehmern mit variabler Baufinanzierung höhere Kosten. Sie sollten prüfen, ob es sich lohnt, Teile des Darlehens in einen Festzinskredit umzuwandeln.

Inflationsängste und gute Konjunkturdaten treiben die Hypothekenzinsen aufwärts. Der Biallo-Index für zehnjährige Baudarlehen erreicht inzwischen wieder die Vier-Prozent-Marke und steht damit knapp einen Prozentpunkt höher als vor einem halben Jahr. Trotz Japan- und Libyen-Krise dürfte sich der Aufwärtstrend fortsetzen. Zum Ärger von Immobilienkäufern mit variabler Zinsgestaltung verteuert die aktuelle Entwicklung die Kosten f ür die Baufinanzierung. „Wer zwischen 2009 und 2010 einen variablen Kredit aufgenommen hat, sollte prüfen, ob für ihn eine Umschuldung in ein Festzinsdarlehen sinnvoll ist“, rät deshalb Manfred Hölscher vom Baugeldvermittler Enderlein. Insbesondere Kreditnehmer, die eine weitere Verteuerung ihrer Kreditbelastung ausschließen müssen, sollten zumindest einen Teil der Kreditsumme in ein klassisches Festzinsdarlehen umwandeln.

Wie schnell sich variable Kredite verteuern können, mussten Immobilienkäufer zwischen 2005 und 2007 erleben. Binnen zwei Jahren stieg der sogenannte Euribor-Zins von zwei auf fünf Prozent. Der Euribor ist ein Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander kurzfristig Geld leihen. Er gilt damit als Referenzzinssatz für variable Darlehen. Mit dem Anstieg des Euribor verteuerten sich damals die Zinsen variabler Baukredite von drei auf sechs Prozent. „Ein ähnliches Szenario ist in den nächsten Jahren durchaus wieder möglich, wenn die Konjunktur auch außerhalb Deutschlands an Fahrt gewinnt“, sagt Hölscher.

Zwei Handlungsoptionen bestehen

Wer im Jahr 2010 einen variablen Kredit zu unter zwei Prozent aufgenommen hat, muss heute bereits rund 0,5 Prozentpunkte mehr zahlen. Und weitere Zinsanstiege sind wahrscheinlich. Die Konditionen bei variablen Baudarlehen werden alle drei oder sechs Monate an den Euribor angepasst. Zu diesen Zinsanpassungsterminen haben Kreditnehmer zwei Möglichkeiten: Sie können entweder ihr Darlehen in beliebiger Höhe zurückführen – also tilgen. „Nur wer von dieser Option Gebrauch macht und überdurchschnittlich hoch tilgt, profitiert wirklich von variablen Zinsen“, erklärt Hölscher. Wer die Tilgungsflexibilität jedoch nicht nutzt und nur wenig tilgt, der sollte nach Ansicht des Finanzierungsexperten die zweite Option in Erwägung ziehen, „die Umschuldung des variablen Kredits in ein Festzinsdarlehen“. Zwar würde dadurch die Zinsbelastung steigen, aber Kreditnehmer wären dann vor weiteren Zinserhöhu ngen und damit vor unkalkulierbaren Kostensteigerungen geschützt.

Festzinsdarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung sind nach wie vor unter vier Prozent Sollzins zu haben, so etwa bei der Netbank mit 3,67 Prozent, bei der Sparda Bank Nürnberg mit 3,69 Prozent oder beim Direktversicherer Europa und der DTW Immobilienfinanzierung mit je 3,74 Prozent. Nur unwesentlich mehr berechnen die PSD Banken Nürnberg und Koblenz/Mainz/Worms sowie die Sparkasse Neuss mit je 3,75 Prozent Sollzins; nur ein bzw. zwei Zehntel darüber liegen die Baugeldvermittler Interhyp mit 3,76 Prozent sowie Accedo und Enderlein mit je 3,77 Prozent.

Variable Baufinanzierung weiterhin sinnvoll

Gänzlich abraten will Baugeldexperte Hölscher von variablen Baudarlehen aber nicht: „Wer hohe Mittelzuflüsse erwartet und wer sein Darlehen jederzeit in beliebiger Höhe zurückführen möchte, für den bleiben flexible Darlehenszinsen trotz möglicher Konditionsanstiege eine Überlegung wert.“ Besonders Unternehmer oder bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte, die über hohe schwankende Einnahmen verfügen, könnten mit variablen Darlehen immense Zinskosten sparen. Vor allem dann, wenn sie die Zinsersparnis gegenüber einem Festzinsdarlehen für eine höhere Tilgung nutzen.

Tipp: Eine Alternative kann die Finanzierung über Kombidarlehen sein. Dabei wird die Darlehenssumme in zwei häufig gleichgroße Tranchen gesplittet. Der eine Teil des Darlehens wird über einen Festzinskredit abgewickelt, der andere über ein variables Darlehen. Auf diese Weise können Kreditnehmer einerseits von niedrigen Euribor-Zinsen und hoher Tilgungsflexibilität profitieren, andererseits wird das Risiko steigender Zinsen durch den Festzinskredit halbiert.

Max Geißler/Biallo

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare