Prozess in Göttingen

Er wollte einen Menschen sterben sehen: Mann soll Nachbarn erwürgt und zerstückelt haben

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Fundstelle: Nach der Bergung der Leichenteile suchte die Polizei nach weiteren Spuren.

Okkultismus, Mordlust, eine zerstückelte Leiche: Der Fall wirkt wie ein erfundener Grusel-Schocker. Doch in Göttingen geht es um ein reales Verbrechen - das nur durch einen Umstand ans Tageslicht kam.

Der Angeklagte verbirgt seinen Kopf minutenlang hinter einem grünen Aktendeckel. Als Kameraleute und Fotografen den Schwurgerichtssaal verlassen, kommt ein bärtiges Gesicht zum Vorschein. Es wirkt ausdruckslos, als der Staatsanwalt die Anklage verliest: Weil der 28-Jährige Mann aus dem Landkreis Northeim einen Trinkkumpanen erwürgt, zerstückelt und vergraben haben soll, muss er sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Ihm wird unter anderem Mord und Störung der Totenruhe vorgeworfen.

Erst Trinkgelage, dann Mord

Laut Anklage hatte der Mann in der Nacht auf den 8. oder 9. Dezember 2017 in einem Mehrfamilienhaus in Katlenburg-Lindau mit seinem 37 Jahre alten Nachbarn in dessen Wohnung ein Trinkgelage veranstaltet. Als die Männer dabei in Streit gerieten, soll der Jüngere den Älteren zunächst mit der Faust aufs Auge geschlagen haben, so dass der Getroffene laut aufschrie.

Währenddessen habe der 28-Jährige den Entschluss gefasst, seinen Nachbarn zu töten. Denn weil er sich als mutmaßlicher Anhänger eines obskuren Ordens mit dem Thema "Okkultismus" beschäftigte, wollte er laut Anklage einen Menschen sterben sehen. Dazu soll er eine auf dem Boden liegende Schnur ergriffen und den 37-Jährigen damit erwürgt haben. Die Staatsanwaltschaft wertet dies als Tötung aus Mordlust.

Täter zerstückelte sein Opfer

Anschließend, so der Vorwurf, habe der Angeklagte die Leiche ins Bad gezerrt, ein Messer aus seiner eigenen Wohnung geholt und den Toten damit zerstückelt. Der 28-Jährige, der sich auch mit dem fachgerechten Zerlegen von Körpern befasst haben soll, habe viel Zeit und Geschick darauf verwendet, den Nachbarn in Stücke zu schneiden. Die Leichenteile soll er in Tüten verpackt und auf einem abgelegenen Feld in der Nähe von Lindau vergraben haben. Dort wurde der Tote im Sommer 2018 entdeckt und geborgen.

Abgesperrt: Der Leichenfundort südlich von Lindau, unweit der Rhume war Freitagmorgen noch mit Flatterband abgesperrt.

Angeklagter berichtete von seiner Tat

Ohne Zutun des Angeklagten wäre das Verbrechen aber wohl kaum aufgeklärt worden. Denn die Polizei kam dem Mann erst auf die Spur, als dieser nach einem Selbstmordversuch im bayerischen Landsberg am 11. August vergangenen Jahres in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wurde. Dort berichtete der Angeklagte, er habe seinen Nachbarn getötet und vergraben.

Die Polizei hatte bereits im Frühjahr 2018 nach dem 37-jährigen Opfer gesucht, nachdem Verwandte gemutmaßt hatten, der Mann liege hilflos in seiner Wohnung in Lindau. Als die Beamten ihn dort nicht antrafen, meldeten sie ihn als vermisst und schrieben ihn zur Aufenthaltsermittlung aus. Wegen dieses Eintrags meldete sich dann die bayerische Polizei bei den südniedersächsischen Kollegen, nachdem der 28-Jährige in der Landsberger Psychiatrie die Tötung seines Nachbarn gestanden hatte.

Mann führte Polizei zur Leiche

Der Angeklagte selbst führte die Ermittler dann Mitte August vergangenen Jahres zu dem Acker bei Lindau. Mit Hilfe eines Leichenspürhundes gelang es der Polizei schließlich, die mittlerweile überwucherte Grabstätte zu finden.

Nach Verlesung der Anklage beantragte der Verteidiger eine Aussetzung des Verfahrens, weil er nicht genügend Zeit zur Akteneinsicht gehabt habe. Das Gericht werde zu einem späteren Zeitpunkt über den Antrag entscheiden, sagte der Vorsitzende Richter. Er beendete den ersten Prozesstag dann frühzeitig. Laut Plan sind für das Verfahren 16 Verhandlungstage bis Mitte Mai angesetzt. (lni)

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