Endlich Bär sein

Ex-Zirkusbär Pardo genießt im Bärenpark Worbis das Leben in vollen Zügen

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Leidenschaft für das Baden entdeckt: Pardo fühlt sich nach einem Jahr im Alternativen Bärenpark Worbis pudelwohl. 

Göttingen. Pardos Leben hat wieder einen Sinn: Seit gut einem Jahr lebt der ehemalige Zirkusbär im Bärenpark Worbis im Obereichsfeld. Und er ist im Alltagsleben eines Braunbären, das ihm zuvor fast 20 Jahre lang vorenthalten wurde, angekommen.

Denn in seinem Dasein als Zirkusbär gab es keine Winterruhe, keine natürliche Nahrung und keine Möglichkeit zu natürlichem Verhalten. 

„Uns freut besonders, dass Pardo sich direkt in seinem ersten Jahr bei uns eine natürliche Schlafhöhle gesucht hat und in die Winterruhe gegangen ist. Gerade bei ehemaligen Zirkusbären ist das nicht selbstverständlich“, erklärte Parkleiter Ralf Wettengel. Das Fazit von Wettengel und seinem Team in Worbis nach einem Jahr ist eindeutig: Pardo fühlt sich pudelwohl in dem Tierschutzprojekt der Stiftung für Bären.

Fast 20 Jahre lang musste er als Zirkusbär in der Manege auftreten. Seine Besitzer reisten mit ihm durch halb Europa. Zuletzt traten sie in Spanien auf. Ende 2017 wurde der Bär plötzlich von den spanischen Behörden beschlagnahmt. Eine neue, tiergerechte Unterbringung wurde gesucht, jedoch ohne Erfolg: Ein halbes Dutzend Einrichtungen erteilten eine Absage. Dem Braunbär drohte die Einschläferung, er kam auf die sogenannte Todesliste.

Dann doch noch das Happy End: Die Stiftung für Bären erklärte per eidesstattlicher Versicherung, das Tier zu übernehmen. Pardo wurde in die Freianlagen des Thüringer Tierschutzprojektes der Stiftung entlassen, dem Alternativen Bärenpark Worbis eingebürgert. Dort darf er zum ersten Mal in seinem Leben einfach nur Bär sein. 

Laut Bärenpark-Mitarbeiter findet Pardo sich in dem natürlichen Gelände souverän zurecht, obwohl er fast blind ist. Er arrangiert sich mit den Wölfen und Bären. Er genießt es zu spielen, vor allem mit Braunbärin Daggi. Und Pardo hat seine Leidenschaft für das Baden entdeckt. Kurzum: Das Hundeleben für den Zirkusbären hat ein Ende gefunden.

Infos zum Bärenpark Worbis

Die Stiftung für Bären setzt sich für nachhaltigen Tierschutz und ein Wildtierverbot in Zirkussen sowie gegen die Züchtung von Wildtieren in Gefangenschaft ein. Aus dem 1995 gegründeten Aktion Bärenhilfswerk e.V. hervorgegangen, betreibt die Stiftung zwei Parks. 

1996 entstand der Alternative Bärenpark Worbis, in dem weltweit das erste Mal Bären und Wölfe in einem Tierschutzprojekt in Gemeinschaftshaltung verhaltensgerecht betreut werden. 

Seit 2010 gibt es den Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald, in dem sich Braunbärin Jurka, Mutter des 2006 erschossenen Bruno, und die erste Auffangstation für verwaiste Bärenwelpen Europas befindet. 

Ebenfalls 2010 rief die Stiftung für Bären das Projekt „Luchs – ein Waldgeist kehrt zurück“ ins Leben, eine Aufklärungsaktion für die Rückkehr wildlebender Luchse in Nordthüringen. 

Der Bärenpark Worbis ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt: Tageskarte Erwachsene acht Euro, Kinder ab 5 Jahre 7 Euro, Familienkarte 24 Euro. Duderstädter Allee 49, 37339 Leinefelde-Worbis; Tel. 036074/20090.

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