Kritiker lästern über Neubauer als „Langstreckenluisa"

Kann sie das Klima retten? Göttinger Studentin ist die deutsche Greta Thunberg

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Die Göttinger Studentin Luisa Neubauer sorgt dafür, dass jeden Freitag tausende Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen (wie auf dem Foto in Berlin).

Die Göttinger Klimakämpferin Luisa Neubauer ist das deutsche Gesicht der "Fridays for Future"-Proteste. Die einen verehren die 22-Jährige, die anderen verachten sie. Wer ist die junge Frau?

Oft kann man Deutschlands bekannteste Klimaschutzaktivistin gerade nicht in Göttingen treffen. Luisa Neubauer studiert dort Geografie, ist derzeit aber vor allem als Mitorganisatorin der „Fridays for Future“-Proteste in Berlin beschäftigt. Jeden Freitag bringt sie tausende Schüler für den Klimaschutz auf die Straße.

Die 22-Jährige war zu Gast bei Dunja Hayali, diskutierte mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und ist nun das Gesicht der Bewegung. Als man sie auf dem Handy erreicht, hat die gebürtige Hamburgerin gerade ihre Sachen für eine Reise nach Brüssel und Paris gepackt, wo ebenfalls gestreikt wird.

Wie fühlt sie sich als deutsche Greta Thunberg? Den Vergleich mit der 16-jährigen Schwedin, die den Protest ins Rollen brachte, findet Neubauer unpassend: „Vor allem bin ich latent müde.“

Luisa Neubauer: Die Kritiker

Ihre Bachelorarbeit hat sie vorerst auf Eis gelegt. Sie hat schon genug mit ihren Kritikern zu tun, die ihr Doppelmoral vorwerfen und sie „Langstreckenluisa“ nennen. Tatsächlich ist Neubauer viel geflogen – unter anderem nach Tansania, wo sie als Entwicklungshelferin Wasserleitungen verlegte. Ihr Instagram-Account sieht aus wie der von Millionen anderer junger Menschen, für die die Welt ein Zuhause ist und die gern ferne Länder bereisen.

Sie sei auch nur ein Mensch, sagt sie, fliege heute aber weniger und ernähre sich vor allem vegan. Göttingen, wo sie an der Uni jobbt, ist für sie zum Ruhepol geworden: „Hier komme ich raus aus dem Trubel.“

Es ist auch wirklich sehr viel los im Leben des Grünen-Mitglieds. Die einen verehren sie. Bei Instagram schrieb eine Nutzerin hemmungslos: "Du bist hübsch und klug. Ich wäre gern wie du." In rechten Blogs wird jedoch kein gutes Haar an ihr gelassen. Sogar Morddrohungen soll sie schon erhalten haben. Spätestens da fragt man sich, warum manche Menschen mehr Angst vor Mädchen wie Greta Thunberg und Luisa Neubauer haben als vor dem Klimawandel.

Klimastreiktag am 15. März

Wobei: Neubauer ist längst kein Mädchen mehr, sondern eine junge Frau. Mittlerweile protestieren nicht nur Schüler für ein Handeln. Auch Studenten solidarisieren sich mit den Streikenden. Das wird man wohl auch am 15. März sehen, der zum internationalen Klimastreiktag ausgerufen wurde und für die Bewegung der vorläufige Höhepunkt sein soll. Schon jetzt ist das Wachstum beeindruckend. Vor zwei Monaten starteten die Proteste mit 14 Städten, mittlerweile sind es 190. Göttingen war ganz früh dabei.

Neubauer ist ehemalige Stipendiatin der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung sowie Jugendbotschafterin der von den Popstars Bono und Bob Geldof gegründeten Lobby-Organisation One, die vor allem Kampagnen gegen Armut organisiert. Außerdem arbeitet sie als Moderatorin und Bloggerin. 

In einem Artikel für die "Huffington Post" bekannte sie schon vor eineinhalb Jahren: "Ich bin Lobbyistin - und zwar ganz anders, als ihr euch das vorstellt". Damals beschrieb sie, wie sie mit anderen One-Aktivisten aus der ganzen Welt in die EU-Hauptstadt reiste, "um Brüssel aufzumischen" und mehr Entwicklungshilfe für arme Länder zu fordern. Dabei wurde sie von Kamerateams begleitet. Der ungewöhnlich detaillierte Wikipedia-Artikel über sie war in der Lexikon-Gemeinde zwischenzeitlich zur Löschung vorgeschlagen, da es für manche schien, Neubauer habe ihn selbst verfasst. Autor soll jedoch ein Bekannter von ihr sein.

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It’s weird how now the world seems occupied talking about Greta and about young climate activists in other countries. About how many of the so-called climate leaders are girls, about the way we travel and what clothes we wear, about what fruits we eat and what our parents do for living. They talk about what plans we got in the future, worry about our education and say how nice it is that we get involved in politics. And then, the only thing we really want you to talk about is the climate crisis. Thanks @gretathunberg for your words at the @europeancommission today. . . #fridaysforfuture #youthforclimate #climateaction #EU #Brussels #klimaschutz #sdgs #environment #climatechange

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Die Klimakämpferin ist offensichtlich ebenso geschäftstüchtig wie kämpferisch. Auf die Frage, ob der Schulstreik und ihre Forderungen wie der nach einem Kohleausstieg 2030 statt 2038 nicht naiv seien, antwortet sie: „Naiv ist, wenn man glaubt, dass sich etwas ändert, wenn man sich nicht selbst beteiligt.“

Luisa Neubauer: Klimaschutzaktivistin

  • Geboren: am 21. April 1996 in Hamburg
  • Ausbildung: Abitur am Marion-Dönhoff-Gymnasium, Geografiestudium an der Uni Göttingen
  • Aktivitäten: Neubauer ist Jugendbotschafterin der Kampagnenorganisation One und eine der Hauptorganisatoren des Schulstreiks "Fridays for Future" für mehr Klimaschutz
  • Social Media: Neubauer hat mehr als 7000 Twitter-Follower und fast 6000 Fans bei Instagram. Ihr Account heißt "luisa.loveslifa".

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