Gehirn unterscheidet blitzschnell

Göttinger Psychologinnen analysieren die Verknüpfung von Wörtern mit Gefühlen

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Emotionale Bedeutung: Louisa Kulke untersuchte, wie unser Gehirn Reize verarbeitet.

Viele Gegenstände und Menschen im Alltag haben eine emotionale Bedeutung. Wie unser Gehirn solche Reize verarbeitet, haben Forscherinnen der Universität Göttingen untersucht.

Und ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Neuropsychologia veröffentlicht. Auslöser können zum Beispiel ein Paar Wollsocken sein, wenn sie das letzte sind, was die Großmutter vor ihrem Tod gestrickt hat. Das gleiche gilt für Wörter.

Am Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie haben die Wissenschaftlerinnen analysiert, wie Menschen neutrale Zeichen, Wörter und Gesichter mit emotionalen Bedeutung – auch Valenzen genannt – verbinden.

Solche Verbindungen lernten Testpersonen innerhalb weniger Stunden über systematische Belohnungen und Verluste. Beispielsweise erhielten sie immer dann Geld, wenn sie ein bestimmtes neutrales Wort sahen, sodass dieses Wort eine positive Assoziation erhielt. Alternativ verloren sie immer dann Geld, wenn sie ein anderes Wort sahen, was zu einer negativen Assoziation führe. 

Die Studien zeige, dass Menschen positive Assoziationen deutlich schneller lernen als neutrale oder negative Assoziationen, meldet die Universität Göttingen. Etwas Positives werde also besonders schnell mit dem Gesicht einer Person oder einem Wort verknüpft.

Mittels Elektroenzephalographie (EEG) untersuchten die Forscherinnen außerdem, wie das Gehirn die verschiedenen Reize verarbeitet. Ob ein Bild oder Wort positiv oder negativ sei, stelle das Gehirn meistens nach etwa 200 bis 300 Millisekunden fest. „Wörter, die mit Verlust assoziiert wurden, rufen bereits nach 100 Millisekunden spezifische neuronale Reaktionen im visuellen Kortex hervor“, sagt Dr. Louisa Kulke, Erstautorin der Studie. „Das Gehirn unterscheidet also blitzschnell, was für eine neu erlernte Bedeutung das Wort für uns hat, besonders wenn diese Bedeutung negativ ist.“

Dabei scheine es auch eine Rolle zu spielen, ob das Wort der Testperson vorher bereits bekannt sei (wie „Stuhl“ oder „Baum“) oder ob es ein frei erfundenes Wort sei, das in der Sprache gar nicht existiert (wie „napo“ oder „foti“). Somit scheine auch die bestehende semantische Bedeutung eines Worts eine Rolle dabei zu spielen, was wir mit diesem Wort assoziieren.

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