Drei Personen verurteilt

19-Jährige mit Betonplatte in Weser versenkt: Gericht kann Mord nicht nachweisen

Im Mordprozess um den Tod einer 19-jährigen Frau in Niedersachsen hat die Staatsanwaltschaft drei Personen zu einer Haftstrafe verurteilt.
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Im Mordprozess um den Tod einer 19-jährigen Frau in Niedersachsen hat die Staatsanwaltschaft drei Personen zu einer Haftstrafe verurteilt.

In Niedersachsen wird eine junge Frau zur Prostitution gezwungen und anschließend getötet. Drei Personen werden verurteilt - ein klares Tötungsdelikt fehlt.

Update vom Freitag, 22.10.2021, 13.38 Uhr: Im Mordprozess um den Tod einer 19-jährigen Frau, die im April 2020 in der Weser versenkt wurde, hat das Landgericht Verden zwei Männer und eine Frau am Donnerstag (21.10.2021) zu Haftstrafen verurteilt. Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet, haben sich die drei angeklagten Personen unter anderem der gefährlichen Körperverletzung durch Unterlassen schuldig gemacht - ein klares Tötungsdelikt habe man ihnen allerdings nicht nachweisen können.

Laut dem Vorsitzenden Richter des Prozesses spreche jedoch viel dafür, dass einer der Angeklagten wegen eines vorsätzlichen Tötungsdeliktes verurteilt werden müsste. „Aber wir wissen nicht, wer es gewesen ist“, sagte er. Allen dreien sei in der Anklage Mord vorgeworfen worden. Ein 41-jähriger Angeklagter bekommt mit acht Jahren, wegen schwerer Zwangsprostitution, Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung, versuchter sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen, die längste Haftstrafe. Er habe zusammen mit seinem Freund und seiner früheren Partnerin die junge Frau „gekauft“ und sie trotz ihrer psychischen Erkrankung als Prostituierte Freiern angeboten.

Mord an junger Frau in Niedersachsen: Zwei Männer und eine Frau schuldig gesprochen

Dem Richter zufolge steht mittlerweile fest, dass die 19-Jährige im Frühjahr 2020 in der Garage auf dem Grundstück des 41-jährigen Angeklagten starb. Die genaue Todesursache sei allerdings ungeklärt. Doch klar ist, dass ihr unbekleideter Leichnam an eine Betonplatte gebunden und im Kreis Nienburg in Niedersachsen in die Weser geworfen wurde. Rund drei Wochen nach der Tat fand ein Binnenschiffer die Leiche im Wasser.

Man sei nun davon überzeugt, dass alle drei angeklagten Personen wissen, wie die junge Frau ums Leben kam. Vor Gericht äußerten sich die zwei Männer und die Frau dazu allerdings nicht. Möglich sei aber, dass die 19-Jährige in der Garage erwürgt oder erstickt wurde oder durch die Gabe einer hohen Menge an Salz starb. In den Stunden vor ihrem Tod sei es dem Opfer infolge eines Krankheitsschubs sehr schlecht gegangen und soll medizinische Hilfe benötigt haben. Von den drei angeklagten Personen habe allerdings niemand einen Rettungswagen gerufen.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer für die zwei Männer und die Frau eine lebenslange Haft wegen versuchten Mordes durch unterlassender Hilfeleistung und Menschenhandels gefordert. Laut der Kammer kam eine solche Verurteilung jedoch nicht infrage. Die Prozessbeteiligten haben nun die Möglichkeit, gegen die Urteile Revision einzulegen - der Anwalt eines Bruders der getöteten Frau habe dies bereits angekündigt.

Niedersachsen: 19-Jährige Frau in Weser ertränkt - Zwei Männer verurteilt

Erstmeldung vom Freitag, 26.02.2021, 17.12 Uhr: Verden - Ein 21-Jähriger ist am Freitag (26.02.2021) wegen Menschenhandel vor dem Landgericht Verden in Niedersachsen zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Sein 26-jähriger Komplize wurde wegen Beihilfe zum Menschenhandel zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht sah es als bewiesen an, dass sie die psychisch kranke 19-jährige Frau im Frühjahr 2020 für 2000 Euro an zwei Männer „verkauft“ hatten. Zuvor hatten sie ihr Opfer an Freier vermittelt, berichtet der NDR.

Die Männer, an die die junge Frau „verkauft“ wurde, sollen sie im April 2020 an einer Betonplatte gefesselt in der Weser im Kreis Nienburg in Niedersachsen ertränkt haben. Der gewaltsame Tod der 19-Jährigen sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen.

Die Angeklagten sitzen vor Prozessbeginn im Gerichtssaal in Verden. Die zwei Männer wurden wegen Zwangsprostitution einer jungen Frau angeklagt. Jetzt hat das Gericht ein Urteil gefällt.

Junge Frau „verkauft“ und getötet: Mordprozess gegen drei Deutsche

Im Prozess wegen Menschenhandels ordnete die Kammer für den 21-jährigen Mann mit Drogenproblemen zusätzlich die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, sagte der Gerichtssprecher des Amtsgerichts Verden in Niedersachsen.

Gegen die mutmaßlichen Täter, die die Frau ertränkt haben sollen, läuft am Landgericht Verden separat ein Mordprozess. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei deutschen Angeklagten im Alter von 40, 53 und 39 Jahren Mord, Zwangsprostitution und andere Straftaten vor. Laut Anklage hätten die beiden Männer die junge Frau ab Anfang April 2020 zur Prostitution veranlasst.

Dabei sollen sie die persönliche Zwangslage der 19-Jährigen ausgenutzt haben, denn die Frau litt an einer paranoiden Schizophrenie. Die beiden Männer oder alle drei Angeklagten sollen die wehrlose, psychisch kranke Frau getötet haben, um andere Straftaten zu verdecken, berichtet die dpa. Im Jahr 2012 wurde ein 23-Jähriger tot aus der Weser geborgen. (sne mit dpa)

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