Das Doppelleben des Alois H.

Amok-Wilderer: Österreich rätselt über Motiv

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Was brachte Alois H. zu seiner Bluttat?

Wien - Drei tote Polizisten, ein erschossener Sanitäter und eine brennende Leiche: Nach dem blutigsten Einsatz, den die österreichische Polizei je erleben musste, sucht das Land nach dem Motiv.

Der Jäger Alois H. richtet seine Waffe gegen Menschen, tötet drei Polizisten, einen Sanitäter und sich selbst. Die verbrannte Leiche des mutmaßlichen Wilderers, die im Geheimkeller seines Hauses gefunden worden war, wurde von seinen Angehörigen identifiziert. Das bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft St. Pölten der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. Der Waffennarr starb durch einen Kopfschuss.

Im Geheimkeller versteckte Alois H. auch sein Doppelleben. Mehr als hundert Waffen und andere Dinge, die die Polizei bisher nicht preisgeben will, wurden dort gefunden. Sie geht aber inzwischen davon aus, dass er der gesuchte Wilderer ist.

Einen Tag nach der Belagerung im niederösterreichischen Bezirk Melk sind die Menschen im kleinen abgelegenen Ort mit rund 70 Einwohnern fassungslos. Wie konnte Alois H. so etwas tun? „Mir ist der nie komisch vorkommen“, sagt Hermann Blauensteiner dem ORF. Er sei ein netter Mensch gewesen, so Nachbar Markus Hirsch: „Der hat immer gegrüßt, wenn man ihn gesehen hat.“ Am Schießstand, wo der 55-Jährige immer geübt habe, will man sich nicht öffentlich äußern.

Über den Täter werden immer mehr Details bekannt. Er sei Witwer ohne Kinder, bestätigt die Polizei. In Medienberichten heißt es, er habe den Krebstod seiner Frau nur schwer verkraftet und täglich an einem eigens eingerichteten Schrein gebetet. Als Jäger und Mitglied im Schützenverein war Alois H. im Ort anerkannt, ein enges Verhältnis hatte er zu seinem Schäferhündin „Burgi“. Sie soll er während seiner Tat auch erschossen haben. Die Waffen besaß er legal.

Alois H. habe eine Störung gehabt, sagt der Gerichtspsychiater Reinhard Haller im ORF. „Er hat ein doppeltes Leben geführt: Nach außen sozial verträglich, in seinem Inneren hat es ganz anders ausgeschaut.“ Er habe sich nicht an Recht und Ordnung halten wollen - Wilderei habe auch mit Freiheit und Jagdinstinkt zu tun, so der Experte.

Wie die Polizei geht auch Haller von einer eher geplanten, kaltblütigen Tat aus: „Es war kein Amoklauf.“ Alois H. plante seine Flucht und zielte genau auf die Menschen. „Er hat sich den Weg zu seiner Höhle freigeschossen, um dort zu sterben.“

Polizeieinsatz wird untersucht

Der Polizeieinsatz werde nun untersucht, kündigte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Konrad Kogler, am Mittwoch an. Dabei gehe es auch um mögliche Fehler. Man habe die Gefährlichkeit des Täters nicht unterschätzt, verteidigt er die Behörden. Da in der Gegend bereits ein Mordanschlag auf einen Jäger verübt worden war, sei bei der Suche nach dem Wilderer auf das Sondereinsatzkommando Cobra zurückgegriffen worden: „Es hat sich gezeigt, dass diese Einschätzung richtig war.“ Nach Polizeiangaben wurde aber nicht explizit nach Alois H. gesucht.

„Ich bitt euch, das wär doch alles gar nicht notwendig gewesen“, zitiert die österreichische Nachrichtenagentur APA einen Großprieler im Gasthaus. Man habe den Mann doch nicht jagen müssen: „Den lass ich doch von mir aus den Hirschen schießen, oder auch zwei, dann fahr ich zu ihm nach Hause und läut an - und alles ist in Ordnung. Warum muss ich den so lange verfolgen, bis er die Nerven verliert?“

dpa

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