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Corona-Herbst: Intensivpfleger erwartet eine „Vollkatastrophe“

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Von: Vincent Büssow

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Coronavirus - Intensivstation RKH Klinikum Ludwigsburg
Pflege: Wegen des Fachkräftemangels in den Kliniken können nicht alle Intensivbetten belegt werden. Steigen die schweren Corona-Erkrankungen an, droht die Überlastung. (Archivbild) © Sebastian Gollnow/dpa

In den Kliniken herrscht akuter Fachkräftemangel. Steigen die schweren Corona-Erkrankungen wieder an, droht die Überlastung.

Frankfurt – Mitarbeiter des Gesundheitssystems warnen vor einer Überlastung der Kliniken im Herbst. Der Personalmangel führe schon jetzt dazu, dass Patienten nicht ausreichend betreut und Operationen verschoben werden müssen. Aktuell könne die Lage noch beherrscht werden, auf einen Anstieg schwerer Corona-Infektionen sei man jedoch nicht vorbereitet, so der Tenor.

Auch wenn die Omikron-Variante trotz hoher Infektionsraten nach wie vor nur wenige Menschen auf die Intensivstation zwingt, ist Corona dennoch ein Teil der aktuellen Problemsituation. Viele Mitarbeiter in Krankenhäusern fallen wegen einer Erkrankung aus. „An bestimmten Kliniken haben wir wirklich Ausfälle von 20 bis 30 Prozent des Personals“, sagt Eduard Fuchshuber von der Bayrischen Krankenhausgesellschaft gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Aus Baden-Württemberg kommt derweil die Meldung, dass aktuell 10 bis 15 Prozent der Krankenhausbetten nicht belegt werden können.

Fachkräftemangel in Kliniken: Pfleger warnen vor Corona-Notsituation

Der Fachkräftemangel in Bereichen wie der Pflege ist dabei nichts Neues. Schon vor der Corona-Pandemie ist es vorgekommen, dass Krankenhausbetten wegen fehlendem Personal nicht belegt werden konnten, gibt die Krankenhausgesellschaft in Baden-Württemberg an. Es sei allerdings noch nie so schwer gewesen wie jetzt, freie Stellen in der Pflege zu besetzen. Die Branche selbst fordert deshalb grade mit Blick auf den Herbst bessere Bedingungen.

Seit drei Monaten streiken die Pflegekräfte der Unikliniken in Nordrhein-Westfalen für bessere Arbeitsbedingungen. Viele der Beteiligten seien kurz davor, den Beruf zu verlassen, erzählt der Pfleger Dominik Stark gegenüber RTL.

Überlastung der Kliniken bei nächster Corona-Welle: „Vollkatastrophe“

Auch Intensivpfleger Ricardo Lange, der seit Pandemiebeginn regelmäßig auf die Missstände in der Branche aufmerksam macht, fordert bessere Anreize für Pflegekräfte, um die Situation zu verbessern. „Wenn man das alles ordentlich gemacht hätte, dann stünde jetzt mehr Personal zur Verfügung“, sagte er im Gespräch mit t-online.

Für den kommenden Corona-Herbst zeichnet der Intensivpfleger ein düsteres Bild: Er erwarte eine „Vollkatastrophe. Es wird ja immer gefragt, ob wir für den Herbst gut vorbereitet sind. Meine Antwort lautet: Nein.“ Man hätte zuvor wesentlich mehr für die Personalsituation in den Krankenhäusern tun müssen. Bereits vor einigen Tagen klagte Lange bei Anne Will, über überlastete Intensivstationen und die Untätigkeit der Verantwortlichen dabei, den Pflegeberuf attraktiver zu machen.

Auch pflegende Angehörige haben mit Problemen zu kämpfen. Die SPD in Hessen sieht großen Mangel bei Unterstützungsangeboten. (vbu mit dpa)

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