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„Wird Zahlen stark befeuern“: Münchner Virologe sieht Sommer-Probleme auf uns zukommen

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Von: Marc Dimitriu

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Der Münchner Virologe Prof. Dr. Oliver Keppler.
Der Münchner Virologe Prof. Dr. Oliver Keppler. © IMAGO/Sammy Minkoff

Der Virologe Oliver Keppler blickt mit Sorgen auf die geplanten Corona-Lockerungen und warnt vor einer „ungebremste Durchseuchung“.

München - Die Corona-Inzidenz steigt wieder stark an und erreichte am Mittwoch (16. März) ein Allzeit-Hoch. Die Infektionen werden immer mehr. Gleichzeitig sollen ab dem 20. März die meisten Corona-Maßnahmen wegfallen. Der Münchner Virologe Oliver Keppler hält diese bevorstehenden bundesweiten Corona-Lockerungen angesichts der aktuellen Situation für falsch.

Virologe kritisiert Corona-Lockerungen während Omikron-Welle

„Nach meinem Eindruck haben wir derzeit eine Entkopplung zwischen der tatsächlichen Entwicklung des Infektionsgeschehens und der politischen Diskussion über Lockerungen und einen Freedom Day“, sagte der Leiter der Virologie an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität der dpa. „Eine ungebremste Durchseuchung - und so befürchte ich das derzeit - darf jetzt nicht Deutschlands Ziel werden.“

Die politische Diskussion über die Lockerungen und ein Ende der Pandemie birgt nach seiner Einschätzung die Gefahr, dass in der Bevölkerung sowohl das Bewusstsein für die Gefahren als auch die Impfbereitschaft schwinden. „Wir haben nach wie vor täglich 200 bis 300 Corona-Tote“, sagte Keppler. „Bei annähernd neun von zehn ist Covid auch ursächlich für den Tod.“ Das „Corona-Vorzeigeland“ Dänemark habe in der Omikron-Welle mehr Tote als je zuvor - „und in den USA sind mehr Menschen an einer Infektion mit Omikron als mit der Vorgängervariante Delta gestorben“, sagte der Chef des Max von Pettenkofer-Instituts.

Virologe Keppler warnt vor weiter steigenden Corona-Zahlen - Problem im Sommer

Der Wissenschaftler forderte eine kluge Balance „zwischen einer sinnvollen, vielschichtigen und den Risiken angemessenen Infektionsprävention, die vor allem auch die vulnerablen Menschen weiter schützt, und einer neuen Normalität.“

Die Omikron-Variante des Erregers habe zwei wichtige Unterformen, die ursprüngliche BA.1-Form und eine neue, BA.2 genannt. „Diese zweite Form ist noch ansteckender als BA.1 und sicher ein Grund, warum die Infektionszahlen in vielen Ländern derzeit wieder stark ansteigen“, sagte Keppler. „In Kombination mit den geplanten weiteren Lockerungen wird das die Infektionszahlen bei uns stark befeuern. Es wird in diesen Sommer länger dauern, bis wir zu niedrigen Inzidenzen kommen, wenn überhaupt.“ In den letzten Tagen äußerten immer mehr Experten und Verbände und sogar Politiker Kritik an den Lockerungsplänen der Ampel-Regierung. So auch Virologin Sandra Ciesek. (md mit dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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