Bundesregierung will über neue Regelungen sprechen

Nächster Corona-Ausbruch: 92 Infizierte in Fleisch-Betrieb gemeldet

Corona in Niedersachsen: Ein Fleisch-Betrieb  meldet 92 Infizierte. Die Politik will nun über neue Regelungen in der Branche beraten.

  • Ein Fleisch-Betrieb bei Osnabrück in Niedersachsen meldet 92 Corona*-Infizierte.
  • Land Niedersachsen und Bundesregierung möchten sich beraten
  • Politik fordert neue Regelungen und Bedingungen für Fleisch-Betriebe

Göttingen - In Dissen bei Osnabrück (Niedersachsen) setzt ein Fleisch-Betrieb ab Montag (18.05.2020) wegen einem massiven Corona-Ausbruch vorerst die Produktion aus.

Wie der Landkreis Osnabrück am Sonntagabend (17.05.2020) mitteilte, hatten Tests gezeigt, dass unter den Mitarbeitern des Fleisch-Betriebs 92 Infizierte sind. Betroffene Mitarbeiter sowie deren Kontaktpersonen werden daher in Quarantäne geschickt.

Corona in Niedersachsen: Viele Mitarbeiter des Fleisch-Betriebes wohnen in Sammelunterkünften

Der Landkreis Osnabrück möchte im Laufe des Tages mit Vertretern des Landes über die weiteren Handlungen beraten und diskutieren, ob der Fleisch-Betrieb einen systemrelevanten Bereich der Lebensmittelindustrie darstellt.

62 der mit Corona infizierten Mitarbeiter des Fleisch-Betriebes wohnen den Angaben zufolge im Landkreis Osnabrück (Niedersachsen), teilweise sogar in Sammelunterkünften. Unter ihnen sind zahlreiche Kräfte, die von Subunternehmen beschäftigt werden.

Corona in Niedersachsen: Fleisch-Betrieb betroffen - Kontaktpersonen der Infizierten sollen nicht arbeiten

Die Ermittlung der Kontaktpersonen seien allerdings noch nicht abgeschlossen. Der Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück in Niedersachsen ermittelt derzeit die Kontaktpersonen der Corona-Infizierten, da diese ebenfalls in Quarantäne geschickt werden müssen.

So soll verhindert werden, dass Konktaktpersonen der infizierten Arbeitskräfte in anderen Fleisch-Betrieben eingesetzt werden und dort das Virus möglicherweise weiterverbreiten.

Corona in Niedersachsen: Bundesregierung will sich über Fleisch-Betriebe beraten

Die Kreise Gütersloh, Steinfurt und Wesel in Nordrhein-Westfalen und der Kreis Vechta in Niedersachsen, in denen die 30 weiteren Infizierte wohnen, wurden außerdem informiert.

Nachdem verschiedene Ministerien in Niedersachsen per Telefonkonferenz über das bisherige Vorgehen beraten haben, möchte nun auch die Bundesregierung angesichts der Corona-Ausbrüche in verschiedenen Fleisch-Betrieben über strengere Regeln für die Branche sprechen.

Infizierte in Niedersachsen: Bundesarbeitsminister Heil (SPD) kündigt neue Corona-Vorschläge an

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will heute im Corona-Kabinett Vorschläge zum Arbeitsschutz vorlegen und kündigte bereits an, innerhalb der Fleisch-Branche mit Werkverträgen und Subunternehmen, wie es in dem mit 92 Infizierten stark betroffenen Fleisch-Betrieb in Dissen (Niedersachsen) der Fall war, aufräumen zu wollen:

„Wir brauchen verbindliche Quoten für die Kontrollen, schmerzhafte Bußgelder bei Verstößen und klare, unmissverständliche Verantwortung eines Arbeitgebers für seine Betriebsabläufe.“

Corona in Niedersachsen: Fleisch-Betrieb betroffen - Grüne fordern Mindestpreis für Tierprodukte

Ein Verbot von Werkverträgen würde der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gefallen: Fleisch-Betriebe und Schlachthöfe dürften das Schlachten nicht „an dubiose Billigfirmen vergeben und damit die Verantwortung auslagern“, so Freddy Adjan, Vizevorsitzender der NGG, gegenüber der Funke-Mediengruppe.

Über neue Regelungen nach der hohen Zahl Infizierter in Fleisch-Betrieben bundesweit und in Niedersachsen, wird das Corona-Kabinett der Bundesregierung am Montag (18.05.2020) beraten.

Auch die Grünen setzen sich in einem Sieben-Punkte-Plan für eine bessere Löhne in Fleisch-Betrieben, verbesserte Haltungsbedingungen für Tiere, mehr staatliche Kontrollen und einen Mindestpreis für Tierprodukte ein.

Fleisch-Industrie wirft Politik Ignoranz nach Corona-Ausbruch in Niedersachsen vor

Vertreter der Fleischindustrie sehen das aber natürlich, trotz neusten Corona-Infektionen in Niedersachsen, ganz anders. Dazu sagte der Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke:

„Mit dem sachfremden und politisch fahrlässigen Vorstoß zu einem Verbot von Werkverträgen allein in der Fleisch-Branche ignoriert die Politik die Fakten und stigmatisiert unsere Branche“.

Von Nail Akkoyun

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