Däne baut Graceland-Kopie

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Der Däne Henrik Knudsen hat sich mit seiner Graceland-Kopie einen Kindheitstraum erfüllt.

Randers - Dänemark bekommt eine Kopie von Graceland: Ein Elvis Presley-Fan hat den legendären Wohnsitz des "King" nach Randers geholt. Jetzt gibt es Streit mit den Betreibern des US-Originals.

Ob Elvis Presley dieses Graceland in einem Industrieviertel des kleinen dänischen Städtchens Randers wohl gefallen hätte? Der “King of Rock'n'Roll“ kann es nicht mehr sagen, weil er seit 1977 tot ist und nur die Originalausgabe seines legendären Wohnsitzes in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee kannte. Der Däne Henrik Knudsen entdeckte seine Liebe zu Elvis, als er im zarten Alter von 13 Jahren von dessen frühem Tod hörte: “Seitdem sind meine Faszination und Liebe zu diesem Mann immer frisch geblieben.“ Jetzt soll die Liebe mit der Eröffnung der weltweit ersten Graceland-Kopie am 15. April ihren vorläufig spektakulärsten Ausdruck finden.

Das Wort Kopie darf man nicht zu eng auslegen. Von außen ähnelt das neu gebaute “Graceland Randers“ dem 7500 Kilometer entfernten Original durchaus. Im Inneren aber ist - fast - alles anders. Knudsen hat im Souterrain sein schon früher in Randers zu bestaunendes Elvis-Museum mit Originalgitarren des Sängers und anderen Erinnerungsstücken untergebracht.

Immerhin erinnert hier einiges an den berühmten “Jungle Room“, das Lieblingszimmer des Sängers. Im Erdgeschoss sind ein Elvis-Shop sowie ein “stilechtes“ Restaurant mit US-Südstaatenküche untergebracht. Und im ersten Stock präsentiert Knudsen stolz einen gewaltigen “Ballroom“, den man für Familienfeste oder für Konzerte nutzen kann: “Eine Dänin hat ihn schon für ihren 70. Geburtstag gebucht. Der steht 2017 an.“

Knudsen hat für sein Projekt sehr bescheidene Ansprüche im Vergleich zu den 500 000 Besuchern, die jedes Jahr zur Touristen-Attraktion Graceland in Memphis pilgern: “50 000 pro Jahr wären gut“, sagt er und strahlt dabei viel mehr Elvis-Begeisterung als kaltes kaufmännisches Kalkül aus. Ganz anders allerdings empfinden das die Betreiber des Originalbaus im fernen Tennessee. Sie verlangen von ihrem dänischen Nachahmer, dass er sein Projekt entweder komplett ohne den Namen Graceland betreibt. Oder ihnen einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner Einnahmen abtritt.

Beides hat Knudsen nicht vor. Wo doch gerade erst die Stadt Randers die Umbenennung der Zufahrtsstraße zu seinem Anwesen in “Graceland Randers Vej“ beschlossen hat. Das helfe ihm genauso wie ein Kartengruß von Priscilla Presley nach einer Begegnung mit ihm. “Die besten Wünsche für Graceland Randers“, schrieb die Ex-Frau des Sängers da.

Mit entwaffnender Offenheit erzählt Knudsen, wie er als ganz normal zahlender Besucher mit dänischen Architekten Graceland in Memphis besuchte und einfach mit dem Zollstock alles vermaß: “Wir haben ihnen nicht erzählt, was wir damit vorhatten.“ 26 Millionen Kronen (350 000 Euro) sind nun mit Hilfe einiger anderer Finanziers verbaut.

Für die Eröffnung hat sich eine bunte Gästeschar angesagt: Aus der Elvis-Heimat kommt Rock-Veteranin Suzi Quatro (60), die bis heute daran knabbert, dass sie 1974 eine Einladung nach Graceland von Elvis höchstpersönlich ausgeschlagen hat, weil ihm ihre Version von “All Shook Up“ gefallen hatte: “Ich Idiot hab' “Nein“ gesagt, weil ich zu nervös war.“ Auf die Frage, ob Elvis damals ihrer Meinung nach “nur ehrenwerte Motive“ gehabt habe, meinte die Sängerin: “Das will ich nicht hoffen.“

Spitzengast aus Dänemark bei der Eröffnung ist Finanzminister Claus Hjort Fredriksen (63), ein bekennender Elvis-Fan. Die große Eröffnungsrede soll der frühere US-Botschafter James P. Cain halten, der sich in Kopenhagen mit einem rauschenden Elvis-Fest in seiner Residenz einen Namen gemacht hat. Er wird vermutlich in Graceland Randers wiederholen, was er auch in der eigenen Residenz zur Begrüßung aller im passenden Rock'n'Roll-Outfit erschienenen Gäste ausgerufen hatte: “Elvis ist jetzt eindeutig hier in diesem Gebäude.“ Und damit nimmt er den berühmten Ausspruch aufs Korn, der nach Elvis-Konzerten häufig dem noch auf Zugaben wartenden Publikum zugerufen wurde, um es nach Hause zu schicken: “Elvis has left the building.“ (Elvis hat das Gebäude verlassen.)

Thomas Borchert (dpa)

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