Er besuchte die Favelas

Deutscher Tourist in Rio angeschossen

Rio de Janeiro - Die Favelas von Rio bleiben trotz erhöhter Sicherheitsmaßnahmen gefährlich. Ein deutscher Tourist wurde dort am helllichten Tag angeschossen.

Blutiges Ende eines Favela-Besuches in Rio: Ein deutscher Tourist wurde in Rocinha, der größten Armensiedlung der Stadt am Zuckerhut, angeschossen. Der 25-Jährige und ein weitere Deutscher wollten sich selbst ein Bild machen von der Siedlung, die 2012 von die Polizei eigentlich befriedet wurde. Doch in einigen Gegenden haben die Drogengangs weiter das Kommando.

Die beiden Deutschen waren am Freitagmittag nach einem Ausflug zur Cristus-Statue nach Rocinha in Rios Süden gefahren. Die Favela gleicht einem Labyrinth mit unzähligen Treppenaufgänge und verwinkelten Gassen. In einer dieser Gassen begegneten die Touristen einem bewaffneten Mann. Sie bekamen Angst, wollten weglaufen, und der Mann eröffnete das Feuer. Möglicherweise hatten die Deutschen zuvor fotografiert, worauf die Drogengangs oft aggressiv reagieren.

Der 25-Jährige wurden nach lokalen Medienberichten am Arm und in den Bauch getroffen. Er blieb blutend am Boden liegen, wo ihn ein Anwohner fand und zur Polizeiwache brachte. Der Deutsche wurde in einem Krankenhaus operiert. Der Täter flüchtete unerkannt.

Die amtliche Nachrichtenagentur Agência Brasil berichtete unter Berufung auf die Gesundheitsbehörden, dass eine Kugel auch die Leber getroffen habe. Die Herkunft der beiden Deutschen blieb unklar. Das Auswärtige Amt und das Generalkonsulat in Rio verwiesen auf den notwendigen Schutz der Persönlichkeitsrechte.

Die Armensiedlung Rocinha ist inzwischen beliebtes Ziel geführter Touristentouren. Die beiden Deutschen waren offenbar auf eigene Faust unterwegs. Trotz der erhöhten Polizeipräsenz sind in einigen Straßenzügen der Favela Mitglieder von Drogengangs mit Waffen auf offener Straße zu sehen, wenn auch in wesentlich geringerem Umfang als vor der Besetzung.

Mit offiziell rund 70 000 Einwohnern ist Rocinha die größte Favela der Stadt. 2012 wurde dort eine feste Wache der „Friedenschaffenden Polizeieinheiten“ (UPP) installiert, wo 310 Beamte im Einsatz sind.

In diesem Jahr hatte bereits die Vergewaltigung einer amerikanischen Touristin in einem Mini-Bus in Rio für Schlagzeilen gesorgt. Die Stadt am Zuckerhut sorgt sich vor den anstehenden Großereignissen um ihren Ruf als internationale Touristen-Metropole. In zwei Wochen beginnt der Confederations Cup und im Juli kommt der Papst zum Weltjugendtag. Dann folgt 2014 die Fußball-WM und zwei Jahre später richtet Rio die Olympischen Spiele aus.

Das Auswärtige Amt rät seit langem „dringend“ von Favela-Besuchen ab. „Diese Gebiete werden teilweise von Kriminellen kontrolliert. Bewaffneten Auseinandersetzungen, auch mit der Polizei, fallen häufig auch Unbeteiligte zum Opfer“, heißt es auf der Internetseite. Der richtige Rat: „Favela-Besuche nur in Begleitung von Ortskundigen.“

dpa

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